Konzept der Stadt Ahlen

Mit der Meise gegen den Eichenprozessionsspinner

Ahlen

Was tun gegen den Eichenprozessionsspinner? Die Stadt Ahlen will zwei neue Mitarbeiter einstellen – und Meisen ansiedeln. Die natürlichen Fressfeinde der Raupenplage.

Ulrich Gösmann

Wer soll‘s machen? Das städtische Konzept fand im Ausschuss die Mehrheit. Zwei Mitarbeiter sollen zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners eingesetzt werden. Meisen könnten sie als natürliche Fressfeinde unterstützen. Foto: Ulrich Gösmann

Zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners will die Stadt Ahlen auch auf die Meise setzen. Bei der Konzeptpräsentation am Dienstagabend in der Sitzung des Ausschusses für Ordnung, öffentliche Einrichtungen und Anregungen führte Heinrich Artmann, Chef der Freien Wählergemeinschaft (FWG), weitere Verbündete ins Feld: Wanze, Fledermaus und die Schlupfwespe.

Artmann, der sich im August mit einem FWG-Antrag an die Stadt gewandt hatte, doch bitte ein Konzept zu erstellen, sah in dem, was ihm jetzt vorliegt, zu wenig: „Nicht nur zwei Leute einstellen!“ Ahlen solle sich mit Münster in Verbindung setzen. Die seien da schon „sehr weit“. Und auch ein Blick über die Grenze lohne – zu den Holländern. Dass nur städtische Bäume städtische Aufgabe sein sollen, wurmte ihn ebenso. „Die Stadt sollte überall tätig werden.“ Wenn ein privater Baum neben einem Spielplatz oder am Schulweg stehe, müsse die Kommune aktiv werden.

„Auf dem falschen Fuß erwischt“

„Wir können auch hexen“, reagierte Gabriele Hoffmann. Die Leiterin der städtischen Rechts- und Ordnungsabteilung, merkte an, dass das städtische Konzept just an dem Tag fertiggestellt worden sei, als der Antrag eintraf. Die Stadt Ahlen sehe darin eine ordnungsbehördliche Aufgabe im Zuge der Gefahrenabwehr. In Holland habe sich das Problem fast erledigt. Bei dem Befall liege wohl ein Zyklus von sieben bis acht Jahren vor, was hoffen lasse. Biozid-Einsatz wie in Münster halte sie für schwierig.

Gabriele Hoffmann

Rückblickend gestand Hoffmann: „Wir sind auf dem falschen Fuß erwischt worden. Das Problem tauchte plötzlich auf. Wir haben nur reagiert.“ Und auch das: „Es war schwierig für uns, dass wir nicht vorbereitet waren.“ Zwei Mitarbeiter seien trotz ihrer Schutzanzüge in Kontakt gekommen. Mit Konzept werde man in Zukunft agieren. „Wir werden nicht nur absperren. Wir wissen jetzt in jedem Bereich, was wir tun wollen.“ Das Problem seien weniger die privaten innerstädtische Bäume, sondern die Alleen außerhalb.

Zwei neue Mitarbeiter

Die Stadt Ahlen will – wie berichtet – zwei Mitarbeiter befristet auf zwei Jahre einstellen. Kosten: jährlich 94 000 Euro (plus Material 105 000 Euro). Die, wie Hoffmann vorwegschickte, schon frühzeitig damit anfangen sollen, Alleen abzusuchen. Parallel könnten Meisenkästen aufgehängt werden, um den natürlichen Fressfeind des Eichenprozessionsspinners stärker anzusiedeln. Doch damit sei nicht großflächig zu agieren.

Ulf Rosenbaum

Ulf Rosenbaum (CDU) hielt nichts von Biozid-Einsatz. Das könne sich auch auf andere Lebewesen auswirken. Der Sachkundige Bürger warnte vor den Brennhaaren, die bis zu sechs Jahre aktiv in den Nestern verblieben. „Das kriegt man nur über die Absaugmethode hin.“ Die Bekämpfung dürfe nicht an der Stadtgrenze aufhören.

„Sehr gut reagiert“, lobte Norbert Fleischer die schnelle Konzeptvorlage. Doch: Die FDP sei kein Freund, in eigenes Personal zu investieren. Kapazitäten freier Anbieter seien frei. Durch Vorverträge könne man Spitzen abdecken.

„Ich kann mich dem nur anschließen“, reagierte Heinrich Artmann – und forderte die Verwaltung auf, auszuschreiben. „Wir kriegen jetzt vernünftige Kurse.“

Harald Krämer (SPD) warnte davor, „jetzt fünf Euro zu sparen.“ Sicherheit gehe vor.

Dieter Bröer

Dieter Bröer lobte für die Bündnisgrünen das Konzept: Es sei gut durchdacht und werde von seiner Partei unterstützt. Bröer prognostizierte Goldgräberstimmung: „Wenn wir jetzt eine Ausschreibung machen, werden wir mit den Ohren schlackern.“

Lieber externe Kräfte?

„Was sind das für Leute? Was machen sie den ganzen Tag?“ fragte sich Martin Hegselmann (CDU). Gabriele Hoffmann siedelte sie im Gärtnerbereich an. „Wir können noch nicht abschätzen, wie lange die zwei zu tun haben. Ich sehe das ganze noch als Fass ohne Boden.“ Jetzt sei es an der Zeit, an die Arbeit zu gehen und alles gründlich abzusuchen. Und: „Ich bin mir sicher, dass die Kosten für private Firmen ausufern werden.“

Martin de Kunder (BMA) favorisierte externe Kräfte. „In den drei kritischen Monaten brauchen wir vielleicht acht Leute“, merkte der Sachkundige Bürger an. Die Bekämpfung mache nur ab dem dritten Stadium Sinn, nicht über das ganze Jahr.

Erhard Richard stellte sich für die CDU hinter das Konzept. „Wir begrüßen es auch“, setzte Bernd Meiwes für die SPD gleich nach. Heinrich Artmann kam von der Meise auf die Fledermaus. Auf Wanze und Schlupfwespe. Laut Literatur weitere Verbündete.

Mit den Stimmen von SPD und CDU passierte das Konzept die Abstimmung. Drei Gegenstimmen gab es von FDP, FWG und BMA. Christdemokrat Martin Hegselmann enthielt sich.

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