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Sexualisierte Gewalt

Umfassende Information bietet Schutz

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Wie können Kinder vor sexualisierter geschützt werden? Das war eine zentrale Frage beim zweiten Themenabend der Kirchengemeinde St. Bartholomäus. Antworten gab eine Fachfrau.

Von Martin Feldhaus

Pfarreiratsvorsitzende Carola Paulmichl (l.), Pfarrer Dr. Ludger Kaulig sowie FBS-Leiter Lars Koenig (r.) begrüßten Beate Meintrup als Referentin zum Thema Sexualisierte Gewalt. Foto: Martin Feldhaus

Sie wurde lange Zeit tabuisiert, doch verschiedene Skandale und gesellschaftliche Debatten rückten die sexualisierte Gewalt immer mehr in den gesellschaftlichen Fokus und werfen vor allem eine Frage auf: Was ist zu tun, um sexualisierter Gewalt gegen Kinder und andere Schutzbedürftige vorzubeugen? Diese Frage stand am Mittwoch im Mittelpunkt des zweiten Themenabends der katholischen Kirchengemeinde St. Bartholomäus in der Familienbildungsstätte. Mit der Präventionsbeauftragten des Bistums Münster, Beate Meintrup, war dabei eine Fachfrau als Referentin zu Gast, die Ursachen beleuchtete, Anzeichen schilderte und Präventionsansätze darlegte.

Machtmissbrauch

„Sexualisierte Gewalt ist eine Form von Machtmissbrauch und immer eine geplante Tat“, so Beate Meintrup, die schockierende Zahlen präsentierte: Jedes vierte bis fünfte Mädchen und jeder sechste bis zwölfte Junge sei bis zum 18. Lebensjahr in irgendeiner Form von sexualisierter Gewalt betroffen. Zusätzlich gäbe es ein „enormes Dunkelfeld“.

Das früher vermittelte Bild vom Fremden als Täter sei dabei ein Mythos, die Täter kämen häufig aus dem sozialen Nahraum, oft aus dem familiären Umfeld. 80 bis 90 Prozent der Taten würden von Männern oder männlichen Jugendlichen begangen. „Die Täter gehen strategisch vor und suchen ihre Opfer gezielt aus“, so Beate Meintrup in Bezug auf Täterstrategien. Oftmals gebe es nach einem Antesten dann einen schweren Übergriff. Besonders gefährdet seien Kinder mit eingeschränktem Selbstwertgefühl.

Doch wie erkennt man, dass ein Kind betroffen ist? „Es gibt viele verschiedene Anzeichen und keine eindeutigen Signale“, verdeutlichte die Präventionsbeauftragte, dass es sich dabei um ein sehr schwieriges Unterfangen handele. Verhaltensweisen wie die plötzliche Komplettverweigerung von Hygienemaßnahmen oder das entgegengesetzte Extrem oder etwa ein plötzlich verstärktes Schamgefühl und viele andere Kriterien, könnten zwar darauf hindeuten, aber auch ganz andere Gründe haben. Weitere Risikofaktoren seien auch eine unzureichende Sexualaufklärung oder eine Erziehung zu unbedingtem Gehorsam gegenüber Erwachsenen.

Institutionelle Schutzkonzepte

Welche konkreten Präventionsmaßnahmen gibt es im Bistum Münster? Diese Frage rückte Beate Meintrup ebenfalls ins Zentrum und erläuterte verschiedene Bausteine wie die Einrichtung einer Interventionsstelle, die Umsetzung institutioneller Schutzkonzepte in allen Pfarreien sowie Schulungen für Haupt- und Ehrenamtliche. Zudem berichtete sie von der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Akten des Bistums im Rahmen der Missbrauchsstudie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. „Es hat in den Pfarreien viele gegeben, die weggeschaut haben“, so Beate Meintrup. Ihr Gegenmittel: „Wir müssen unsere Kinder in Gemeinschaft schützen.“ Deshalb gelte es, möglichst viel über das Thema zu informieren. die Menschen so zu sensibilisieren und ihnen Handlungssicherheit zu vermitteln.

Im Anschluss entwickelte sich eine intensive Diskussion zwischen Referentin und Zuhörern. „Je mehr Leute sensibilisiert werden, desto geringer ist die Gefahr“, betonte Pfarrer Dr. Ludger Kaulig, der Fragen zum institutionellen Schutzkonzept der Pfarrei St. Bartholomäus beantwortete. Letztlich waren sich alle Beteiligten einig: Wir können auch auf lokaler Ebene etwas bewirken.

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