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Jugendforum initiiert generationenübergreifenden Gedankenaustausch

Postkarten gegen soziale Isolation

Ahlen

In der Corona-Pandemie litten viele Menschen unter Einsamkeit. Einen kreativen Ausweg aus dieser Situation fand das Jugendforum.

Von Martin Feldhaus

Foto: Martin Feldhaus

Was verbindet Jugendliche und Bewohner eines Seniorenheimes? Auf den ersten Blick könnte man meinen, nicht sehr viel. Vor allem, wenn bei der Alltagsgestaltung verschiedene Welten aufeinanderprallen. Doch während der Corona-Pandemie traf die soziale Isolation beide Gruppen mit voller Härte: Kein Besuch von Verwandten, keine Treffen mit Freunden und sonstige Freizeitaktivitäten. Unter dieser Einsamkeit litten alle gleich. Gerade dieses Gefühl verband in Ahlen aber auch Jung und Alt.

Denn einen kreativen Ausweg aus dieser deprimierenden Situation fanden mitten in der Corona-Hochphase Mitglieder des Jugendforums, die im Frühjahr eine Postkartenaktion auf die Beine stellten, bei der zwischen einigen Schülern des Gymnasiums St. Michael und Bewohnern des Elisabeth-Tombrock-Hauses ein Gedankenaustausch stattfand. Nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern schriftlich über Postkarten.

Was ist das Schönste, was dir im letzten Jahr passiert ist? Wodurch entsteht tiefe Freundschaft? Fragen wie diese standen auf den Themen-Postkarten, die zunächst die Schüler beantworteten und dann an das Seniorenwohnheim weiterleiteten, wo Kim Auferoth (Sozialer Dienst) die Postkarten auf die verschiedenen Wohnbereiche aufteilte. Dort schrieben die Bewohner ebenfalls ihre Gedanken auf. Für beide Seiten eine willkommene Abwechslung im monotonen, einsamen Corona-Alltag. „Die Bewohner waren absolut begeistert“, betonte Anja de Graaf, Betreuungskraft im Tombrock-Haus, und sprach dem Jugendforum ein großes Lob für diese Aktion aus. Dem schloss sich Bewohnerin Marion Linnemann an. „Warum soll ich da nicht mitmachen?“ schilderte sie ihre Gedanken, als sie von der Aktion erfuhr.

Aufschlussreicher Inhalt

Was hilft gegen die momentane Vereinsamung? Diese Frage stellten sich die Mitglieder des Jugendforums bereits im vergangenen Herbst. Im Internet stießen sie dann auf die Themen-Postkarten und kamen schnell auf die Idee, diese für den generationenübergreifenden Austausch mit älteren Menschen zu nutzen. Eine Aktion, die auch den Schülern half. „Die Karten haben etwas Positives in diese schwere Zeit gebracht“, betont Leon Schäfer vom Jugendforum.

Doch auch der Inhalt der Postkarten erwies sich als äußerst aufschlussreich. „Mich hat es überrascht, dass die als wichtig empfundenen Werte sehr oft übereinstimmen“, berichtet etwa Tim Schäfer. So sei aus den Antworten ganz deutlich geworden, dass sowohl den Schülern als auch den Senioren Familie und Freunde sehr wichtig seien. Das galt etwa auch für die Gesundheit, die beide Seiten oft als wichtigstes Gut ansahen. Jugendliche und Bewohner eines Seniorenheimes verbindet beim zweiten Blick also doch mehr, als man auf den ersten Blick meinen könnte.

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