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Neues Konzept setzt auf Naherholung

Riesenameisen zieht‘s in den Stadtpark

Ahlen

Ahlens neuer Stadtpark setzt auf Erholungswert und Superlative: Riesenameisen laden zwischen Duftgarten und Skulpturenwald zum Klettern ein, Sonnenliegen zum Relaxen. 2,228 Millionen Euro soll die Umgestaltung kosten.

Ulrich Gösmann

Diese Parkplätze fallen im Abschnitt der Robert-Koch-Straße zwischen Krankenhaus-Haupteingang und Wersebrücke weg und rücken in Richtung Kreuzung Parkstraße. Foto: Ulrich Gösmann

Über Riesenameisen klettern, auf dem Holzdeck sonnenbaden oder relaxed auf der Liegebank die heilende Wirkung des Duftgartens genießen: Ahlens neuer Stadtpark versteht sich als Naherholungspark. Und als Treffpunkt der Generationen, wie Landschaftsarchitektin Hiltrud M. Lintel am Montagnachmittag in der Sitzung des neuen Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität betonte. Dafür wird die in die Jahre gekommene und von Sturmschäden gezeichnete Anlage im nächsten Jahr generalüberholt, ohne altem Baumbestand an die Wurzeln zu gehen. Kostenvolumen: 2,288 Millionen Euro.

Heil- und Duftgarten vor den Toren des St.-Franziskus-Hospitals, Skulpturengarten im Schatten des Kunstmuseums. Und dazwischen: Ahlens größter Spielplatz mit Superlativen. Drei polynesische Riesenameisen – fünf Meter lang, vier breit und drei hoch – fordern zum Klettern heraus. Daneben – als Highlight – ein überdimensionierter Ameisenhaufen mit einer sechs Meter hohen Röhrenspiralrutsche, die über stilisierte Ameiseneier erklommen werden kann. Aber es geht auch eine Nummer kleiner: Ein barrierefreier Spielbereich – rollstuhlgeeignet – lädt zur Südseereise ein. Grundlage des Konzepts ist Erich Kästners Kinderbuch „Der 35. Mai – Konrad reitet in die Südsee“. Szenen des Buches werden in naturnahe Spielangebote umgesetzt. Die Welt der Kinder eröffnet sich durch die Tür eines überdimensionalen Kleiderschranks.

Seitenwege fallen weg. Foto: Ulrich Gösmann

Hiltrud M. Lintel, Geschäftsführerin der „Scape“- Landschaftsarchitekten aus Düsseldorf, holte mit ihrer Präsentation Natur und Sommer in den Ratssaal. Ein neues Streckenkonzept konzentriere sich auf wesentliche Verbindungsadern. „Wege im Park entfallen. Das tut ihm gut und nimmt ihm Beengendes“, sagte die Landschaftsarchitektin. Ihr Konzept lasse der Natur Freiraum: „Wir freuen uns, was sich hier entwickelt. Der Park ist nicht als Gartenschau angelegt.“ Entsprechend keine festen Rosenbeeteinfassungen wie in klassischen Grünanlagen. Flieder- und Blütenbäume setzen im Duft- und Heilgarten Akzente und dürften sich als Eldorado für Insekten empfehlen.

Hiltrud M. Lintel

Die zentrale Kampenwiese eröffnet als multifunktional nutzbare Rasenfläche Weitläufigkeit. Der baufällige Alfred-Kitzig-Brunnen wird verschwinden. Allein seine Gedenktafel soll dem Park im Bereich der Pergola erhalten bleiben. Das aus dem Jahr 1960 stammende Konstrukt mit seiner Brunnenanlage wird nach einer Überarbeitung zentraler Treffpunkt; angrenzende Wasserbecken zu einem naturnahen Wassergarten mit Sumpfpflanzen- und Staudenzonen. Zwischen Sumpfschwertlilien und Zwergbinsen entfaltet sich ein kleines Biotop.

Pergola und Brunnenanlage erfahren eine Neugestaltung. Foto: Ulrich Gösmann

Frische Jungbäume ziehen unterdessen in den Skulpturenwald. In mäandrierenden Bändern gepflanzte Zwiebelpflanzen und extensive Wiesenbereiche erinnern wie im Duft- und Heilgarten an die ehemaligen Mühlgräben. Angrenzend an das St. Vinzenz sehen die Planer Potenzial für ein Parkcafé mit einem halböffentlichen Lern- und Naturgarten.

Eine komplette Umgestaltung erfährt die Robert-Koch-Straße. Stadtpark und Krankenhaus finden durch einen barrierefreien Übergang näher zusammen. Die lange Parkplatzreihe verkürzt sich, ohne dass Stellflächen verloren gehen. Ersatz wird im Kreuzungsbereich zur Parkstraße geschaffen, wo beidseitig geparkt werden kann.

Ab Krankenhaus-Treppenanlage wird der dann autofreie Straßenabschnitt bis zur Wersebrücke gepflastert und die Grünfläche vor dem St.-Franziskus-Hospital verbreitert. Die für den Durchgangsverkehr gesperrte Brücke soll zu einem Platz mit Aufenthaltsfunktion aufgewertet werden. Hier treffen der überregionale Werseradweg und die innerstädtische Radwegverbindung aufein­ander. Sogar Bänke schaffen es auf die Brücke, um zum Verschnaufen mit Werseauen-Panoramablick einzuladen. Einzig für Rettungsfahrzeuge und Taxis ist eine Durchfahrt vorgesehen.

Fallen Parkbäume für die Neugestaltung? Eine Nachfrage von Ulf Rosenbaum (CDU) verneinte Jörg Pieconkowski, Gruppenleiter Grünflächen bei den Ahlener Umweltbetrieben: „Was da steht, bleibt mehr oder weniger stehen.“ Ausnahme: drei von Fäulnis durchsetzte Bäume. Darunter die markante Rotbuche am Kiosk.

Noch Baustelle: Blick auf die Werseaue. Foto: Ulrich Gösmann

Martin Hegselmann und Rita Pöppinghaus-Voss (CDU) vermissten die sportliche Note, wie sie ursprünglich angedacht worden sei. Jörg Pieconkowski riet unter Hinweis auf Langst und Berliner Park davon ab, den Park jetzt noch „vollzupacken“. Hiltrud M. Lintel sah – falls gewünscht – auf der westlichen Werseseite Platz für Fitness-Stationen, die entlang des Weges bis hin zum Berliner Park positioniert werden könnten.

Wegen Beratungsbedarfs wurde die Abstimmung auf die nachfolgenden Gremien verschoben.

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