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Stromaggregat für den Blackout

Rettungsdienst tankt notfalls beim Betriebshof

Ahlen

Sollte es zu einem großflächigen Blackout kommen, tanken Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und Rettungsdienst bei den Ahlener Umweltbetrieben. Dafür wird jetzt ein Notstromaggregat bestellt. Lieferzeit: 30 Wochen!

Die Umweltbetriebe erhalten nach dem Beschluss des Betriebsausschusses ein Notstromaggregat, um in erster Linie ihre Tankstelle für den Rettungsdienst einsatzbereit halten zu können. Foto: Ulrich Gösmann

Die Ahlener Umweltbetriebe investieren 80 000 Euro in ein Notstromaggregat, um im Fall eines großflächigen Blackouts auch Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und Rettungsdienst betanken zu können. Lieferzeit: 30 Wochen. Es hätte auch noch länger dauern können, wie die Diskussion am Donnerstagabend im Betriebsausschuss zeigte. Die endete mit einer überraschenden Kompromisslösung.

Michael Morch, AUB-Leiter

Für die Anschaffung des Aggregats eine Brandmeldeanlage für den Betriebshof um ein Jahr aufschieben? Im Ratssaal schrillten die Alarmglocken. Michael Morch, Leiter der Ahlener Umweltbetriebe, geriet mit seinem Deckungsvorschlag in Turbulenzen. Bernd Meiwes (SPD) verspürte Bauchschmerzen und sah die Sicherheit der Beschäftigten gefährdet. „Gefährlich“ fand auch Dieter Bröer (Grüne) die Priorisierung. Dass es zu einem großflächigen Blackout komme, sei im Moment weniger wahrscheinlich. Bröer richtete seine Blicke aufs Wersestadion, das doch über ein Notstromaggregat verfüge, um im Fall eines Ausfalls das Flutlicht zu versorgen. Michael Morch winkte wohlwissend ab: „Wir brauchen ein Spezielles.“ Das darüber hinaus auch mobil unterwegs sein müsse. Das vorliegende Angebot sei preislich und selbst terminlich ausgesprochen interessant. „Wir haben auch Angebote, die bei einem Jahr Lieferzeit liegen.“

Dennis Kykal (CDU) kritisierte die Qualität der Vorlage. Welcher Service durch die Anschaffung aufrechterhalten werden könne, sei nicht klar. „Wir könnten damit leben, wenn eine Papierpresse nicht funktioniert.“

Thomas Köpp, Baudezernent

Michael Morch unterstrich, vom Stab für außergewöhnliche Ereignisse aufgefordert worden zu sein. Im Fall eines Blackouts würden die Umweltbetriebe nur den Winterdienst aufrechterhalten. Das Aggregat diene in erster Linie dazu, Versorgungsfahrzeuge mit Werkstattleistungen zu versorgen. Baudezernent Thomas Köpp legte nach: „Die Tankstelle ist das entscheidende Element.“ Sie verfüge über einen 28 000-Liter-Tank. Sollte großflächig der Strom ausfallen, funktionierten auch die Tankstellen im Stadtgebiet nicht mehr. Köpp: „Es gibt eine zentrale Steuerung in Münster. Wenn die ausfällt, geht hier nichts mehr.“

„Wie kriegen wir das nun finanziert?“ meldete sich Bernd Meiwes zurück. Dennis Hadrika, stellvertretender Leiter der Ahlener Umweltbetriebe, empfahl eine schnelle Entscheidung. Für die Miete eines Notstromaggregats läge der Preis für vier Monate bei 30 000 Euro. „Dann haben wir noch keine Anschlüsse und sind noch nicht bei 30 Wochen.“

Ralf Marciniak (CDU) schlug vor, die Entscheidung mit Blick auf die ohnehin lange Lieferzeit „mit vernünftiger Vorlage“ in die nächste Sitzung im Februar zu verschieben. Ein Blackout sei im August besser zu ertragen als im tiefsten Winter.

Norbert Schwemmer (SPD) attestierte dem Angebot einen „exzellenten Preis“. Er arbeite bei den Stadtwerken und wisse, wovon er spreche. Dieter Bröer monierte, dass 27 Millionen Euro in den neuen Betriebshof geflossen seien, für ein Notstromaggregat sei am Ende aber kein Geld mehr gewesen. Thomas Köpp winkte ab: „Es gibt einen Stöpsel. Wir sind vorgerüstet.“

Kämmerer Dirk Schlebes schlug vor, dem Angebot jetzt zuzustimmen und über die Finanzierung im Februar zu entscheiden. Andreas Schröter, Leiter des Finanz- und Rechnungswesens bei den AUB, trat auf die Bremse: „Wir dürfen so nicht vorgehen.“ Dann gebe es ein Problem mit der Rechnungsprüfungsanlage.

Und nun? Dennis Kykal überraschte mit zündender Idee: Jetzt zustimmen und die Refinanzierung der Brandmeldeanlage in der nächsten Sitzung im Februar klären. Beifall aus dem Ausschuss – und Zustimmung bei einer grünen Gegenstimme.

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