Bazillus gegen den Eichenprozessionsspinner

Steltig: „Nur Absaugen reicht nicht“

Ahlen

Die Stadt Ahlen setzt auf das punktuelle Absaugen der Nester des gefährlichen Eichenprozessionsspinners. Doch dieses Verfahren greift nach Ansicht von Dirk Steltig zu kurz.

Christian Wolff

Vielerorts wurden zusätzliche Nistkästen für Meisen aufgehängt – ein natürlicher Feind des Eichenprozessionsspinners. Fachmann Dirk Steltig empfiehlt aber zusätzlich die Behandlung mit einem speziellen Bazillus. Foto: Christian Wolff / Wikipedia

Keine chemische Keule, sondern einen Bazillus, der für Menschen und Tiere unschädlich ist, empfiehlt Dirk Steltig im Kampf gegen den lästigen Eichenprozessionsspinner. „Das ist eine vorbeugende Maßnahme“, sagt er. „Nur Absaugen alleine reicht nicht.“

Dass sich die Stadt Ahlen offenbar dazu entschieden hat, nur partiell gegen die Raupenplage vorzugehen, kann der Ahlener nicht verstehen. „Wichtig bei der Bekämpfung ist, dass sie bis zur zweiten Verpuppung der Raupe stattfindet, in der noch keine gefährlichen Brennhaare ausgebildet sind“, erklärt er. „Dieser Zeitpunkt ist jetzt.“

Inzwischen weiß jeder: Die Brennhaare der Eichenprozessionsspinner können nicht nur unangenehme Juckreize hervorrufen, sondern auch in hohem Maße allergische Reaktionen auslösen. Daher wird allerorts versucht, den Insekten Einhalt zu gebieten. Aufgrund jener Dringlichkeit hat Dirk Steltig zum Wochenbeginn alle Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat angeschrieben. Erste Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Mehrere Parteien wollen das Thema aufs politische Tapet bringen.

Keine effektive Möglichkeit

Steltig ist als Landwirt und ausgewiesener Fachmann für Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen mit dem Thema „EPS“ bestens betraut. Daneben engagiert er sich ehrenamtlich im Prüfungskomitee der Landwirtschaftskammer bei der Abnahme von Sachkundeprüfungen zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. „Mir ist es persönlich wichtig, dass nur das Allernötigste an chemischen Mitteln zum Einsatz kommt“, hat der Experte, der bei der Raiffeisen Warendorf eG arbeitet, den Parteienvertretern geschrieben. „Das reine Absaugen der Raupen nach dem Befall ist keine effektive Möglichkeit, da nicht alle Raupen erfasst werden und die Brennhaare trotzdem vorhanden sind, durch den Wind verteilt oder aufgewirbelt werden.“ Eine seht viel größere Effektivität sieht Steltig bei der Bekämpfung des „Spinners“ mit einem biologischen Mittel: „Der Bazillus Thuringiensis wird übrigens auch erfolgreich im Kampf gegen Maiszünsler und Buchsbaumzünsler eingesetzt.“

Wie funktioniert diese Bio-Keule? Dirk Steltig veranschaulicht es simpel: „Die Blätter der Eiche werden angesprüht und die Raupen fressen den Bazillus. Der Verdauungstrakt der Raupe wird angegriffen und sie stirbt ab.“

Der Bazillus Thuringiensis. Foto: Wikipedia

Da sich die Nester der Eichenprozessionsspinner nur in Eichen befinden und diese punktuell besprüht werden, können – entgegen anderslautender Äußerungen – keine weiteren Schmetterlingsraupen Schaden nehmen, versichert Steltig. Das Mittel sei absolut unschädlich für andere Tiere, so dass die Vögel sogar mit den behandelten Raupen ihre Brut aufziehen können. „Die EPS-Bekämpfung ist zwar auch nach der zweiten Verpuppung noch recht erfolgreich, aber die Brennhaare sind dann schon vorhanden“, sagt er. Die punktuelle Behandlung werde mit speziellen Geräten vorgenommen.

Wie der Fachmann erfuhr, sei die Ahlener Stadtverwaltung bereits von einem Lohnunternehmer angesprochen worden, der bereit wäre, seine Dienste im Kampf gegen die EPS-Plage zur Verfügung zu stellen.

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