1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Ahlen
  6. >
  7. Verhüllung stand zuerst nicht auf dem Programm

  8. >

VHS-Fahrt nach Paris „auf den Spuren der Kunst“

Verhüllung stand zuerst nicht auf dem Programm

Ahlen

Die jüngste VHS-Fahrt nach Paris hatte dank coronabedingter Verschiebung einen ungeplanten Höhepunkt: Der Besuch des nach Christo-Plänen verhüllten Triumphbogens stand ursprünglich gar nicht auf dem Programm.

Von Peter Harke

Ein Höhepunkt der VHS-Reise nach Paris, der ursprünglich gar nicht auf dem Programm stand: die Verhüllung des Arc de Triomphe nach den Plänen von Christo und Jeanne-Claude. Foto: Peter Harke

AhlenFür Ernest Hemingway war Paris „ein Fest fürs Leben“. Für die VHS Ahlen ist die französische Hauptstadt seit vielen Jahren als Ziel im Rahmen ih­res Studienreisenangebots gesetzt. Meistens findet die in Kooperation mit den Volkshochschulen Hamm und Waltrop organisierte Fahrt „auf den Spuren der Kunst“ im Frühling statt, auch 2020 war sie für Mai geplant, konnte dann aber wegen der Corona-Pandemie nicht durchgeführt werden. Die Verschiebung in den Herbst dieses Jahres erwies sich für die 27 Teilnehmer letztlich als glückliche Fügung, denn so erlebten sie ein einmaliges Event, das ursprünglich nicht auf dem Programm gestanden hatte: die Verhüllung des Arc de Triomphe nach den Plänen des Künstlerpaares Christo und Jeanne-Claude.

Ganztägiger Ausflug nach Versailles

Im Mittelpunkt der Exkursion sollten diesmal das Schloss von Versailles und das Werk des Bildhauers Auguste Rodin stehen. Für die Residenz der französischen Könige des 17. und 18. Jahrhunderts, deren schillerndster Vertreter Ludwig XIV. sich hier mit einem mehrere tausend Diener und Zofen umfassenden Hofstaat umgab und rauschende Fest feierte, war fast ein ganzer Tag reserviert, so dass nach der Besichtigung der königlichen Gemächer und des prunkvollen Spiegelsaals auch noch Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang durch die von André Le Nôtre gestalteten weitläufigen Schlossgärten blieb.

Auf dem Rückweg nach Paris war eigentlich ein Stop im zwölf Kilometer südwestlich davon gelegenen Meudon geplant, doch das dortige, im ehemaligen Wohnhaus und Atelier des Künstlers untergebrachte Rodin-Museum ist zurzeit wegen Renovierung geschlossen. Aber Reiseleiter Clemens Schmale hatte natürlich einen Plan B, der Rosengarten im Parc de Bagatelle am Rande des Bois de Boulogne bot eine reizvolle Alternative, um den Nachmittag entspannt ausklingen zu lassen. Wer noch nicht fußlahm war, hatte es von dort nicht mehr weit zur Fondation Louis Vuitton, ei­nem erst 2014 eröffneten Privatmuseum, das von dem amerikanischen Stararchitekten Frank Gehry in der Form eines gläsernen Schiffs entworfen wurde.

Eingerüstet ist die Kathedrale Notre Dame, der Wiederaufbau nach dem verheerenden Brand im April 2019 hat begonnen. Foto: Peter Harke

Über die Île de la Cité, vorbei an der Kathedrale Notre Dame, deren Wiederaufbau nach dem verheerenden Brand am 15. April 2019 begonnen hat, ging es mit dem Bus am nächsten Morgen auf das linke Seine-Ufer bis unmittelbar vor den Zugang zur Pont Neuf. Die älteste Brücke von Paris, erbaut von 1578 bis 1607, wurde 1985 von Christo in goldene Stoffbahnen „eingewickelt“. Von diesem Punkt zum letzten Werk des 2020 verstorbenen bulgarischen „Verpackungskünstlers“, dessen Re­alisierung er somit leider nicht mehr erlebt hat, führte ein strammer Fußmarsch über den Louvre, die Tuilerien, die Place de la Concorde und schließlich die Champs-Élysées bis zur Place Charles de Gaulle, die vom 18. September bis zum 3. Oktober mehr denn je Anziehungspunkt für Millionen Touristen aus aller Welt war. Viele kamen während ihres Aufenthalts nicht nur einmal zum Triumphbogen, denn je nach Tageszeit und Sonnenstand bot das mit 7000 Meter roten Kordeln verschnürte „Paket“ immer wieder neue spektakuläre Ansichten. Junge Volunteers, Freiwillige aus aller Herren Länder, verteilten – wie 1995 bei der Reichstagsverhüllung in Berlin – großzügig handtellergroße Proben des silberblauen Stoffs, von dem 25 000 Quadratmeter benötigt wurden, um das französische Nationaldenkmal komplett zu verhüllen.

Besuch im Rodin-Museum

Den Aufstieg auf die Dachterrasse mussten sich die daran interessierten Mitglieder der VHS-Gruppe für den zur freien Verfügung stehenden Abend aufheben, denn jetzt warteten auf sie schon – endlich – „Die Bürger von Calais“, der „Denker“ und andere Meisterwerke von Auguste Rodin (1840-1917), dem wohl berühmtesten französischen Bildhauer, der als Pionier des Zeitalters der modernen Plastik und Skulptur gilt.

Ein Bummel über den bunten Markt in der Rue Mouffetard und ein Blick ins Pan­théon, die imposante Ruhmeshalle, in der die Größten der Grande Nation wie Voltaire, Emile Zola oder Victor Hugo begraben sind, dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen von der „Stadt der Liebe“, die sich nach dem Willen von Bürgermeisterin Anne Hidalgo mehr und mehr auch zu einer klimaneutralen Stadt entwickeln soll. Auf vielen Boulevards wurden inzwischen separate Fahrspuren für Radfahrer angelegt, viele Pariser bewegen sich inzwischen lieber mit dem E-Roller statt mit dem Auto oder der Métro fort. Ein wenig zum Leidwesen von Busunternehmer Michael Schüttpelz, der die Gruppe gleichwohl nicht nur sicher an jedes Ziel brachte, sondern auch für die „Bordverpflegung“ und gute Laune sorgte. „Schütti“, wie Clemens Schmale ihn nennt, freut sich schon auf die nächste Tour im Mai 2022.

vhs-waltrop.de

Startseite