Verkehrsminister eröffnet Ahlener Industriebahn

„NRW muss wieder Bahnland werden“

Ahlen

Als wegweisendes Projekt, das Ökologie und Ökonomie sinnvoll miteinander verknüpft, lobte Verkehrsminister Hendrik Wüst das neue Ahlener Logistikzentrum. Am Montag eröffnete er das mit Landesmitteln geförderte reaktivierte Industriegleis.

Christian Wolff und Christoph Aulbur

Das symbolische Band durchschnitt Verkehrsminister Hendrik Wüst (4.v.l.) gemeinsam mit André Pieperjohanns (Westfälische Landeseisenbahn), Henning Rehbaum (MdL), Annette Watermann-Krass (MdL), Dr. Alexander Berger (Bürgermeister), Wilhelm Haver (Unternehmer) und Franz-Josef Buschkamp als Mitinitiator und Projektmotor. Foto: Christian Wolff

Mit einem feierlichen Akt am ehemaligen Blomberg-Gelände hat NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst am Montagmittag das durch Landesmittel reaktivierte Gleis der Ahlener Industriebahn eröffnet.

Das von der Unternehmensgruppe Haver ins Leben gerufene Ahlener Logistikzentrum (ALZ) verfügt somit über beste Voraussetzungen, Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Das symbolische Band durchschnitt Wüst gemeinsam mit André Pieperjohanns (Westfälische Landeseisenbahn), Henning Rehbaum (MdL), Annette Watermann-Krass (MdL), Dr. Alexander Berger (Bürgermeister), Wilhelm Haver (Unternehmer) und Franz-Josef Buschkamp als Mitinitiator und Projektmotor.

Von einem wegweisenden Tag für die Stadt Ahlen sprach Dr. Alexander Berger. Die Eröffnung des Ahlener Industriegleises stehe stellvertretend für eine Entwicklung, die den Wirtschaftsstandort in besonderer Weise auszeichne, so der Bürgermeister.

„Die lokale Wirtschaft und ihre innovativen Unternehmen verstehen es in hervorragender Weise, sich Veränderungen anzupassen und neue Wege zu gehen“, so Berger beim Festakt im Industriegebiet Ost. „Dass diese Wege in diesem Fall durch ein Gleis beschritten werden, gibt dem heutigen Anlass eine besondere Note.“ Es zeige aber auch, das Ahlens Unternehmen Verantwortung zeigen, indem sie daran arbeiten, Transporte von der Straße auf die Schiene zu verlagern. „Sie tragen sowohl ökonomische als auch ökologische Verantwortung für unsere Stadt.“

Bis zum Jahr 2004 wurden am ehemaligen Blomberg-Standort Waschmaschinen produziert. Einige Jahre standen die Hallen dann leer, das Areal wurde zur größten Industriebrache der Stadt. „Dass hier jetzt wieder Leben eingekehrt ist, verdanken wir der unermüdlichen Investorensuche von Stadtverwaltung, Wirtschaftsförderung und dem Unternehmer Wilhelm Haver“, lobte das Stadtoberhaupt. Letzterer habe den Komplex durch eine Millioneninvestition reaktiviert und zum „Ahlener Logistik-Zentrum“ (ALZ) mit dem Schwerpunkt Stahl-Logistik entwickelt.

Das ALZ wird zur zentralen Lagerfläche für große Stahlhersteller, die hier sogenannte Stahlcoils umschlagen. Diese gelangen mit Zügen vom Produzenten in Salzgitter zum Güterbahnhof Ahlen. Die letzten Meter zum ALZ legen die Coils auf der alten Industriebahn zurück, die von der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) zu diesem Zweck reaktiviert wurde, wie André Pieperjohanns beschrieb. „So etwas ist auch für uns nicht alltäglich“, sagte er. Unternehmer Wilhelm Haver erklärte: „Rund 200 000 Tonnen Stahl werden hierdurch nicht auf der Straße, sondern weiter auf der Schiene transportiert“. Dadurch entfielen rund 12 000 Lkw-Fahrten – ein beachtlicher Effekt für den Verkehr.

Die Stadt Ahlen hatte das gut 1,2 Kilometer lange Industriestammgleis im November 2018 an die WLE übergeben, die es anschließend mit einem Investitionsvolumen von 900 000 Euro wieder hergerichtet hat. 685.000 Euro davon stammen aus dem wieder aufgelegten Förderprogramm für „Erhalt und Verbesserung von Eisenbahninfrastruktur der öffentlichen nicht bundeseigenen Eisenbahnen für Güterverkehr“ des Landes NRW, das der CDU-Landtagsabgeordnete Henning Rehbaum maßgeblich angeschoben hat. In der Eisenbahnersprache fasste es Dr. Alexander Berger zusammen: „Investoren mit ökologischer Verantwortung haben in Ahlen freie Fahrt, die Weichen sind gestellt und die Signalanlage steht auf Grün.“

„Im Sommer 2018 haben wir die ersten Gespräche über eine Reaktivierung des Gleises geführt, am 27. November war der Förderbescheid da und schon am 7. März rollte der erste Zug über die neuen Gleise.“ – Die Geschwindigkeit sei beachtlich. freute sich der Geschäftsführer der WLE, Andre Pieperjohanns, über die besonders zügige Realisierung des Projektes.

Dabei sei die Erneuerung der Strecke Neuland für die WLE gewesen, die sich bisher nur Strecken im vormaligen eigenen Bestand vorgenommen hatte. „Wenn es bei Infrastrukturprojekten überall so schnell laufen würde wie hier in Ahlen, wäre ich glücklich“, pflichtete NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst bei. Das sei insbesondere darauf zurückzuführen, dass alle Beteiligten die Reaktivierung der Trasse unbedingt wollten. Die rund 700 000 Euro Landesförderung habe sein Ministerium dabei gerne locker gemacht: „Innovative und kluge Zukunftspolitik in Einklang mit dem Klimaschutz fördern wir gerne“, so Wüst. Die Förderung für alte Strecken von öffentlichen nichtbundeseigenen Eisenbahnen, kurz NE-Bahnen (wie in Ahlen), habe dabei insbesondere sein Landtagskollege Henning Rehbaum im Koalitionsvertrag festgeschrieben. „Ob da Wahlkreisinteressen eine Rolle gespielt haben, weiß ich nicht“, meinte Wüst augenzwinkernd. Generell freue er sich aber über jeden Kilometer Bahnstrecke: „In der Vergangenheit wurden 5000 Kilometer Bahnstrecke demontiert. Das müssen wir jetzt mit viel Steuergeld rückgängig machen.“, so der Minister. „NRW muss wieder Bahnland werden.“

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