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Rathausfrage

Plan B steht zur Abstimmung

Ahlen

Die Verwaltung schlägt dem Rat vor, zur Lösung der „Rathausfrage“ Plan B umzusetzen, also das heutige Rathaus und die Stadthalle abzureißen und durch Neubauten am gleichen Standort zu ersetzen.

Peter Harke

Ein Bild, das in sechs Jahren Geschichte sein könnte. Folgt der Rat dem Vorschlag der Verwaltung, Plan B umzusetzen, würden das heutige Rathaus und die Stadthalle 2025 abgerissen. Foto: Stadt Ahlen

Es ist, wie Stadtbaurat Andreas Mentz selbst sagt, keine Überraschung mehr: Die Verwaltung schlägt dem Rat vor, zur Lösung der „Rathausfrage“ Plan B umzusetzen, also das heutige Rathaus und die Stadthalle abzureißen und durch Neubauten am gleichen Standort zu ersetzen. Nach „reiflicher Überlegung“ und „sorgfältiger Abwägung“ aller Aspekte, nicht zuletzt der finanziellen, halte man diesen Weg für „vernünftig und zukunftsfähig“, erklärte der Bürgermeister am Freitagmorgen bei einem Pressegespräch. Gemeinsam mit Andreas Mentz und Kämmerer Dirk Schlebes präsentierte Dr. Alexander Berger eine 26-seitige Beschlussvorlage, über die nach der Beratung in den Fachausschüssen am 4. Juli im Rat final abgestimmt werden soll. Am Nachmittag wurde das Papier auch dem Stadtparlament in nicht-öffentlicher Sitzung vorgestellt.

Dr. Alexander Berger

Die Vorlage bildet in komprimierter Form alle wichtigen Zahlen, Daten und Fakten zu dem gesamten Themenkomplex ab. Auch die Historie wird noch einmal dargestellt, beginnend von der im Jahr 2013 geführten Diskussion über einen möglichen Umzug der Verwaltung in das Gebäude der Arbeitsagentur, der letztlich verworfen wurde, bis zur Entscheidung von NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach im März dieses Jahres, Rathaus und Stadthalle nicht unter Denkmalschutz zu stellen, wodurch die Stadt Ahlen überhaupt erst in die Lage kam, frei zwischen den Varianten A (Sanierung) und B (Neubau) zu entscheiden. Die Verwaltung favorisiert Plan B - Abriss von Rathaus und Stadthalle und Neubau eines Bürgerforums und Stadthauses. Skizze: Stadt Ahlen

„Das Konvolut der Anlagen einschließlich sämtlicher Gutachten umfasst weit über tausend Seiten“, lädt Dr. Alexander Berger alle interessierten Bürger ein, auf der Homepage der Stadt Ahlen tiefer in die Materie einzusteigen. Auf ahlen.de werde es auch eine FAQ-Liste mit Antworten auf die „am häufigsten gestellten“ Fragen geben. Welche dann noch offen bleiben, können ab kommenden Montag bei einer eigens eingerichteten Hotline unter der Nummer 59-555 gestellt werden. Und für den 1. Juni ist ein weiterer „Bürgerdialog“ in der Stadthalle geplant. Berger verspricht „volle Transparenz“, wünscht sich eine „breite Diskussion“.

Neun Millionen Differenz bei Nutzungskosten

Indes: Die Verwaltung hat sich festgelegt, Plan B den Vorzug zu geben. Weil aus ihrer Sicht ein Neubau nicht nur zahlreiche funktionale und städtebauliche Vorteile gegenüber der Sanierung hat, sondern unter dem Strich auch kostengünstiger ist. Bei den Investitionskosten liegen beide Varianten noch nah beieinander. Sie werden für Plan A mit 61,2 Millionen Euro und für Plan B mit 58,4 Millionen Euro angesetzt. Komplett neue Gebäude wären also „nur“ 2,8 Millionen billiger. Die Nutzungskosten – das sind im Wesentlichen die Energiekosten – machen, auf 30 Jahre gerechnet, den Unterschied. Sie betrügen bei Plan B 21,7 Millionen Euro gegenüber 30,6 Millionen bei Plan A – wären somit 8,9 Millionen niedriger. „Das ist schon gravierend“, findet Bürgermeister Dr. Alexander Berger.

Als „Optionen“ – das ist das eigentlich Neue an der Vorlage – werden über die Grundfunktionen hinausgehende Investitionen in die Stadthalle wie z.B. eine größere Küche, die Integration der Stadtbücherei in das Bürgerforum und der Umzug der VHS in das heutige Büchereigebäude in der Kostengegenüberstellung mitbetrachtet. Rund elf Millionen Euro kämen an Baukosten sowohl bei einer Sanierung wie bei einem Neubau noch oben drauf, was zu folgenden Gesamtsummen führen würde: 104 Millionen Euro für Plan A und 92 Millionen für Plan B.

Kämmerer: Finanzierung ist „leistbar“

Astronomisch hoch erscheinende Beträge. Doch Kämmerer Dirk Schlebes ist überzeugt, „dass wir das stemmen können“. Die Finanzierung sei auch nach Einschätzung der NRW-Bank „leistbar“, ohne dass die Stadt in Gefahr gerate, in die Haushaltssicherung zu rutschen. Bei einem angenommenen Zins von 2,5 Prozent und dreißigjähriger Zinsbindung werde der Haushalt im ersten Jahr mit 3,5 Millionen Euro belastet, in jedem weiteren Jahr verringere sich die Last um jeweils 50 000 Euro. „In den Jahren 2019 bis 2022 erwarten wir im Finanzhaushalt Überschüsse von 5,1 bis 7,4 Millionen Euro“, so Schlebes. Diese Überschüsse überstiegen nicht nur die für die Rathausfinanzierung erforderlichen Mittel, die Stadt behalte auch ausreichend Spielraum, zusätzlich ohne Neuaufnahme Altkredite zu tilgen. Dabei hat Schlebes mögliche Landeszuschüsse noch gar nicht einkalkuliert.

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