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Über 2000 Besucher in der Auseinandersetzung

„Museum der Menschheit“ schließt

Ahlen

Das war‘s mit dem „Museum der Menschheit“. Die große Freilicht-Fotoausstellung endet nach viermonatiger Dauer mit eindrucksvollen Zahlen.

Von Dierk Hartleb

Besonders eindrucksvoll wirkten die Porträts ehemaliger Bergleute auf der Zeche. Foto: Peter Harke

Die Zahlen sind beeindruckend: 43 Veranstaltungen, 80 Aktive, über 2000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene als Besucher. Mehr wird Dietmar Zöller am Samstagabend (23. Oktober) bei der Finissage der Ausstellung „Museum der Menschheit“ in seiner Bilanz nennen. Dennoch ist der Innosozial-Geschäftsführer weit davon entfernt, sich an den Zahlen zu berauschen.

„Natürlich bin ich unter dem Strich mit der Resonanz der Ausstellung zufrieden“, sagt Zöller im Gespräch mit unserer Zeitung. Mit den Prinzipien von Würde und Schönheit passe sie genau in das Leitbild von Innosozial: „Es geht darum, den Menschen Respekt und Wertschätzung entgegenzubringen und damit ihr Selbstbewusstsein zu stärken.“

Dietmar Zöller

Trotz aller Integrationsanstrengungen könne von einer generellen Akzeptanz der Zuwanderer noch nicht die Rede sein, führt Zöller aus. Deshalb habe sich das Projekt, das künstlerische Elemente wie die 70 Porträts mit sozialen Aspekten verbinde, für Ahlen geradezu angeboten. Deshalb sei der Kunstverein auch ein wichtiger Kooperationspartner bei der Durchführung des Projektes gewesen. Das gelte für alle anderen Partner aber ebenso.

Die Ausstellungsmacher (v.l.): Dietmar Zöller, Ruben Timman, Gez Asafu-Agyei, Gerd Buller. Foto: Peter Harke

Vor allem die Führungen hätten einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, das Verständnis zu vertiefen. „Die Fotos wirken natürlich für sich“, stellt der Hauptinitiator fest. Aber mehr über die Hintergründe zu erfahren, sei besonders für Menschen mit geringerer Sprachkompetenz von Vorteil. In diesem Zusammenhang kommt Zöller auf das sprachliche Vermögen vor allem der Schulkinder generell zu sprechen. Das sei in den vergangenen Jahren in besorgniserregendem Maße zurückgegangen. Diese Feststellung stützt er auf entsprechende Beobachtungen an Grundschulen.

Vielfalt der Kulturen deutlich gemacht

Die Politik zolle dieser Entwicklung zu wenig Beachtung, kritisiert Zöller und verweist zugleich auf die Veränderung der Gesellschaft. Der Anteil der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte betrage heute bereits 39 Prozent. Die Prognose, dass sie 2050 die Mehrheit der Bevölkerung stellten, werde vermutlich deutlich eher eintreten. Eine solche Entwicklung werfe die Frage auf, wie sich die Stadtgesellschaft organisiere, die bislang noch stark vom Ehrenamt geprägt und getragen werde. Die Ausstellung habe zugleich den Zuwanderinnen und Zuwanderern eine Plattform geboten, sich einzubringen und darzustellen. In seinen Augen hätten auch diese zu wenig von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Eine Veranstaltung wie „Stadt der Stimmen“ habe die Vielfalt der Kulturen, ihrer Träger und der Traditionen deutlich gemacht. Wie wenig die deutsche Gesellschaft darauf vorbereitet sei, zeige die Tatsache, dass beim Auftritt eines arabischen Künstlers die Polizei wegen vermeintlicher Lärmbelästigung gerufen worden sei. Anderseits hätte es auch in Teilen der türkeistämmigen Community an der Bereitschaft zum Zuhören gefehlt, als ein kurdischer Künstler auftrat.

Dietmar Zöller

Auch wenn sich nicht alle Hoffnungen und Erwartungen mit der Freiluftausstellung von Ruben Timman erfüllt hätten, habe sie doch Denkanstöße vermittelt, die nachhaltig wirken könnten. „Wir haben in vielen Kreisen ein Gespräch losgetreten, deren Wirkung über die Zeit der Ausstellung hinausreicht“, ist Zöller sicher. Und die in der Podiumsdiskussion von Kulturfachbereichsleiter Christoph Wessels angestellte Überlegung, eine Veranstaltung wie „Stadt der Stimmen“ passe gut in die „Tralla- City“-Reihe, ist für ihn ein Hinweis, dass einige Vorschläge auf fruchtbaren Boden gefallen sind.

Ob noch einige der Porträts bleiben, wie sich das einige in Zuschriften oder Posts wünschen, ist derzeit nicht nicht abzusehen. „Wir müssen die Arbeiten kaufen“, nennt Zöller die Voraussetzung. Ob noch Geld in dem ohnehin schon strapazierten Budget vorhanden ist, bedarf einer gründlichen Prüfung. Aber auch ohne sichtbares Relikt im Stadtbild wird die Ausstellung nachwirken – und sei es nur durch die Feststellung, dass die Bilder vermisst werden.

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