Imkerverein Ahlen wirbt für mehr Insektenangebote

Steingärten – eine echte „Todsünde“

Ahlen

Über ihre Optik lässt sich streiten. Unbestritten ist für den Imkerverein Ahlen jedoch, dass Steingärten kaum Nutzen für die Artenvielfalt bringen. Sie appellieren daher an Gartenbesitzer, pflegeleichte Bodendecker oder Stauden, die nach Mai noch blühen, zu pflanzen.

Christian Wolff

75 Mitglieder zählt der Imkerverein Ahlen aktuell. Einige Völker werden in unmittelbarer Nähe zum Lehrbienenstand am Galgenberg betreut. Die Aktiven sehen die Häufung von Hitzeperioden als Problem an. Foto: Christian Wolff

An heißen Sommertagen kann das Thermometer in der Stadt schnell ein paar Grad Celsius höher ausweisen als auf dem Land. „In dicht bebauten Gebieten staut sich die Wärme halt besonders“, weiß Bettina Heimann. Doch die Vorsitzende des Ahlener Imkervereins sieht noch ein anderes Pro­blem: Steingärten. „Sie halten zusätzlich die Hitze fest.“

Detail aus dem Lehrbienenstand des Imkervereins Ahlen. Foto: Christian Wolff

Für Bienenfreunde sind die pflegeleichten Gartenanlagen der Neuzeit ein echtes Problem, denn nicht nur ihre eigenen Lieblingstiere, sondern Insekten im Allgemeinen finden dort einfach keine Nahrung mehr. „Der kleine Hobbygärtner regt sich über Entwicklungen in der Landwirtschaft auf, während er selbst sehr wenig für die Artenvielfalt tut“, beklagt sich die Vorsitzende des 75 Mitglieder starken Vereins, der seit fünf Jahren auch Imkerschulungen anbietet.

Ein Hotel für Wildbienen. Foto: Christian Wolff

Dabei gebe es auch pflegeleichte Alternativen in Grün, erklärt Stephan Kaplan: „Bodendecker speichern die Feuchtigkeit und bieten Insekten Rückzugsräume.“ Wer dann noch Stauden pflanzt, die nach der Hauptblütezeit noch Blüten tragen, hilft nicht nur den Bienen, sondern auch den Vögeln, über die „mageren Monate“ hinwegzukommen. Glockenblume, Schneebeere oder Fette Henne nennen die Experten als Beispiele. „Im Frühjahr haben wir kaum Probleme, da hat das Insekt reichlich Nahrung“, sagt Michael Heimann. „Ab Ende Mai wird‘s eng. Dann stehen überwiegend Korn und Mais in der Landschaft.“ Besonders wichtig seien dann die Wildblumen. „Zum Glück hat man den Charme von Blühstreifen inzwischen erkannt.“

Vorsitzende Bettina Heimann (l.) bringt Besuchern des Lehrbienenstands die Rolle der Imker näher. Foto: Christian Wolff

Seit 1978 gibt es den Lehrbienenstand des Imkervereins Ahlen am Galgenberg. Während er in den ersten Jahren von Altbürgermeister Herbert Faust und dem damaligen Stadtgärtner Wilhelm Reiberg sehr gefördert wurde, hat er sich in jüngster Zeit eher zum Geheimtipp entwickelt. Dabei ist das, was die Imker dort zu zeigen und zu erzählen haben, in Zeiten des Klimawandels von höchster Bedeutung.

„Es gab mal 1200 Arten von Wildbienen. Heute sind es nur noch etwa 800“, weiß Bettina Heimann und schiebt direkt hinterher, dass die Sensibilisierung für die Natur vor der Haustür schon im Kindesalter beginnt. „Wer in jungen Jahren erfährt, welchen Nutzen die Bienen haben und wie sie leben, vergisst das ein Leben lang nicht mehr.“ Daher finden sie und ihre Mitstreiter es sehr schade, dass nur noch ganz selten Schulklassen zum Lehrbienenstand kommen. Ein Wandertag müsse doch nicht immer weit weg in einen Freizeitpark führen . . .

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