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Zeitreise rund ums Heimatmuseum

Mit scharfer Klinge durchs Mittelalter

Ahlen

Klirrende Schwerter und Sauflieder: Besucher des Ahlener Heimatmuseums tauchten für zwei Tage in den Mittelaltermarkt.

„Schwertkampf ist Physik“ zeigten Chris Moser und Dirk Hanke (v.l.) auf dem Museumsvorplatz mit dem Waffentyp „Langes Messer“. Foto: Peter Schniederjürgen

Klein aber fein, so präsentierte sich der Mittelaltermarkt am Heimatmuseum am vergangenen Wochenende. Handwerker in authentischen Gewändern und auch mal zum Kampf gerüstete Ritter ließen die Besucher schnell die Computerzeit vergessen.

Denn vieles, was hier ausgestellt war, war auch zum Mitmachen. Schmied Sebastian von Nagaroon – sein tatsächlicher Name – hatte seine Mitmachschmiede in Betrieb gesetzt. Zugegeben, das Gasfeuer zum Erhitzen des Eisens war nicht so authentisch. „Das ist nicht zuletzt eine Frage der Sicherheit“, betonte Schmied Sebastian. Denn bei ihm dürfen sich auch schon Kinder ab sechs Jahren am glühenden Eisen versuchen. „Je nach Alter und Geduld schmieden wir alles Mögliche, vom Haken bis nach Wunsch“, lachte der Meister des Eisens.

Aus großen Knochen fertigte Manuel Schröder Schmuck und Nutzgegenstände. Foto: Peter Schniederjürgen

Ganz und gar auf Authentizität setzten Knochenschnitzer und Schneider. Die beiden Brüder Manuel und Christoph Schröder haben sich die Zeit der Wikinger vorgenommen. „So etwa die Zeit um 800 bis 1000“, sagte Knochenschnitzer Manuel. Er fertigte mit alten Werkzeugen an, was den Frauen der Nordmänner wichtig war: Kämme, Nadeln und vieles andere aus Knochen. „Grundsätzlich kann man jeden dickeren Knochen als Rohstoff nehmen. Ich benutze meist Rinderknochen“, zeigte Manuel Schröder.

Direkt daneben hatte Bruder Christoph seinen Stand. Etwas gehandicapt allerdings. „Leider ist meine Partnerin erkrankt und sie hat das meiste der Schneiderausrüstung bei sich“, erklärte er. Dafür konnte er viel über die weiten Handelsbeziehungen der sogenannten „Geißel Gottes“, der Wikinger, erzählen. Um das zu verdeutlichen hatte er Münz-Replikate aus der Hochzeit der Handels- und Raubtouren der Wikinger ausgestellt.

Kreuzende Schwerter im Heimatmuseum. So geht‘s... Foto: Peter Schniederjürgen

Doch was wäre ein Mittelaltermarkt, wenn es nicht auch Schwerterklirren und Kampf gäbe? Vorm und im Heimatmuseum zeigten Chris Moser und Dirk Hanke keineswegs Haudrauf-Kämpfe. „Wir nähern uns dem Schwertkampf wissenschaftlich und zugleich sportlich“, zeigte der Mittelalterfan. Denn beide betreiben den Schwertkampf tatsächlich als einen Sport. Anleitung dazu liefern die zeitgenössischen Bücher zum Thema. „Unter den exotischen Sportarten sind wir noch mal die besonderen Exoten“, zwinkerte Moser. So betreiben sie das im kleinen Kreis privat. Für diese Art des Sportes gebe es wohl keinen Verein.

Musiker Manni Kehr

Ein Problem, das die Musiker „Amtsbrüder“ nicht haben. „Wir bringen Fress-, Sauf- und Freiheitslieder tatsächlich vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert“, ließ Manni Kehr wissen. Auf der Deele des Heimatmuseums spielte er mit Uli Preuss deutsche Chansons und Folk.

Sebastian von Nagaroon schmiedete mit Mathilda einen Haken. Alma (rechts) schien das eher etwas unheimlich. Foto: Peter Schniederjürgen

Mittelalterliche Spiele wie die kleine Mühle oder ein Peitschenkreisel, aber auch Nussspiele konnten von den Besuchern ausprobiert werden. Zudem war bei einer Anprobe zu erfahren, wie es ist, mittelalterliche Helme zu tragen. Dazu gab‘s noch eine Getreidehandmühle zum Probieren und vieles Spannende zu entdecken. So war das finstere Mittelalter bei Licht gesehen doch gar nicht so finster...

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