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Langer Vorlauf für Mobilitätskonzept

ÖPNV und Gehwege sind Dauerbaustellen

Ahlen

Beim ÖPNV geht noch mehr. Und auch auf den Radwegen, heißt es im Mobilitätsgutachten, das jetzt in Ahlen in Fahrt kommen soll.

Von Dierk Hartlebund

Die Fußgänger werden auf der Hellstraße gezwungen, die Straße Foto: Ulrich Gösmann

Die Grundlage bildet der Beschluss vom 19. Juni 2019, als der damalige Stadtplanungs- und Bauausschuss die Verwaltung mit der Erarbeitung eines Mobilitätskonzepts beauftragte. Das Konzept soll als Handlungsgrundlage für die zukünftige Mobilitätsentwicklung in Ahlen dienen, unterstrich Klaudia Froede am Mittwochabend in der gemeinsamen Sitzung von Umwelt- und Planungsausschuss. Lukas Ossenbrink ergänzte als Mobilitätsbeauftragter, dass das Konzept unter breiter bürgerschaftlicher Beteiligung aufgestellt worden sei.

In der vom Kasseler Büro „plan:mobil“ per Videokonferenz vorgestellten Präsentation brachte Felix Kühnel es auf den Punkt: Der motorisierte Individualverkehr (MIV) weise hohe Anteile am gesamten Verkehrsaufkommen auf. Auch das Rad habe bereits einen hohen Anteil, der aber noch ausbaubar sei. „Ein nicht zu vernachlässigender Anteil der Wege wird auch zu Fuß zurückgelegt, doch auch hier sind Wachstumspotenziale vorhanden“, so Kühnel. In diesem Zusammenhang kritisierten er und seine Kollegin Kathrin Fietze die schlechte Qualität der Gehwege vor allem in den innenstadtnahen verkehrsberuhigten Zonen. Diese Mobilität, die auch den Radverkehr umfasst, weise Mängel insbesondere bei der Verkehrssicherheit als auch der Attraktivität von Wegeverbindungen auf. Dabei wurde von Felix Kühnel die Frage nach der Flächenverteilung und -gerechtigkeit zwischen den Verkehrsteilnehmern aufgeworfen.

Anteil der ÖPNV-Fahrten bei nur drei Prozent

Nicht zufriedenstellend sei der dreiprozentige Anteil des ÖPNV an den Fahrten, wobei die Stadt über ein breites Stadtbus-Liniennetz verfüge. Zudem sei die Stadt in ein Netz mehrerer Schnell- und Regionalbusse eingebunden, die sowohl die Kernstadt mit den Ortsteilen als auch mit den umliegenden Kommunen verbinden. Um den Umstieg vom motorisierten Individualverkehr auf Bus und Bahn zu stärken, liegt der inhaltliche Fokus des Mobilitätskonzepts auf der Förderung des ÖPNV und der vernetzten Mobilität, so Kühnel. Zentraler Anlaufort sei der Bahnhof als Knotenpunkt. Neben der weiteren Aufwertung des Bahnhofs, der nach dem Umbau zur RRX-Station noch eine Radstation erhalten soll, ist die Schaffung weiterer Mobilitätsschnittstellen in den Stadt- und Ortsteilen mit Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln wie Bus mit dem Fahrrad (Bike and Ride) oder dem Auto und dem ÖPNV (Park and Ride) das Ziel. Zum Angebot sollten nach Meinung der Kasseler auch neue Mobilitätsangebote wie Leihräder, E-Roller oder Carsharing gehören.

Der Bahnhof als Knotenpunkt für noch mehr Mobilität. Foto:

Als konkrete Verbesserung der Anbindung nach Münster wurde ein zweimal täglich verkehrender Bus nach Münster und zurück vorgeschlagen, was es in früherer Zeit schon einmal gegeben hat, bevor die Eurobahn die Direktverbindung Bielefeld-Münster über Hamm eingerichtet hat.

Deutliche Kritik an dem Konzept äußerte vor allem Petra Pähler-Paul (Bündnisgrüne), die sich zum Teil auf die zugrundeliegende veraltete Datenlage bezog und die klare Aussagen zum Klimaschutz und zum Ziel der klimaneutralen Stadt 2030 vermisste. Das vorgelegte Mobilitätskonzept gehe an der veränderten Zielprojektion vorbei.

Auch die Vertreterinnen und Vertreter anderer Fraktionen äußerten ihren Unmut darüber, mit einem umfangreichen Konzept konfrontiert zu werden, dessen Entstehung sie aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu den Gremien nicht nachvollziehen konnten.

Klaudia Froede wies auf den langen Entstehungsprozess hin und brachte in Erinnerung, dass die Politik im September über die Ergebnisse der ersten Online-Beteiligung informiert worden sei. Weiter sei im Planungs- und Bauausschuss die Analyseergebnisse, das Leitbild und die Ableitung von konzeptionellen Ideen und Maßnahmenvorschlägen vorgestellt worden. Die zweite Onlinebefragung im Rahmen des Bürgerdialogs mit vier Schwerpunktthemen sei erst im Mai abgeschlossen worden.

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