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Gebete in allen Gemeindegottesdiensten

Verfolgte Christen: Die Stimme erheben

Ahlen

Syrisch-orthodoxe, katholische, evangelische und evangelisch-freikirchliche Christen werden in den Gottesdiensten am kommenden Wochenende alle mit einem Thema konfrontiert: der Verfolgung von Christen in Syrien und Irak. Die Kirche erhebt ihre Stimme – und will auch mit weiteren Aktionen auf Unrecht und Grausamkeiten aufmerksam machen.

Sabine Tegeler

Schulterschluss der christlichen Gemeinden: Dr. Petra Gosda, Ludger Seibert, Dr. Ludger Kaulig, Volkmar Schuster, Josef Harman, Katrin Naechster und Willi Stroband. Foto: Sabine Tegeler

Warum erheben die Kirchen ihre Stimmen nicht angesichts des Unrechts gegen Christen in aller Welt, gegen ihre Verfolgung insbesondere in Syrien und im Irak? Diese Frage, sagt Pfarrer Willi Stroband, bekomme er schon hin und wieder zu hören. Medienberichte über Grausamkeiten gegen Christen lösten auch in Ahlener Gemeinden großes Entsetzen aus. Es sei nun an der Zeit, sich als weltweite Gemeinschaft von Christen zu zeigen, „auch wenn wir unterschiedliche Konfessionen haben“.

Deswegen treffen sich am Dienstag St.-Bartholomäus-Pfarrer Dr. Ludger Kaulig, Pfarrer Willi Stroband, Pastoralreferent Ludger Seibert, Pfarrerin Dr. Petra Gosda, Pfarrerin Katrin Naechster, Pfarrer Volkmar Schuster und Pfarrer Josef Harman in der syrisch-orthodoxen St.-Georg-Gemeinde, um zu zeigen, dass sie das Schicksal der Glaubensbrüder und -schwestern in Syrien und im Irak nicht kalt lässt. In einem ökumenischen Konvent haben sie beschlossen, in allen Gemeindegottesdiensten des kommenden Wochenendes – und das sind immerhin 17 an der Zahl – das Thema Verfolgung von Christen in den Vordergrund zu stellen, für sie zu beten und die Kirchgänger für das Thema zu sensibilisieren.

Pastor Josef Harman weiß, wovon er spricht. Er kennt die Menschen in Ahlen, die Verwandte und Freunde in den betroffenen Gebieten haben, er kennt die Schicksale und erinnert an die beiden von der Terrororganisation IS entführten syrisch-orthodoxen Bischöfe, von denen man nicht weiß, wohin sie verschleppt wurden. In seinen Gottesdiensten sei das Thema allgegenwärtig, sagt der Pastor. Und regt an, es auch in einem zentralen ökumenischen Gottesdienst noch einmal aufzugreifen.

„Das ist erst ein Auftakt, kein Schlusspunkt“, stimmt die evangelische Pfarrerin Dr. Petra Gosda zu, dass die Gebete am Wochenende nicht die einzige Aktion bleiben sollen. Die Geistlichen sind sich einig, dass es weiterer Veranstaltungen bedarf, um das Unrecht ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rufen.

„Wir müssen umdenken in der globalen Situation“, erklärt auch der katholische Stadtpfarrer Dr. Ludger Kaulig, dass es wichtig ist, die Christen als Weltgemeinschaft zu sehen und sich für alle Verfolgten einzusetzen. Am liebsten würde er gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen Kontakt knüpfen zu einer christlichen Gemeinde in den betroffenen Gebieten. Oder zu einer Gemeinde im Kurdengebiet, die die Flüchtlinge aufnimmt. Aber das sei nicht so einfach. Pastor Josef Harman erklärt, warum: „Die christlichen Gemeinden in Syrien, im Irak sind ausgelöscht. Sie sind alle weg.“ Und wenn eine Gemeinde einmal zerstört sei, ihre Mitglieder in alle Welt geflohen seien, dann werde sie nicht wieder neu entstehen.

Alle Ahlener Christen sind jetzt aufgerufen, in den Gottesdiensten am kommenden Wochenende für die verfolgten, vertriebenen und ermordeten Christen mitzubeten.

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