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Brücke Osttangente teurer

Statik verlangt mehr Stabilität

Ahlen

900.000 Euro mehr für Ahlens größtes Brückenbauwerk, das im Zuge der Osttangente die Werseaue überspannen soll: Im Betriebsausschuss intervenierte Dieter Bröer (Grüne).

Von Ulrich Gösmann

Der Damm wächst, an dem die Brücke anschließen soll: Im Herbst 2021 war ein vertiefendes Baugrundgutachten erstellt worden. Foto: Ulrich Gösmann

Stadthaus, Klärwerk und jetzt die Osttangente: Dieter Bröer (Bündnis 90 / Die Grünen) reichte es – sichtlich angesäuert – in der Sitzung des Betriebsausschusses. Draußen auf der Straße und im Supermarkt werde er laufend gefragt: „Könnt ihr nicht mehr rechnen? Was habt ihr denn da schon wieder beschlossen?“ Im konkreten Fall: 900.000 Euro „on top“ allein für Ahlens größtes Brückenbauwerk, das für die neue Osttangente die Werseaue am Fuße der Osthalde überspannen wird und in dieser Woche in die europaweite Ausschreibung geht. Kostenvolumen aktuell: 3,55 Millionen Euro.

Dieter Bröer

Ebenso unverständlich für Dieter Bröer, wie es sein könne, ein altes Baugrundgutachten als Berechnungsgrundlage für ein 20 Jahre später beginnendes Vorhaben dieser Dimension zu nehmen? Der Grüne erneuerte seine Grundeinstellung zum Gesamtprojekt und prognostizierte: „Das wird nicht der letzte Punkt sein, wo wir über dieses komische Bauwerk reden müssen.“ Jetzt sei man auf dem Weg, der da heiße: „No return“.

Robert Reminghorst, stellvertretender Leiter der Ahlener Umweltbetriebe, reagierte auf den Vorwurf, auf alte Gutachten gesetzt zu haben. Boden, der sich nicht bewege, verändere sich nicht. „Es ist legitim, auf Daten, die man hat, zurückzugreifen.“

Die Beschlussvorlage erinnert daran, dass für die Planfeststellung Osttangente ein Büro mit der Vorplanung des Brückenbauwerks beauftragt worden sei, das es heute nicht mehr gebe. Daher seien für den Förderantrag (Fördersatz 70 Prozent) die damals ermittelten Kosten mit der durchschnittlichen Baupreisentwicklung (Ergebnis: 3,1 Millionen Euro) multipliziert worden, da keine genauere Datengrundlage verfügbar gewesen sei. Zwischenzeitlich habe nach europaweiter Ausschreibung das Büro w+p aus Münster die Planungen aufgenommen und weiter konkretisiert. Dabei sei deutlich geworden, dass das alte Baugrundgutachten für eine verlässliche Berechnung der Statik nicht aussagekräftig genug sei.

Größere Bohrlöcher und tiefere Pfähle

Ende 2021 wurde ein vertiefendes Gutachten erstellt. Einige Kosten konnten laut Vorlage kompensiert werden, andere nicht. Dazu zählen die Vergrößerung der Bohrpfahldurchmesser von 0,90 auf 1,20 Meter oder die Verlängerung der Bohrpfähle von elf auf 16 Meter, die jetzt geneigt in den Untergrund gebaut werden müssen. Bei den Spundwandkästen sind jetzt längere Bohlen erforderlich. Ursprünglich mit sechs Meter angegeben, sollen es jetzt acht bis zehn Meter sein. Die Verbau- und Tiefgründungsarbeiten summieren Mehrkosten von 360.000 Euro, die im Wesentlichen auf die Baugrundverhältnisse zurückzuführen seien, wie es weiter heißt.

Weil bei der Mittelanmeldung zum Wirtschaftsplan 2022 ein Fehler unterlaufen ist, muss für die in dieser Woche startende europaweite Ausschreibung die Verpflichtungsermächtigung für das Jahr 2023 auf 1,8 Millionen Euro verdoppelt werden. Der Betriebsausschuss stimmte dem bei zwei Enthaltungen von BMA und Grünen zu.

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