Praxis vermutet politischen Gegenwind

Schilder von der Wand gerissen?

Ahlen

Unwahrscheinlich, dass stürmische Böen gleich zwei Praxisschilder binnen weniger Tage zu Boden gerissen haben. Zahnarzt Dr. David Tilch spürt politischen Gegenwind, seitdem sich die Praxis öffentlich in der Ahlener Rathausfrage positioniert hat.

Ulrich Gösmann

Dr. David Tilch glaubt nicht an natürliche Kräfte. Beide Tafeln lösten sich innerhalb von drei Nächten. Foto: Ulrich Gösmann

Wird‘s jetzt schmutzig? Als das erste Praxisschild am Freitagmorgen auf dem Boden lag, glaubte Dr. David Tilch noch an die Kraft der Natur. Seit Montagmorgen pfeift der Wind für den Zahnmediziner an der Westenmauer zweifelsfrei aus politischer Richtung. Das zweite Schild empfing die Frühschicht – am Boden, obwohl es zum Wochenende noch fest verankert in der Wand gesessen habe. Tilchs mutmaßen eine Reaktion auf ihre öffentliche Positionierung in der Rathausfrage.

Zu Rechnung und Terminerinnerungen flatterte Patienten in den vergangenen Tagen auch ein Schreiben ins Haus, in dem Dr. Detlef Tilch und sein Sohn David die Rathausfrage aus ihrem Blickwinkel beleuchten. Vom Rathausparkplatz in die Praxis ist es bisweilen nur ein bequemer Sprung über die Straße. „Wir haben extreme Sorgen, dass diese Praxis weitergeführt werden kann, wenn diese Parkplätze wegfallen“, erklärt David Tilch am Montag im Redaktionsgespräch. In der Spitze 20 Patienten in der Stunde, teils alternd, teils von auswärts. „30 Prozent weniger Frequenz – das heißt für uns: existenzbedrohend!“

Dr. David Tilch

Patienten werden bei den Praxisbesuchen schon seit Längerem direkt auf das Rathaus angesprochen. „Fast jeder zeigt sich erstaunt, dass der Neubau hier gegenüber auf dem Parkplatz stehen soll“, erklärt der 33-Jährige die Motivation, den Sachverhalt jetzt in einem Rundschreiben ganz deutlich gemacht zu haben.

David Tilch war vor dem Ratsbeschluss pro Neubau dabei, als Anlieger in einem Gespräch mit dem Bürgermeister und Baudezernenten auf die Unverzichtbarkeit der beiden großen Parkplätze hinwiesen, auf denen Rathaus und Stadthalle stehen sollen. Das Kino sei genauso betroffen wie das Kunstmuseum mit seiner überregionaler Anziehungskraft oder der Wochenmarkt. Tilch: „Alle, die dahinter liegen, macht man platt.“ Die Auskunft, dass es Ausgleichparkplätze geben werde, hätte wohl einzig der Ruhigstellung gedient.

Praktisch: der Rathaus-Parkplatz gleich vor der Praxis. Foto: Ulrich Gösmann

Einer der Praxisbriefe erreichte in der Vorwoche auch Peter Lehmann, dessen Sohn und Tochter Tilch-Patienten sind. „Ich war sehr schockiert. Es sind zwei minderjährige Kinder“, sagt Lehmann. Der CDU-Stadtverbandsvorsitzender legt im Redaktionsgespräch Wert darauf, als Vater reagiert zu haben. Nach einem Anruf in der Praxis kündigte er vergangenen Dienstag in einem Post auf der Praxisseite an, die Ärztekammer einzuschalten. Für Lehmann ein eindeutiger Fall von berufswidriger Werbung.

Als CDU-Chef stellt er gleich klar, dass die Parkplatzsorgen unberechtigt seien. In der letzten Fraktionssitzung am vergangenen Mittwoch habe Baudezernent Andreas Mentz auch dieses Thema noch einmal angesprochen und versichert, dass in der Bauphase Ausgleichsflächen zur Verfügung stünden. Die Zahl der Parkplätze sei dann mindestens genauso groß wie bisher.

Praxis erstattet Anzeige gegen Unbekannt

Was die beiden auf dem Boden liegenden Tafeln betrifft, hat die Praxis Tilch am Montag Anzeige bei der Polizei erstattet.

Der Patientenbrief im Wortlaut

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