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Heiligabend-Gottesdienst als Stream

Segen kommt auch übers Netz

Ahlen

Nein, Lampenfieber hatte er keines: Pfarrer Willi Stroband agierte beim Heiligabendkindergottesdienst im Live­stream gekonnt vor der Kamera.

Peter Schniederjürgen

Letzte Regieanweisungen erfolgen kurz vor Beginn des Livestreams an Heiligabend in St. Ludgeri. Foto: Peter Schniederjürgen

„Wir haben schon 128“, hallt es am Heiligen Abend kurz vor 15 Uhr eher unheilig durch die St. Ludgeri-Kirche. Gemeint sind Gottesdienstbesucher. Die sitzen allerdings nicht in den Bankreihen, die Kirche ist beinahe leer. Bei diesem Weihnachtskindergottesdienst sitzen die Gläubigen vorm heimischen Computer oder Smart-TV. Diese und weitere Messen werden live in die Wohnzimmer gesendet.

Vorne am Altar und der Krippe stehen Pfarrer Willi Stroband und Musiker Martin Göcke, ganz hinten sitzt eine Reihe junger Leute hinter einer Reihe von Schalt- und Regiepulten. Von hier wird der Gottesdienst live gestreamt, was so viel heißt, dass er im Internet über Youtube übertragen wird.

Am Regiepult sorgt das Technikteam (v.r.) Felix Zimmermann, Jonas Tienhues, Philip Winterkamp, Maximilian Henze und Michael Oertel für das beste Bild und den besten Ton Foto: Peter Schniederjürgen

„Noch drei Minuten“, tönt es aus der Regie. Willi Stroband hat es eilig, dem Berichterstatter noch schnell die Krippe zu erklären. „Ich habe als Besonderheit für dieses Jahr die Krippe mit Corona dekoriert“, zeigt der Geistliche. Tatsächlich sind über die ganze biblische Landschaft Plüschbällchen mit Strahlen verteilt. „Die lege ich später in der Bartholomäuskirche noch zum Mitnehmen aus – als Erinnerung an dieses Jahr“, erklärt der Pfarrer. Dann steht da noch eine ICE-Richtungstafel. Die steht für Willi Strobands Hoffnung auf einen hoffentlich bald wieder möglichen (Winter-)Urlaub. Denn er ist nicht nur Geistlicher – er ist auch begeisterter Wintersportler.

Pfarrer Willi Stroband

„Achtung Aufnahme“, beendet der Ruf der Regie die Plauderei. Martin Göcke hebt an zu Eröffnungslied. Dann übernimmt Pfarrer Stroband. Thema ist natürlich die Weihnachtsgeschichte. Und diese kindgerecht zu erzählen, das macht ihm sichtbar auch digital Spaß.

Nun ist Willi Stroband für seine besondere Art des Gottesdienstes bekannt. Erstaunlich, dass es keinen spürbaren Unterschied zu den Präsenzgottesdiensten gibt. Er erzählt mit vollem Körpereinsatz und großer, auch im Stream spürbarer Freude die uralte Geschichte.

So sieht es am Computer zu Hause aus. Foto: Peter Schniederjürgen

Derweil sitzt an den Regiepulten das Technikteam mit Felix Zimmermann, Jonas Tienhues, Philip Winterkamp, Maximilian Henze und Michael Oertel. Die sechs reagieren auf die Bewegungen des Pfarrers. Zwei Kameras, vom Pult aus ferngesteuert, halten mal den Geistlichen und mal den Musiker im Fokus. Dann schwenkt die Kamera über die Krippe. Die Bildregie ist darauf bedacht, immer das schönste, das ansprechendste Motiv einzufangen. Somit hat dieser Gottesdienst echte Vorteile gegenüber der „analogen“ Version.

„Doch es fehlt der Kontakt, die kleinen Coronas kann ich auch nur zum Abholen hinstellen“, bedauert Willi Stroband. Sonst habe er immer solche Andenken für „seine“ junge Gemeinde dabei. „Doch es bleibt die Hoffnung, dass es im kommenden Jahr endlich wieder normal wird“, sagt er. Das und der Dank für alle, die sich mit ihrem Einsatz gegen die Pandemie stellen, fasst Willi Stroband in seinem Schlusssegen zusammen. Der kommt auch als Stream bei den Menschen an.

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