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Stadtwerke stellen sich auf Worst-Case-Szenario ein

„Nicht geschützte“ Kunden sind vorgewarnt

Ahlen

Sollte die Gasversorgung nicht mehr flächendeckend gewährleistet sein, sind nach dem Energiesicherungsgesetz auch die Stadtwerke Ahlen gezwungen, ihren sogenannten „nicht geschützten“ Kunden wie Industriebetrieben den Gashahn zuzudrehen.

-ph-

Wird die Energiefrage zur sozialen Frage? Die Unsicherheit vor dem Winter und die Teuerungswelle bei Gas, Strom und Sprit belasten immer mehr Menschen. Foto: Jens Büttner/dpa

Am 30. März dieses Jahres, fünf Wochen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine, hat die Bundesnetzagentur die Frühwarnstufe des „Notfallplans Gas“ für die Bundesrepublik ausgerufen, am 23. Juni dann die Alarmstufe. Klingt dramatisch, hat aber noch keine konkreten Auswirkungen für die Verbraucher. Richtig ernst wird es erst, wenn als Ultima Ratio die Notfallstufe „gezündet“ werden muss, sollten die Gasspeicherstände aufgrund ausbleibender Lieferungen aus Russland soweit abgesunken sein, dass die Versorgung nicht mehr flächendeckend gewährleistet werden kann. Dann sind nach dem Energiesicherungsgesetz auch die Stadtwerke Ahlen gezwungen, ihren sogenannten „nicht geschützten“ Kunden wie Industriebetrieben den Gashahn zuzudrehen. Kein schönes Szenario, auf das sich das städtische Tochterunternehmen aber wohl oder übel einstellen muss.

Nicht den Kopf in den Sand stecken

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Uwe Halbe, Geschäftsführer der Netzgesellschaft Ahlen, denn man könne nicht einfach den Kopf in den Sand stecken. Die potenziell von einer Abschaltung betroffenen Kunden seien identifiziert und darüber informiert worden. Einen Ermessensspielraum, um Rücksicht auf Firmen nehmen zu können, die in der Produktion mehr als andere auf Erdgas angewiesen sind, haben die Stadtwerke nach Halbes Worten praktisch nicht. Er stellt unmissverständlich klar: „Wir reden über eine Abschaltliste, nicht über eine Reduzierungsliste.“

Zu den per Gesetz geschützten Kunden gehören sensible Einrichtungen, wie Krankenhäuser und Pflegeheime, und eigentlich auch Privathaushalte. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat aber schon angedeutet, dass auch diese schlimmstenfalls nicht gänzlich ungeschoren bleiben würden, wenn es hart auf hart kommen sollte. Das Abschaltpo­tenzial in diesem Bereich ebenfalls zu ermitteln, steht folglich noch auf Uwe Halbes To-do-Liste. Auszuschließen sei nichts.

Runder Tisch mit Partnern

Unabhängig davon, ob der Worst Case eintritt oder nicht, was niemand seriös vorhersagen kann, will Bürgermeister Dr. Alexander Berger in Kürze einen „Runden Tisch“ einberufen, um gemeinsam mit Partnern wie Jobcenter, Schuldnerberatung oder Verbraucherzentrale auch die sozialen Folgen der Energiekrise zu thematisieren und zu überlegen, wie diese für die besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen abgemildert werden könnten. Dabei will sich Berger eng auch mit seinen Amtskollegen im Kreis abstimmen, „um überall gleiche Lebensverhältnisse zu gewährleisten“.

Stadtwerke-Chef Dr. Alfred Kruse kündigte beim Pressegespräch den Aufbau einer eigenen Internetseite an, auf der relevante Informationen und Energiespartipps gebündelt werden sollen. Aufklären ja, belehren nein.

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