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Verzicht auf Untergeschoss soll Risiken minimieren

Neues Stadthaus wird „gestreckt“

Ahlen

Billiger wird es nicht, aber auch nicht teurer. So die Rechnung, die die Verwaltung jetzt im Bauausschuss für das geplante Stadthaus aufmachte. Der Verzicht auf ein Untergeschoss, so die Argumentation, minimiere das Risiko steigender Kosten, schaffe „fürs gleiche Geld“ sogar einen Mehrwert.

Von Peter Harke

Im Oktober sollen die vorbereitenden Arbeiten für den Bau des neuen Stadthauses auf dem Areal des heutigen Rathausparkplatzes beginnen. Foto: Peter Harke

Mit einigen überraschenden Neuigkeiten zum Projekt „Bürgercampus“ wartete die Verwaltung jetzt im Stadtplanungs- und Bauausschuss auf. Überraschend jedenfalls für die Öffentlichkeit, die Spitzen der Ratsfraktionen waren bereits vor Wochen in einer internen Runde eingeweiht worden.

Im Nachgang zum Baubeschluss für das neue Stadthaus, den der Rat am 4. November 2021 mehrheitlich gefasst hatte, verbunden mit der Festlegung einer Kostenobergrenze von 44 Millionen Euro, war von der CDU gefordert worden, das Ganze doch noch mal mit spitzem Bleistift durchzurechnen, um mögliche Einsparpotenziale zu identifizieren. Wozu es laut Stadtbaurat Thomas Köpp keines gesonderten Auftrags bedurft hätte, er spricht von ei­nem ohnehin fortwährenden „Erkenntnisprozess“, der bei einem so komplexen Bauvorhaben völlig normal sei. „Wir tasten uns immer weiter vor, versuchen, auftretende Probleme zu lösen und die Kosten zu reduzieren“, versicherte der Technische Beigeordnete.

Zu den zwischenzeitlich neu gewonnenen Erkenntnissen gehört, dass man auf ei­­­ne Unterkellerung des Stadthauses nun doch verzichten will, um die Risiken, die der schwierige Baugrund an der Werse birgt, zu umgehen, so Köpp. Der Hochwasserschutz sei ein weiterer Aspekt. „Das hätte uns keiner versichert“, erläuterte der Dezernent ergänzend im Gespräch mit unserer Zeitung.

Technik kommt aufs Dach – Terrasse wird kleiner

Wohin aber nun mit den Technikräumen sowie Ar­chiv- und Lagerflächen, die im Untergeschoss vorgesehen waren? Die Lösung: Der Baukörper des künftigen Verwaltungsgebäudes soll in die Länge gestreckt werden, nach Norden und Süden jeweils um drei Fensterachsen, was insgesamt etwa achteinhalb Meter ausmacht. Zur Dachterrasse, die dadurch etwas kleiner ausfallen wird, werden die Obergeschosse um jeweils zwei Achsen verlängert. Die ursprünglich im Keller angeordneten Lüftungszen­tralen wandern auf das Dach, ebenso die Kältemaschine. Die Wärmepumpen werden im Erdgeschoss installiert. Nicht unbedingt schön sei das, gibt Köpp zu, aber nicht anders zu machen.

Stadtbaurat Thomas Köpp erläutert am Grundriss die vorgesehenen Änderungen. Foto: Peter Harke

Archivräume sollen nach der überarbeiteten Planung innerhalb des Gebäudes dezentral, den jeweiligen Fachbereichen zugeordnet, geschaffen werden. „Wir bekommen damit aber hochwertige Flächen, die perspektivisch auch als Büros genutzt werden könnten“, zeigte Thomas Köpp auf. Mit fortschreitender Digitalisierung der Verwaltung würden in Zukunft vermutlich weniger Aktenschränke benötigt. Und im Falle geringeren Eigenbedarfs könnten die Büroflächen extern vermietet werden. Ein Mehrwert also „fürs gleiche Geld“, so Köpp, denn kostenseitig würden sich die Vergrößerung des Baukörpers und der Aufwand für den Keller gegeneinander aufheben, obwohl im südlichen Trakt aus Brandschutzgründen ein zweites Treppenhaus eingebaut werden muss. Der finanzielle Vorteil besteht Köpp zufolge darin, dass die mit 678 000 Euro kalkulierte Risikovorsorge für mögliche Probleme beim unterirdischen Bau obsolet wird.

Petra Pähler-Paul (Grüne)

Dass die Gründung knifflig werden könnte, sei nicht neu, sagt der Stadtbaurat. Das jüngste Bodengutachten, das die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Petra Pähler-Paul als „niederschmetternd“ bezeichnete, bietet aus seiner Sicht aber keine Anhaltspunkte, „Katastrophenszenarien“ aufzumalen: „Kann sein, dass wir ei­nen Bodenaustausch vornehmen müssen, vielleicht auch nur im Bereich der Fundamente und Bohrungen, aber das wissen wir noch nicht.“ Man warte auf die abschließenden Laborberichte. Er gehe nicht davon aus, dass der unter dem heutigen Rathausparkplatz in früheren Zeiten verfüllte Bauschutt ex­trem kon­taminiert sei. „Atommüll“, so Köpp im Redaktionsgespräch, „werden wir hier sicher nicht finden.“

Florian Schmeing, Leiter ZGM

Vom Verzicht auf den Keller abgesehen sieht die Verwaltung derzeit keine Luft für weitere Einsparungen in größerem Umfang. „Wenn wir Ihnen drei Millionen hinlegen würden, hätten wir vorher was falsch gemacht“, erklärte der Leiter des Zentralen Gebäudemanagements (ZGM), Florian Schmeing. Und für Qualitätsabstriche etwa bei den Bodenbelägen, die auch erst im Rahmen der Ausführungsplanung vorgenommen werden könnten, gebe es „wenig Spielraum“.

Die Sorge von Barbara Buschkamp (CDU), dass die Verlängerung des Gebäudes Richtung Süden Parkplätze kosten könnte, teilt Schmeing nicht: „Wir bewegen uns nach wie vor zwischen 150 und 180 Stellflächen.“ In der Wettbewerbsauslobung seien 175 gefordert gewesen.

Die ausstehende Kostenberechnung für das Stadthaus soll nun am 29. April vorliegen. Nach ersten vorbereitenden Arbeiten ab Oktober ist der eigentliche Baubeginn für Dezember dieses Jahres oder Januar 2022 geplant.

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