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Absage von „Ahlen zeigt Flagge“

„Vermisse noch die Migranten“

Ahlen

Das Fest der Kulturen wurde abgesagt. Dabei wäre es doch eine schöne Ergänzung zum „Museum der Menschheit“ gewesen. Dietmar Zöller erklärt die Gründe.

Von Dierk Hartleb

Ein Bild aus besseren Zeiten: „Ahlen zeigt Flagge“ gehörte vor Corona zu den gesellschaftlichen Höhepunkten. Die erneute Absage ist Innosozial-Geschäftsführer Dietmar Zöller (kl. Foto) besonders schwer gefallen. Foto: Ralf Steinhorst

„Natürlich wäre ,Ahlen zeigt Flagge´ eine optimale Ergänzung, ein zentraler Event im Rahmenprogramm der Porträtausstellung gewesen“, stellt Dietmar Zöller ohne Umschweife fest. Dennoch sah sich der Innosozial-Geschäftsführer gezwungen, das für den 22. August geplante Fest der Kulturen auf der Zeche abzusagen.

Seit zwölf Jahren stehe „Ahlen zeigt Flagge“ für Vielfalt und Gleichwertigkeit aller Menschen und damit symbolhaft für die Botschaft des „Museums der Menschheit“ Aber die Corona-Schutzverordnung des Landes verbiete bis zum 27. August jegliche Volksfeste. Und da die Zahlen weiter stiegen, so Zöller, sei keine Lockerung der Regeln zu erwarten. Wenn man selbst bei einer vergleichsweise kleinen Veranstaltung wie dem Konzert mit Aehem Ahmad und der Gruppe „Salonmusik“ in der vergangenen Woche auf dem Marktplatz ein „kleines Gefängnis mit Absperrgittern“ habe aufbauen müssen, wie solle man dann die Zeche einzäunen.

Gigantischer Organisationsaufwand

„,Ahlen zeigt Flagge“ sei mit einem gigantischen Organisationsaufwand und hohen Kosten verbunden, „und das geht nur, wenn auch die Ziele erreicht werden können“, stellt Zöller fest. Er werde oft auf die Absage angesprochen, fährt er fort. Nicht alle zeigten dafür Verständnis. Wenn er aber die näheren Umstände erkläre, treffe er durchaus auf Einsicht. Einen echten Ersatz für das Fest könne es gar nicht geben. Aber man plane, den Tag der Straßenmusik am 20. August aufzupeppen und die Musikerinnen und Musiker an den Standorten der Bilder spielen zu lassen. Die Infostände könnten durch Aktionen ergänzt werden. Dazu liefen derzeit noch Abstimmungsgespräche mit den Kooperationspartnern.

Die Absage sei ihm alles andere als leicht gefallen. „Zu dem Fest kommen in der Regel mehrere Tausend Besucher.“ Pathetisch ausgedrückt, breche ihm die Absage das Herz, sagt Zöller.

Sein Resümee der ersten Wochen nach der Eröffnung der Freiluftausstellung fällt gemischt aus: „Wir hatten eine tolle Eröffnung, eine tolle Berichterstattung in den Zeitungen, im Fernsehen und einen super Film, der von Ahlen-TV übers Netz und Mailinglisten vertrieben wird“, bilanziert der Innoso­zial-Chef. Auch in den sozialen Netzwerken sei man sehr präsent. Führungen und Lesungen seien sehr gut gelaufen und die Interviews der Porträtierten auf Facebook wiesen eine hohe Reichweite auf. Auch das von 20 Organisationen und Institutionen gestaltete Begleitprogramm sei vorbildlich.

Mehr Engagement erwartet

Aber: „Was mir bisher fehlt“, gibt Zöller zu, „ist die Beteiligung der migrantischen Bevölkerung, denen mit dieser Ausstellung die oft vermisste Wertschätzung gezollt werden soll. Da erwarten wir mehr Engagement von Migrantenorganisationen und Multiplikatoren, die alle unseren Infoletter bekommen. Vermisst habe ich ehrlich gesagt auch die Vertreterinnen und Vertreter der Parteien und Fraktionen, die Führungskräfte aus den Vereinen und Einrichtungen, die Kultur in Ahlen verantworten, und die klassische Kulturszene. Da wünsche ich mir mehr Neugierde.“

Aber, so tröstet sich Zöller als Veranstalter, die Ausstellung sei noch lang. Das Ziel, Kultur anders zu gestalten, alle Bevölkerungsgruppen mehr einzubeziehen und das Gefühl von Zugehörigkeit und Identifikation zu stärken, sei der berühmte Marathon – und die Ausstellung werde „die Stadt und das Denken verändern“, davon sei er nach wie vor überzeugt.

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