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Ehrenamtlicher Denkmalpfleger

Stillstand bei Holtermann „schon peinlich“

Ahlen

Der ehrenamtliche Beauftragte für Denkmalpflege legt wieder den Finger in die Wunde. Noch immer kritisiert er den Stillstand am Haus Holtermann, sieht aber auch andere Problemstellen in der Stadt.

Von Christian Wolff

Das „Herz der Altstadt Ahlens“: Beim Haus Holtermann, hier zwischen St. Bartholomäus (vorne) und St. Marien, sieht der Denkmalbeauftragte keinen Fortschritt. Foto: Christian Wolff

Als Mahner und kritischer Beobachter der Stadtbildentwicklung hat Bernd Schulze Beerhorst schon oft den Finger in die Wunde gelegt. In vielen Fällen hat der ehrenamtliche Beauftragte für Denkmalpflege positive Entwicklungen aufzeigen können. Doch bei seinem besonderen Herzensanliegen, dem ehemaligen Kaufhaus Holtermann am Markt, sieht er kein Vorankommen.

Erhalt des Jugendstilgebäudes wichtig

„Es ist mir inzwischen peinlich, auf dieses ungelöste Problem nun schon seit Jahren hinzuweisen“, schreibt er in seinem aktuellen Jahresbericht. „Mehr ist dazu auch nicht zu sagen.“ Da beruhige es ihn und die vielen Mitstreiter, die sich für den Erhalt des Jugendstilgebäudes einsetzen, nur wenig, dass sich die Stadtverwaltung weiterhin um eine juristische Lösung mit dem Eigentümer bemüht.

Modehaus Beumer – zuletzt Adler. Foto: Christian Wolff

Und auch an anderen Orten sieht Bernd Schulze Beerhorst Handlungsbedarf. Zum Beispiel beim ehemaligen Kaufhaus Beumer, zuletzt Adler, an der Weststraße. Seit der Schließung steht es leer, angeblich sei sogar ein Verkauf der anliegenden Grundstücke in Planung.

„Das Gebäude steht zwar nicht unter Denkmalschutz, ist aber aufgrund seiner Architektur und seiner straßenprägenden Dominanz dringend Erhaltenswert“, stellt der Denkmalbeauftragte fest. „Die zum Gebäude gehörenden Grundstücke beginnen schon jetzt zu verwahrlosen. Gleichzeitig hat dieses Gebäude Einfluss auf die benachbarten Gewerbebetriebe und auch – besonders zu beachten – auf die Erschließung der beiden noch typischen Altstadtstraßen Steingasse und Wandmacherstiege. Hier muss darauf geachtet werden, dass kein zweites ,Haus Holtermann‘ entsteht.“

Die ausgebrannte Mühle Münstermann. Foto: Christian Wolff

Seit einigen Jahren fristet auch der historische Mühlenstumpf Münstermann am Bahnhof mit dem anliegenden Gewerbeteil ein trauriges Dasein. Darauf weist Schulze Beerhorst ebenso hin wie auf die alte Stadtsparkasse an der Gerichtsstraße. „Schon mehrfach angekündigt, ist bislang noch nichts von der Umsetzung eines Nutzungskonzeptes zu sehen“, kritisiert er.

Die Rückseite von Möbel Iken, später Radio Sib. Foto: Christian Wolff

Die Nordstraße entwickelt sich nach Ansicht des Denkmalbeauftragten zu einem Problemgebiet. „Vor allem die Bauruinen an der Ecke zur Klostergasse und an der Ecke zur Rosenstraße prägen zwischenzeitlich den Gesamteindruck“, hält er fest. „Befördert wird dieser Eindruck durch Leerstände von Gewerberäumen.“

Doch es gibt auch Positives: In seinem Bericht für das Jahr 2020 hatte Bernd Schulze Beerhorst den Rat und die Stadtverwaltung gebeten, sich um das Heimatmuseum an der Wilhelmstraße zu kümmern, damit es zu einem Ort der Darstellung und Archivierung der Ahlener Stadtgeschichte werden kann. „Mit dem Erwerb des Hauses Sommer, ehemals Raeggel, ist dazu ein wichtiger Schritt getan worden“, lobt er. „Dafür möchte ich mich ausdrücklich bedanken.“ Jetzt gehe es darum, die nächsten planerischen und konzeptionellen Überlegungen anzugehen – für den Denkmalpfleger auch verbunden mit der Hoffnung, dass Corona in diesem Kulturbereich wieder mehr Aktivitäten zulässt. „Unter dem Arbeitstitel ,Ahlener Stadt-Gedächtnis‘ sollen Vereine und Institutionen, Geschichten von und über Menschen, Archivbestände und Denkmalerläuterungen zusammengeführt werden, um so eines Tages für jeden Bürger und Interessierten einen Überblick zur Ahlener Geschichte zu geben, der dann auch von jedem ergänzt werden kann.“ Vielleicht könne schon bis zum Stadtjubiläum 2024 eine Datenbasis verwirklicht werden.

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