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Die Feiertagsdiskussion und der finale Festeinkauf

Niemand wäre Ostern verhungert

Ahlen

Zusätzlicher Feiertag hin oder her. „Es wäre keiner verhungert“, sagt Markus Scholz. Der Geschäftsführer des Edeka-Kempermarkts hatte sich schon auf den verkürzten Einkaufsendspurt eingestellt. Auch der wäre zu stemmen gewesen.

Ulrich Gösmann

Wagen fast voll Foto: Ulrich Gösmann

Zig Videokonferenzen, überarbeitete Dienstpläne, zusätzliche Lieferantenkontakte und verunsicherte Kundenanfragen: All das um einen Feiertag, der nun doch keiner ist. Dennoch startet Markus Scholz entspannt in diesen Gründonnerstag, der verlängerter Einkaufstag ist. „Nachträglicher Scharfsinn macht schwermütig. Wir können die Vergangenheit nicht ändern“, sagt der Geschäftsführer des Edeka-Kempermarkts am Kerkmann-Platz. Um ihn herum füllen sich Einkaufswagen für das lange Osterwochenende, als habe es das Hin und Her um das Herunterfahren der Repu­blik nie gegeben.

Christiane Ridder wäre sonst schon am Montag gekommen. „Nein, den Mittwoch hätte ich mir nicht angetan.“ Jetzt nutzt sie ihren freien Donnerstag, um zusammen mit ihrem Mann und vollem Einkaufszettel alles in einem Einkauf zu erledigen. „Total erstaunt“, wie sie sagt, dass es zu dieser frühen Stunde noch so ruhig in den Gängen ist. „Das hätte doch keine positiven Auswirkungen gehabt. Ganz im Gegenteil“, zeigt sich die Ahlenerin froh, dass sich der Endspurt doch nicht alles auf diese drei Tage presste. Dennoch: „Irgendwie wär‘s auch gegangen. Dann hätte es vielleicht etwas Anderes gegeben.“ Jetzt bleibt‘s beim Hähnchenbrustfilet, mit Tomaten überbacken. Wobei sie für die Tomaten und auch den Eisbergsalat am Samstag noch schnell einmal in den Markt müsse. Beides müsse halt eben frisch...

Markus Scholz lobt die Nähe zum regionalen Partner: „Da packt sich der Landwirt auch mal fünf Paletten Kartoffeln in den Wagen und liefert sie noch am Abend an.“ Foto: Ulrich Gösmann

Markus Scholz versteht all die Aufregung der letzten Tage nicht. Viel Panikmache sei dabeigewesen, von bestimmten digitalen Medien immer wieder angefeuert. Ok, auch er habe zunächst schlucken müssen. „Oh Gott, Was nun? Wie kriegen wir das so gelöst, dass das für alle gut abläuft“, sei seine erste Reaktion gewesen. Die Sorgen etlicher Kunden ließ nicht lange auf sich warten. In Videokonferenzen mit allen Leitern der Kempermärkte sei kurzfristig beratschlagt worden, wie Bestellungen neu zu takten seien. Seinen großen Trumpf sieht Scholz in der engen Bindung zu kleinen Regionalhändlern. Die Prozessketten seien nicht so lang und starr wie bei einem Discounter. Scholz: „Im Bereich Frische muss ich mir keine Sorgen machen. Da packt sich der Landwirt auch mal fünf Paletten Kartoffeln in den Wagen und liefert sie noch am Abend an.“ Dieses Zwischenintermezzo habe einmal mehr gezeigt, wie wertvoll enge Partnerschaft sei. „Alle denken und machen mit.“

Frisch über die Theke. Entspannt durch den Einkaufsendspurt... Foto: Ulrich Gösmann

Die Überlegung, das Land über Ostern herunterzufahren, hält der Einzelhändler für grundsätzlich nicht falsch, um die Pandemie zu bremsen. Es mache sich eine Corona-Müdigkeit breit. Würden keine Entscheidungen getroffen, treffe die Zeit ihre Entscheidungen. „Man hätte es wirklich machen können. Verbraucher und Händler hätten zwei Wochen vorher informiert werden müssen. Ohne Druck. Das wäre gar nicht so falsch gewesen.“ Wie auch immer, Fakt sei: „Verhungert wäre niemand.“ Weihnachten funktioniere es doch auch. Mit intelligentem Einkauf. „Wer beispielsweise an der Bedientheke vorbestellt, muss nicht mehr in Panik verfallen: Bekomme ich mein Hackfleisch oder meinen Sauerbraten noch?“ Die Haltbarkeit der Frischeprodukte schaffe auch ein langes Osterwochenende.

Markus Scholz

Am Gründonnerstag startete der Markt eine Stunde früher. So wie auch vor anderen Feiertagen, um zu entzerren. Entspannt blickt Scholz auf den Samstag. „Ein ganz normaler Karsamstag.“ Und keiner, der Anlass biete, in Panik zu verfallen.

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