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„Lunch Club“ zieht in ehemalige Neustadtkirche

Nicht von allen Sorgen befreit

Ahlen

„Wollen Sie eine Kirche kaufen?“, diese Frage hören Bauinvestoren sicher nicht allzu oft. An der ehemaligen Neustadtkirche im Osten der Stadt wurde eben diese Frage gestellt – und mit Ja beantwortet.

Von Peter Schniederjürgen

Auf der Baustelle (v.l.): Markus Möhl, Metin Dedelin, Heike Gründken, Andreas Friesch und der zukünftige Hausmeister Ali Avci. Foto: Peter Schniederjürgen

Und das kam so: Andreas Friesch ist nicht nur der Chef von LR Health and Beauty und dessen Global Kids Fund, der seit vielen Jahren den „Lunch Club“ unterstützt. Er ist auch privat Bauherr und sah sich das Gebiet um die Neustadtkirche an der Wichernstraße an. Er kam mit einem Herrn ins Gespräch, der ihm eine interessante Fassade erklärte. Das war Metin Dedelin, besagter Investor, und das war der Beginn der Geschichte. Die findet mit etwas Glück im November mit der Fertigstellung des Umbaus des ehemaligen Gotteshauses ihr Happy End.

Metin Dedelin

Dedelin erwarb, wie bereits berichtet, von der Evangelischen Kirchengemeinde Ahlen nicht nur das Kirchengebäude, sondern auch das angrenzende Wichernhaus, in dem bisher der „Lunch Club“ zu Hause war. Das Kinderrestaurant wird im Erdgeschoss des Neubaukomplexes einziehen. „Daneben entstehen noch elf bis zwölf Wohneinheiten“, umreißt der Bauunternehmer seine Pläne. Dabei ist es dem Spross aus der Kolonie wichtig, die Kirche als solche erkennbar zu halten. „Früher war ich oft hier drunter im Keller, in der Chaoszentrale“, erinnert er sich gern an seine Jugend.

Markus Möhl und Metin Dedelin unterzeichnen den Mietvertrag. Foto: Peter Schniederjürgen

Am Mittwoch unterzeichnete der Vorsitzende des „Lunch Clubs“, Pfarrer Markus Möhl, den Mietvertrag mit Metin Dedelin. Ein günstiger Vertrag, erlässt er doch dem Club auf zehn Jahre die Miete. „Das ist ein großer Vorteil für uns“, bedankte sich der Geistliche. Dabei verbessert sich die Situation des „Lunch Clubs“ nicht grundlegend. „Wir haben jetzt zum Glück mehr Fläche und das auch noch endlich barrierefrei“, freut sich Geschäftsführerin Heike Gründken zwar. Doch auch durch die Pandemie ist die Zahl der betreuten Kinder um ein Drittel von 20 auf nun 30 gestiegen. „Und die Nachfrage bleibt auf hohem Niveau“, berichtete Heike Gründken beim Baustellenrundgang.

Da kam die „Verkaufsanbahnung“ durch den LR-Chef genau zur richtigen Zeit. Und auch die Chemie zwischen den Beteiligten stimmte. „Sowohl dem Ort als auch dem Club verbunden, setze ich mich für eine schnelle Abwicklung ein“, betonte Metin Dedelin. So konnte die Kirchengemeinde dem Besitzerwechsel auch rasch zustimmen.

Glocke wird im Garten einbetoniert

Da war nur noch eine Sache zu klären. „Es gab noch die Geschichte mit der Glocke“, erzählte Andreas Friesch schmunzelnd. Denn Glocken sollen nach Kirchenbestimmungen nur zu Gottesdiensten geläutet werden. „Das ist toll, Herr Dedelin hat immer eine pragmatische Lösung zur Hand“, berichtete Pfarrer Möhl. Also entnahmen sie der Glocke den Klöppel und später wird sie im Garten einbetoniert.

Für das Club-Team ist der Umzug ein riesiger Gewinn. Um 130 auf 300 Quadratmeter wächst die Grundfläche. Dazu kommen die komplette Sanierung von Elektro- und Sanitärinstallationen, eine neue Küche, neue Fenster und vieles mehr. „Insgesamt fließt rund eine halbe Million Euro an Baukosten in das Gesamtprojekt“, führte Metin Dedelin aus. „Endlich können auch Rollifahrer zu uns kommen und auch die neue Küche und andere Räume nutzen“, freute sich Heike Gründken.

Ein Schatten auf der Freude bleibt aber: „Wenn auch die Miete entfällt, reißen die Nebenkosten von über 700 Euro im Monat doch ein großes Loch in die Kasse“, rechnete die Geschäftsführerin vor. Hier sei jeder Euro an Spenden willkommen. Auch fehlen dem Club ehrenamtliche Mitarbeiter in allen Bereichen.    

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