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Großer Andrang im Impfzentrum Ahlen-Süd

Nach fünf Stunden „ausverkauft“

Ahlen

Eine lange Warteschlange bildete sich am Mittwochmorgen schon vor der Eröffnung des Impfzentrums Ahlen-Süd in der ehemaligen Mammutschule am Röteringshof. Nach fünf Stunden war der Vorrat an Impfstoff von Moderna erschöpft. Nachschub wird erst am Montag erwartet.

Von Peter Harke

Ärztin Stefanie Franke setzt bei Gregor Kaufmann die Spritze an. Der 59-Jährige ist dankbar für die unverhoffte Möglichkeit zur Auffrischimpfung, von der er morgens in der Zeitung gelesen hat. Foto: Peter Harke

Matthias Bußmann staunt, wie viele Menschen man doch noch über die Lokalzeitung erreichen kann. Die Nachricht von der Eröffnung eines Corona-Impfzentrums in der ehemaligen Mammutschule, zu früher Stunde am Mittwochmorgen noch nicht im Internet verbreitet, hat offenbar zahlreiche Ahlener beim Frühstück elektrisiert und veranlasst, sich gleich danach auf den Weg zum Röteringshof zu machen.

Thomas Kaller (ZGM)

„Die ersten standen um acht vor der Tür“, berichtet Thomas Kaller vom Zen­tralen Gebäudemanagement der Stadt (ZGM). Er und sein Kollege Andreas Krätzig waren da schon eine Weile vor Ort, um letzte Vorbereitungen zu treffen, damit das Impfzen­trum pünktlich um 10 Uhr seine Pforten öffnen konnte. Überpünktlich sogar, etwa 15 Minuten eher, kann es dann losgehen, so dass Kaller zufrieden feststellt: „Haustechnisch haben wir das gut hingekriegt.“ Auch der bestialische Gestank, der am Dienstag bei der ersten Ortsbesichtigung noch in der Luft lag, ist verflogen. „Die Abflüsse der Schülertoiletten waren ausgetrocknet, die haben wir wieder gefüllt“, erklären die beiden ZGM-Mitarbeiter. „Ein Lob an die Verwaltung“, sagt Matthias Bußmann.

Eine lange Warteschlange von Impfwilligen bildete sich auf dem Schulhof. Foto: Peter Harke

Ganze Arbeit geleistet hat auch wieder das Team von Veranstaltungstechniker Stephan Baukmann, der mit „Bußmanns Apotheken“ und Dr. Manfred Koyro vom Mobilen Institut für Gesundheits-Ausbildung im vergangenen Jahr bereits das Dri­ve-in-Testzen­trum am Wersestadion „über Nacht“ auf die Beine gestellt hatte. „Ein paar kleinere Dinge“ könne man sicher noch optimieren, sagt Matthias Bußmann, „aber nichts Gravierendes.“ Ein besseres Parkleitsystem gehöre dazu ebenso wie die Ausleuchtung des Schulhofes, denn nächste Woche wolle man auch Abendtermine für Berufstätige anbieten.

Matthias Bußmann

Mehr Unterstützung hätte sich der Apotheker hingegen vom Kreis gewünscht. Vergeblich habe man auf verschiedenen Kanälen versucht, zusätzlichen Impfstoff, und sei es nur „leihweise“, aus Warendorf beziehungsweise Ennigerloh zu bekommen. Mit Blick auf die immer länger werdende Schlange der Wartenden befürchtet Bußmann, dass die zur Verfügung stehenden Do­sen von Moderna nicht lange reichen werden. Was auch davon abhängt, wie hoch der Anteil der Erst- und Zweitimpfungen ist, für die 0,5 Milliliter pro Spritze benötigt werden, während bei der Auffrischung die Hälfte reicht, wie Dimitra Vais von der „Hansa-Apotheke“ erklärt.

Die meisten wollen den „Booster“

Früh zeichnet sich ab, dass die meisten für den „Booster“ anstehen. So wie Gregor Kaufmann. Der 59-Jäh­rige hat im Juni seine Erstimpfung mit Johnson & Johnson bekommen und wollte ei­gentlich am Freitag zum Rosenbaum-Platz gehen, wenn das Impfmobil des Kreises dort steht. „Aber dann habe ich das von dem Angebot hier heute morgen in der Zeitung gelesen und bin direkt los“, erzählt er, während Stefanie Franke ein Pflaster auf die Einstichstelle in seinem linken Oberarm klebt. Die Allgemeinmedizinerin, die zusammen mit ihrem Kollegen Dr. Heinrich Untiedt die Einrichtung des Impfzen­trums angestoßen hat, fühlt sich durch den großen Zuspruch bestätigt und hofft, dass die Aktion zu einer Entlastung der Hausarztpraxen beiträgt. In ihrer eigenen schaffe sie nicht mehr als 170, 180 Impfungen pro Woche, und das sei „schon echt viel“. Dabei gingen ihre Mitarbeiterinnen aber auch bald „auf dem Zahnfleisch“.

Dimitra Vais von der „Hansa-Apotheke“ bereitet die Spritzen vor. Foto: Peter Harke

Um 13 Uhr soll eigentlich für heute Schluss sein, doch das ganze Team ist sich einig. „Wir schicken keinen weg, ar­beiten die Schlange ab.“ Noch mal zwei Stunden später, nachdem 13 Erst- und 196 Auf­frischimpfungen verabreicht worden sind, ist dann eingetreten, was Matthias Bußmann vorhergesagt hat: „Wir haben nix mehr.“ Also wird das Impfzentrum nicht wie ursprünglich geplant am Donnerstag sondern erst Montag wieder öffnen, sofern der bestellte Nachschub rechtzeitig eintrifft.

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