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John Polnedi für sechs Monate in St. Bartholomäus

Priester als Praktikant

Ahlen

Als John Polnedi zum ersten Mal nach Europa kam, erlebte er einen Kulturschock. Mittlerweile hat er sich eingewöhnt und möchte für fünf Jahre als Priester im Bistum Münster tätig sein. Seinen Start macht er in St. Bartholomäus.

Von Ralf Steinhorst

Priester Dr. John Barthalomeo Polnedi (l.) ist seit dem 10. Januar in St. Bartholomäus als Praktikant tätig. In den kommenden Monaten wird er von seinem Landsmann Pfarrer Joseph Thota betreut. Foto: Ralf Steinhorst

Die Pfarrei St. Bartholomäus hat mit dem Inder Dr. John Barthalomeo Polnedi jetzt einen Praktikanten im Priesterteam. Der Priester wird mindestens die kommenden fünf Jahre im Bistum Münster tätig sein und bereitet sich in Ahlen auf seine erste Pfarrstelle vor.

John Polnedi ist 37 Jahre alt und stammt aus dem südostindischen Bundesstaat Andrha Pradesh. Vor zwölf Jahren wurde er zum Priester geweiht und erfüllte sich damit einen Kindheitstraum, nachdem er zuvor auch schon als Messdiener in seiner Heimatgemeinde tätig gewesen war.

Eine verantwortungsvolle Aufgabe

„Priester zu sein, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, man ist für die Menschen da“, erklärt der Praktikant, der zunächst keinen Gedanken für Theologie übrig hatte. Aber als Priesterkandidat hatte er gute Noten im Fach Kirchenrecht und so schickte ihn sein Heimatbischof drei Jahre nach der Priesterweihe nach Italien, denn nur dort, in Deutschland und in Kanada kann Kirchenrecht studiert werden. „Europa war für mich als Inder eine riesengroße Umstellung, fast wie ein Kulturschock“, blickt er auf seine erste Zeit auf diesem Kontinent zurück. In Rom promovierte er schließlich in Kirchenrecht.

Nach neun Jahren in Italien, unter anderem in Venedig, Vicenza und Cuneo, ist er seit Anfang September im Bistum Münster tätig, dem Partnerbistum seines Heimatbistums in Indien.

Willkommenskurs im Borromaeum

Bisher hat John Polnedi einen Willkommenskurs im Münsteraner Priesterseminar Borromaeum belegt, um die Sprache, die Kultur und die Mentalität Deutschlands kennenzulernen. Wobei sein gutes Deutsch nach nur wenigen Monaten hier auffällt. „Ich habe schon im letzten Jahr begonnen, mit Hilfe von Youtube Deutsch zu lernen – ohne Sprachkurs“, freut er sich über das Lob. Dass er im Gespräch am Donnerstagvormittag gut gelaunt ist, hat noch einen anderen Grund. Eine Stunde zuvor hat er allein und selbstständig in der St.-Ludgeri-Kirche seinen ersten Gottesdienst in einer deutschen Kirche zelebriert: „Heute ist ein besonderer Tag für mich.“

Dass John Polnedi jetzt bis Ende Juli ausgerechnet in St. Bartholomäus ist, das seinem zweiten Vornamen Barthalomeo gleicht, amüsiert ihn: „Das war eine Überraschung für mich.“ Als Vorbild nennt er Mutter Theresa, die im indischen Kalkutta gewirkt hat. Was wiederum nicht überrascht, genießt die Ordensfrau auch nach ihrem Tod gerade in Indien höchste Wertschätzung. 

Mitbruder Joseph Thota

Seinen priesterlichen indischen Mitbruder Joseph Thota hat er erst vor wenigen Wochen in Münster kennengelernt. Joseph Thota freut sich darüber, dass er John Polnedi betreuen darf: „Von uns kann er Gutes lernen, ich gebe ihm meine Erfahrungen weiter.“ Der Neuling wiederum freut sich über die herzliche Aufnahme in St. Bartholomäus. Ende Juli wird er weiterziehen und im Bistum Münster seine erste Pfarrstelle antreten. Wo die sein wird, das weiß er noch nicht.

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