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Gedenktag für Drogentote

Steine säumen Weg durch die Stadt

Ahlen

Im Gedenken an die Drogentoten gibt es im Corona-Jahr ein neues Aktionsformat. In Ahlen zieht sich am Dienstag (21. Juli) ein Gedenkweg von der Königsstraße zum Bahnhof. Wer mag, kann sich mit einem selbstgestalteten Stein beteiligen.

wn

Steine des Gedenkens an verstorbene Drogenkonsumenten. Die Bevölkerung ist eingeladen, mitzumachen. Foto: Drogenberatungsstelle Ahlen

Alljährlich seit 1998 wird der Internationale Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher begangen. Auch in der Ahlener Königstraße 9 hat er eine lange Tradition. Suchthilfe und Aidshilfe begehen diesen Tag gemeinsam. In diesem Jahr ist durch die Corona-Pandemie vieles anders.

Ein wie bisher gewohntes gemeinsames Gedenken mit den Besuchern im Kontaktcafé ist aufgrund der einzuhaltenden Schutzmaßnahmen derzeit kaum möglich. Auch der übliche Pressetermin und ein Informationsstand am Haus entfallen. Dennoch, auch in diesem Jahr soll die Öffentlichkeit auf die Bedürfnisse von Drogengebrauchenden aufmerksam gemacht werden. Das vielen mittlerweile bekannte und über die Jahre aktualisierte blaue Plakat mit mehr als 120 Namen von drogenkonsumierenden Menschen aus dem Kreis Warendorf, die in den letzten Jahrzehnten verstorben sind, soll wieder am Haus der Beratungsstellen hängen. Als neues Aktionsformat wird es zudem einen Gedenkweg geben, der die Beratungsstellen in der Königstraße 9 mit dem Bahnhof verbindet. An zehn Stellen werden am Wegesrand Informationsblätter mit Gedenklicht und Gedenksteinen mit den Namen der verstorbenen Personen zu finden sein. Die Bevölkerung ist eingeladen, sich diese kleinen Installationen näher anzuschauen.

Initiatoren

Alle, die einen Menschen im Zusammenhang mit dessen Drogenkonsum verloren haben, oder die ihre Solidarität ausdrücken möchten, können gerne auch selbst gestaltete Steine hinzufügen. „So möchten wir in Zeiten des körperlichen Abstandes ein gemeinsames Gedenken ermöglichen“, heißt es aus der Drobs. Die zehn Installationen werden am Gedenktag am Dienstag, 21. Juli, ab ca. 9.30 Uhr ausgelegt und ab 15 Uhr wieder eingesammelt. Mit dem Hinzulegen weiterer Steine wird in deren weitere und erneute Verwendung durch die Aidshilfe Ahlen e.V. oder den Arbeitskreis Jugend- und Drogenberatung im Kreis Warendorf e.V. eingewilligt. Für den Verbleib der Steine werde keine Haftung übernommen, heiß es.

1398 Menschen sind 2019 an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben – fast zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. Hauptursache sind, wie auch in den vergangenen fünf Jahren, Überdosierungen von Opioiden wie Heroin oder Morphin sowie die Kombination mit anderen Substanzen. Dies teilte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Daniela Ludwig bereits im März mit. Besonders signifikant sei der Anstieg aufgrund von Langzeitschädigungen in Kombination mit Überdosierungen – von 38 Todesfällen im Jahr 2018 auf 172 im Jahr 2019. „Die Entwicklung der vergangenen Jahre können wir auf keinen Fall hinnehmen“, erklärte Ludwig. „Wir sehen an den Zahlen klar, dass wir Leben nur dann retten können, wenn die Hilfsangebote vor Ort noch besser und vor allem lückenloser werden.“ Dazu gehöre eine noch flächendeckendere Substitutionsversorgung.

Sichere Finanzierung von Beratungsstellen

Die Initiatoren der Ahlener Aktion fordern Versorgungssicherheit (nicht nur) in Zeiten von Corona – Wohnraum, soziale und medizinische Hilfen müssen ein Menschenrecht sein. Beratungsstellen sei es ohne eine entsprechende finanzielle Ausstattung nicht möglich, mit ausdifferenzierteren Angeboten das Überleben von Suchtmittelabhängigen zu sichern und ihre gesundheitliche und soziale Lage zu verbessern – und so auch die Gesellschaft zu entlasten. Es bleibe zu hoffen, dass Ludwigs Einsichten auch bedarfsgerechte und sichere Finanzierungen für Beratungsstellen folgen.

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