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Klima-Kundgebung

Redner fordern mehr Einsatz

Ahlen

Auf großes Interesse stieß die Kundgebung zum Weltklimaaktionstag vor dem Rathaus. Die Forderungen der Redner machten deutlich, wie viel man unternehmen kann, um die Klimaziele zu erreichen.

Peter Schniederjürgen

Die Kundgebung zog viele Klimaaktivisten an. Foto: Ludger Bruns

Nach der Fahrraddemonstration folgte zum Weltklimaaktionstag am Freitag eine Kundgebung vor dem Rathaus. In kurzen Wortbeiträgen machten Teilnehmer ihrem Unmut über die unzureichenden Bemühungen zum Einhalt der Erderwärmung Luft. Auch auf dem Rathausplatz waren, wie kurze Zeit zuvor auf dem Marienplatz, die Coronaabstände für die Teilnehmer markiert.

Dr. Rainer Balmes näherte sich dem Thema aus medizinischer Sicht. „Das Weltklima funktioniert wie die Körpertemperatur“, stellte der Arzt fest. Bei 37 Grad sei alles in Ordnung, bei 39 werde es fiebrig und „bei 41,6 Grad gerinnt das Eiweiß und es kommt zum Tod“, mahnte er eindringlich. Schließlich wies er auf die Folgen des Fleischkonsums hin: Rheuma und Gicht im Körper, Wasserverschmutzung durch Gülle und gewaltige Emissionen des Klimagases Methan durch die Massentierhaltung in der Welt. „Dazu kommen noch Seuchen. Das Coronavirus stammt von Tieren“, stellte Dr. Balmes klar.

Zu große Technikgläubigkeit

Für Michael Scharf, Ortschef des ADFC ist die beste Energie die, „die wir gar nicht erst brauchen“. So freute es ihn zwar, dass Deutschland 2020 seine Klimaziele erreicht hat, doch er dämpfte die Freude sogleich: „Eine gute Schlagzeile zum Anfang des Jahres, aber leider ist Corona der Grund.“ Er ist der Ansicht, dass Deutschland bereits gebaut ist. Nun müsse es aber klimafreundlich saniert werden. Als Risiko sieht er die Tendenz, sich auf die Technik zu verlassen. „Die bedenkliche Technikgläubigkeit ist ein Versprechen, das in der Zukunft nicht eingelöst wird“, mahnte Scharf und zählte einige Technikträume aus der Vergangenheit auf. Die CO-Speicherung im Boden – davon höre man nicht mehr viel. „Der Diesel sollte es vor ein paar Jahre auch mal richten mit bekanntem Ausgang.“

Plakate verdeutlichten die Forderungen. Foto: Ludger Bruns

Die langjährige Klimaaktivistin Anne Bussmann mahnte zur Eile: „Ich stelle fest, die Energiewende geht viel zu langsam voran, um das 1,5-Grad-Ziel von Paris einzuhalten.“ Bussmann betonte die Notwendigkeit von 100 Prozent erneuerbarer Energie in allen Bereichen. Das bedeutet für sie, schon heute keine weiteren Gas- und Ölheizungen mehr einzubauen. „Das sollten Planer, Architekten und Kommunalpolitiker beachten“, forderte die Vorsitzende des Solarenergie-Fördervereins. Sie wies auf die ausgefeilten Klimakonzepte von Münster und Soest hin.

Weitgehend autofreie Stadt

Einen Blick in eine denkbare Zukunft warf Burghardt Engelke, Vorsitzender des Weltladens. Er malte Ahlen 2030 als eine weitgehend autofreie Stadt. „Dann sähe die Innenstadt anders aus, nicht mehr zugeparkt mit Autos, aber dafür mit spielenden Kindern auf den Straßen“, sagte Engelke. Statt Parkplätzen sah er kleine Parks und Spielplätze. „Das wäre dann klimaneutral, wir ‚Parents for Future‘ wollen eine solche Innenstadt“, forderte er. Die Stadt würde Treffpunkt für Menschen und ein Ort für kulturelle und gesellige Veranstaltungen. „Mit Zustimmung des Rates könnte die Fahrradzone einen Vorgeschmack dafür geben“, schlug Engelke vor. Denn Qualität sei, wenn Versprechungen Wirklichkeit werden. „Deswegen braucht Ahlen kein Stadtradeln mit Preisverleihung, sondern eine Mehrheit für den Radverkehr“, forderte Engelke und bat um Unterstützung: „Sorgt also mit uns dafür, dass wir Ahlen fahrradfreundlich machen.“

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