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Multivision: Peter Gebhard erlebte ein echtes Bulli-Abenteuer

Mit dem „Erwin“ durch Island

Ahlen

Es ist nicht unbedingt für jeden eine Tour zum Nachmachen. Aber über die große Leinwand mit Peter Gebhard durch Island zu reisen, das gefällt auch normalen Touristen.

Von Martin Feldhaus

Mittendrin statt nur dabei, wie das von der Leinwand abfotografierte Bild zeigt: Peter Gebhard unterstützte die einheimischen Farmer beim Schafsabtrieb in den Bergen und der anschließenden Zuordnung der Schafe. Foto: Martin Feldhaus

Schotterpisten mit teils riesigen Schlaglöchern, heftige Sturmböen, Regenwände und oft Eiseskälte. Ein Traumziel? Für die allermeisten Touristen wohl definitiv nicht, für den renommierten Profifotografen Peter Gebhard hingegen schon. Er bereiste die Vulkaninsel Island sogar mit seinem nostalgischen T1-Bulli „Erwin“, legte innerhalb von sechs Monaten über 10 000 Kilometer zurück, war zwischen Gletschern und Geysiren, Wüsten und Vulkanen unterwegs. Eine Reise, von der er am Mittwochabend bei der Multivision in der Stadthalle einzigartige und beeindruckende Bilder im Gepäck hatte.

„Die Insel hat mich sofort angefixt“, gab Peter Gebhard unumwunden zu. 1984 hatte er Island, damals noch als Student, zum ersten Mal bereist. Der Beginn einer ganz besonderen Verbindung: Es folgten 33 weitere Aufenthalte auf der Vulkaninsel mit ihren nur etwa 340 000 Bewohnern. Reisen, die geprägt waren von einzigartigen Landschaften und zahlreichen unvergesslichen Begegnungen mit ganz besonderen Menschen.

Sie waren aber andererseits auch das krasse Gegenteil eines Rundum-sorglos-Pakets bei einer Pauschalreise. Denn Peter Gebhard, sein Begleiter Daniel und Bulli „Erwin“ mussten die eine oder andere Hürde ohne fremde Hilfe meistern.

Entschleunigte Fortbewegung

Warum bereist man eine derart extreme Region am Polarkreis mit einem Auto aus den 1970er Jahren? Diese Frage beantwortete Peter Gebhard gleich zu Beginn: „Durch die Langsamkeit erfährt man alles viel intensiver“, erklärte er seine bewusste Entscheidung für eine entschleunigte Fortbewegung, die es dem Duo erst ermöglicht hatte, Island in vielen seiner Facetten zu erleben.

So gelang es Peter Gebhard etwa dank entsprechender Ausrüstung, die Vogelinsel Drangey zu erklimmen oder spektakuläre Bilder davon zu knipsen, wie der tollkühne Klippenkletterer Eyvi in schwindelerregenden Höhen Vogeleier sammelt. Der Fotograf ritt tagelang durch die einsamen Westfjorde, begleitete einen Isländer beim nächtlichen Fischen und machte bei Hildibrandur, einem Experten für die isländische Spezialität Gammelhai, eine kulinarische Erfahrung, die man wohl durchaus als gewöhnungsbedürftig bezeichnen kann. Beim herbstlichen Schafsabtrieb wandelte er zudem dicht auf den Spuren des Wirkens isländischer Farmer.

Auf großes Interesse stieß Peter Gebhards Tisch mit Büchern und Kalendern. Foto: Martin Feldhaus

Groß war die Verwunderung bei Peter Gebhard, als er mitten im Nirgendwo plötzlich einen T2-Oldtimer mit Karlsruher Kennzeichen traf. Wer sitzt da wohl hinterm Steuer? Diese Frage beantwortete sich am Abend, als er das Fahrzeug wiederfand und auf Torfi traf, der als Isländer 30 Jahre in Deutschland gelebt, aber alles aufgegeben hatte und mit seinem nostalgischen Gefährt auf die Vulkaninsel zurückgekehrt war. Bei einer Nacht am Lagerfeuer mit Wildwest-Charakter und tiefgreifenden Gesprächen entstanden atemberaubende Fotos der tanzenden Polarlichter am Himmel.

Zu unerwartetem Ruhm kam übrigens bei der Island-Tour der rot-weiße Oldtimer Peter Gebhards: Mitten in der Lavawüste geriet der Fotograf zufällig in die Dreharbeiten zum Island-Thriller „Trapped“. Mit der Konsequenz, dass sein Bulli für einige Sekunden in der zweiten Staffel zu sehen ist.

Auf sich selbst gestellt

Insgesamt keine Reise für schwache Nerven. „Man ist da draußen auf sich selbst gestellt“, verdeutlichte Peter Gebhard. Die Natur sei gerade auf Island nicht automatisch nett. Aus nächster Nähe erlebte er das im März 2010, als ihm spektakuläre Aufnahmen vom Ausbruch des Eyjafjallajökull gelangen, dessen Aschewolke seinerzeit den gesamten europäischen Flugverkehr lahmgelegt hatte.

Für die Ahlener war die Reise mit „Erwin“ durch das von den Naturgewalten geprägte Island womöglich nicht die letzte Bulli-Reise mit Peter Gebhard. Denn der renommierte Fotograf startete bereits im Mai 2020 sein zweites großes Europaprojekt. Dieses führte ihn in zwei größeren Etappen quer durch Europa – von Lissabon bis nach Lappland. „Danzig ist traumhaft und Riga hat mich umgehauen“, gab Peter Gebhard seine frischen Eindrücke wieder. Gerade in den Metropolen habe er eine „ganz eigenartige Ambivalenz“ erlebt, da die Städte, sonst von Touristen überflutet, aufgrund der Pandemie teils wie leer gefegt gewesen seien. Ein Umstand, der dem Fotografen Aufnahmen ermöglichte, die in normalen Zeiten kaum zu realisieren gewesen wären.

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