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Jugendschöffengericht

Strafen für Reifenstecher

Ahlen

Die „Idee“, 52 Autoreifen zu zerstechen, kam zwei junge Männer jetzt teuer zu stehen. Sie wurden zu Bewährungsstrafen und Geldbußen verurteilt. Und müssen noch etwas leisten.

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Es war eine zerstörerische Nacht, die Nacht auf den 6. April vergangenen Jahres. Denn da fassten zwei junge Männer den Entschluss, einfach mal Autoreifen zu zerstechen. Für diese „Idee“ verhängte das Jugendschöffengericht am Donnerstag Freiheits- und Geldstrafen. Das Jugendstrafrecht kam nicht zu tragen, wie Jugendgerichtshilfe und Anklage beantragt hatten.

Beide Angeklagte, 22 und 23 Jahre alt, waren umfänglich geständig. So gab es keine Zweifel an den Taten. Jedoch konnte das Gericht den genauen Ablauf wie auch die Motivation, insgesamt 52 Reifen zu zerstechen, nicht wirklich klären. Die Taten hatten sich im Stadtgebiet verteilt, fanden rund um die Zeche statt, aber auch an der Kapellen- und Hammer Straße sowie zwischen Kastanienweg und Von-Galen-Straße.

Messer im Park gefunden

„Ich wollte im Zechenpark ein paar Freunde treffen“, erklärte der 23-Jährige. Leicht angetrunken, aber nach eigener Aussage nicht betrunken, habe er auf der Bank im Park gewartet und ein Messer gefunden. Das habe für ihn den Ausschlag zu der Zerstörungstour gegeben. Sieben Autos von Anwohnern waren sein Ziel.

„Ich rief meinen Cousin an, er sollte mich abholen“, führte der Angeklagte aus. Der damals knapp 21-jährige Heranwachsende habe das getan und hätte die Zerstörungstour im Duett begonnen.

„Wie haben Sie denn die Reifen zerstochen?“, wollte der Staatsanwalt wissen. Angeblich sei das auch aus dem rollenden Auto heraus geschehen – mal auf dieser, mal auf jener Seite.

Genauer Ablauf unklar

Wer welche Autos beschädigte, ließ sich im Prozess nicht klären. Ebenso wenig wie der genaue Ablauf. So fasste das Gericht die drei Tatblöcke wegen der räumlichen Nähe zueinander zusammen.

„An der Schilderung der Angeklagten habe ich große Zweifel. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es möglich ist, aus einem auch langsam rollenden Auto heraus einen Reifen zu zerstechen“, hob der Anklagevertreter in seinem Plädoyer hervor. Auch war er sich sicher, dass es einen gemeinsamen Tatvorsatz gegeben habe. Schließlich beantragte er sechs Monate Freiheitsstrafe und Geldbußen für die Täter.

Dem folgte das Gericht beinahe. Der 23-Jährige wurde zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung, sein jüngerer Cousin zu vier Monaten auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss jeder 1000 Euro an einen Verein zahlen und eine Wiedergutmachung für die geschädigten Autobesitzer leisten.

Dass sie das auch tun, müssen sie dem Gericht nachweisen: „Denn es kann nicht sein, dass Sie hier randalierend durch die Stadt ziehen und davon keine Nachwirkung spüren“, stellte die Vorsitzende Richterin klar.

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