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Unterwegs mit Stadtprinz Philip I.

Karneval in Corona-Zeiten: Rabatz in der „stillen Session“

Ahlen

Es ist keine Session wie alle anderen. Aber Stadtprinz Philip I. bleibt seinem Motto treu und „macht sein Ding: Er bringt vielen Menschen Freude.

Von Ralf Steinhorst

Überraschungsbesuch bei den Nachbarn der Eltern (v.l.): Dominik Krämer, Norbert Ossenbrink, Ingo Rütten, Beate Ossenbrink, Stadtprinz Philip I. und Alex Wilk Foto: Ralf Steinhorst

In der Öffentlichkeit sind sie aufgrund der Pandemie seltener zu sehen als ihre Vorgänger und doch haben sie bis zum Sessionsfinale ein ordentliches Programm vor sich: Stadtprinz Philip I. (Rings), seine Adjutanten Alexander Wilk und Ingo Rütten sowie hoffentlich bald auch auch wieder Standartenträger Andreas Burian. Der ist an Corona erkrankt, aber ACCer Dominik Krämer konnte kurzfristig als Ersatz an der Standarte einspringen. Samstagabend ist die Gruppe auf Tour.

Fusselrolle liegt parat

„Die Fusselrolle liegt auch bereit“, beruhigt Nadine Rings, Ehefrau des Stadtprinzen, die Combo am späten Samstagnachmittag bei den Vorbereitungen. Labrador Erna könnte schließlich einige ihrer Haare auf den schwarzen Anzughosen hinterlassen, was nicht gut aussähe. Die Stimmung ist gut. Nur darf sich nicht auch noch Stadtprinz Philip mit dem Coronavirus infizieren, dann wird’s eng. „Dann muss Nadine einspringen, das wäre dann unsere erste Stadtprinzessin“, unkt Alexander Wilk, doch die Ehefrau des Prinzen winkt ab – Rampenlicht ist nicht ihr Ding.

Stärkung mit hausgemachter Ofensuppe: Nadine Rings, Dominik Krämer, Ingo Rütten, Alexander Wilk und Stadtprinz Philip I. Foto: Ralf Steinhorst

Wie wird man Stadtprinz? Bei Philip ging es schnell. Als sich im September andeutete, der designierte Stadtprinz könne zurückziehen, fragte ihn sein Bruder André Rings, Mitglied im BAS-Vorstand, ob er sich eine Regentschaft vorstellen könne. Eine Woche später, Philip war gerade auf Dienstreise in Venedig, kam dann die WhatsApp vom BAS.

„Jetzt wird’s ernst war mein erster Gedanke“, erinnert sich der Stadtprinz. Schon auf dem Rückflug habe er dann die Session durchgeplant, damals deutete noch alles auf Normalität bis Aschermittwoch hin. Am 5. Oktober wurde das Ornat anprobiert, am 6. Oktober die Prinzenorden bestellt. Seine Combo, vom BAS organisiert, stand auch schon bereit.

Ohne fremde Hilfe geht es nicht: Ingo Rütten hilft Stadtprinz Philip I. beim Anlegen des Ornats. Foto: Ralf Steinhorst

Warum er sich eine solche Session ohne möglichen Rosenmontagsumzug antut? „Ich musste natürlich mit allem rechnen, aber ich bin spontan genug dazu“, antwortet Philip I., durch Spontaneität wäre er schließlich auch vor Jahren Schützenkönig im Hohen Norden geworden.

Zum anderen sei es um das große Ganze gegangen: „Es ist ja auch wichtig, dass im Ahlener Karneval etwas passiert – nichts zu tun, wäre falsch gewesen. Die Karnevalsvereine haben immer gesagt, wir müssen zusammenhalten. Das haben wir gut hinbekommen.“ Was auch Adju Alex Wilk bestätigt: Es sei einfach die Chance gewesen, ein Zeichen zu setzen. Alle hätten gewusst, dass alles anders kommen könnte.

Einsatz der Fusselrolle: Dominik Krämer, Alexander Wilk und Stadtprinz Philip I. Foto: Ralf Steinhorst

Insofern passt das Prinzenmotto „Mach dein Ding“ gerade in einer schweren Zeit wie kein anderes optimal zum Stadtprinzen. Natürlich seien alle enttäuscht gewesen, als die Verschärfungen kamen, aber sie hätten immer geschaut, was machbar ist. „In keiner meiner Reden kam das Wort Corona vor, die Menschen können es auch nicht mehr hören“, betont Philip. Stattdessen sollen sie in der „stillen Session“ trotzdem Spaß haben, wenn er bei ihnen vorbeischaut. Viele Besuche, in der Mehrzahl nur bis zur Haustür, hat die Combo absolviert, Prinzenwein oder Orden wurden da auch schon mal durch das Fenster gereicht.

Auch der Neue im Team muss mit einem Prinzenorden ausgestattet sein: Stadtprinz Philip I. verleiht Dominik Krämer seinen Orden. Foto: Ralf Steinhorst

Auch zum Sessionsfinale wird der Stadtprinz unterwegs sein, 60 Termine sind schon absolviert, bis Aschermittwoch kommen noch mindestens 35 dazu. Kitas, Schulen oder Seniorenzentren werden dann nicht ausgespart. Da es dort nicht ins Innere geht, soll mit einer Musikanlage oder den mit den Happy Trumpets Rabatz vor den Türen gemacht werden. „Es gibt Kinder, die haben noch nie Karneval erlebt“, hält Alex Wilk die Auftritte für wichtig. Und für den einen oder anderen Karnevalisten in den Seniorenzentren könne es auch sehr emotional werden, schätzt Ingo Rütten.

Karnevalisten mit Herz

Ein Blick auf die Uhr, es wird Zeit aufzubrechen. Norbert und Beate Ossenbrink, Karnevalisten mit Herz und neue Nachbarn von Philips Eltern, sollen überrascht werden. Nach dem Einmarsch in die Wohnung können beide ihre Rührung nicht verbergen. „Die Überraschung ist gelungen, normalerweise lege ich mir die Worte zurecht“, gesteht Norbert Ossenbrink und lässt den Stadtprinzen hochleben. Es wird nicht bei diesem einen Besuch am Samstagabend bleiben, wenig später stehen noch ein Geburtstag und eine private Karnevalsfeier auf dem Plan. Denn trotz aller Hemmnisse ist eines sicher: Stadtprinz Philip I. macht mit Spaß sein Ding.

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