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Markus Lanz: „Grönland – Meine Reisen ans Ende der Welt“

Vom harten Leben in der Eiswüste

Ahlen

Mitteleuropäer können sich das kaum vorstellen, das Leben im grönländischen Eis. Markus Lanz hat sich auf die Reise begeben – und es nicht bereut. Seine Faszination übertrug sich am Sonntag auf die Gäste seines Multivisionsvortrags in der Stadthalle.

Von Martin Feldhaus

Unterwegs mit Schlittenhunden: ein Erlebnis, das der Moderator beeindruckend schilderte. Foto: Markus Lanz

Wo gibt es noch unberührte Wildnis und echtes Abenteuer? Diese Frage stellen sich viele. Einen dieser immer seltener werdenden besonderen Flecken Erde jenseits der ausgetretenen Pfade hat der bekannte TV-Moderator Markus Lanz in Teilen Grönlands gefunden: Hier leben die Menschen in einigen kleinen Dörfern nach wie vor am Rande der Zivilisation unter extremen Bedingungen. Tief in diese von Härte und Entbehrungen, aber auch von einzigartiger Schönheit geprägte Welt tauchten 400 Zuschauerinnen und Zuschauer am Sonntagabend mit Lanz in seiner Multivisionsshow „Grönland – Meine Reisen ans Ende der Welt“ ein.

Atemberaubende Bilder

In zahlreichen atemberaubenden Bildern, bei denen er etwa bis auf zwei Meter an einen Eisbären herankam, auf einem Jagdschlitten mitfuhr, verschiedene Farben und Licher einfing oder auch viele Einheimische fotografierte, präsentierte er eine der klimatisch extremen Regionen der Erde, in der sich alles ums Eis dreht, da sie fast komplett von einem gigantischen Eispanzer überzogen ist. Kein Wunder also, dass die Grönländer für die verschiedenen Beschaffenheiten von Eis 30 verschiedene Worte kennen.

„Grönland ist wie eine gigantische Tiefkühltruhe“, betonte Markus Lanz. Und die wüssten die Einwohner in den entlegeneren Teilen zu nutzen. So ist es dort etwa üblich, Vögel im Boden zu fermentieren, bevor man sie nach einigen Wochen wieder rausholt und mit Federn isst. „Das Essen ist dort eine sehr spezielle Angelegenheit“, schilderte Markus Lanz. In den abgelegenen Dörfern im Norden und Osten sei es auch üblich, rohes Blut von Robben zu trinken. Denn dieses ist sehr vitaminreich und beugt der Krankheit Skorbut vor, die droht, wenn die regelmäßige Vitaminzufuhr nicht gewährleistet ist, weil etwa ein Gemüseanbau unter extremen Bedingungen nicht möglich ist.

Markus Lanz nahm sein Publikum mit auf eine Reise ins Eis. Foto: Martin Feldhaus

Umso größer ist im urtümlichen Teil Grönlands daher die Bedeutung von Fleisch als Lebensmittel. Markus Lanz betonte hierbei, dass die Jagd dort „kein blutiges Gemetzel“ sei, sondern sich oft über Tage hinziehe. Etwa bei der Waljagd, die staatlich beschränkt ist, oder wenn Jäger zwei Tage lang in gebückter Haltung vor einem Atemloch auf eine auftauchende Robbe warten, um diese dann zu erlegen, um etwas zu essen zu haben.

Eine Welt, die Lanz aufsog: Mit Paulus und dessen Hunden ging er über mehrere Wochen in Nordgrönland zur Jagd, von der er ganz besondere und einzigartige Fotos präsentieren konnte, die eine „einzigartige Symbiose zwischen Mensch und Hund“ zeigen. Eine Tradition, die dem Untergang geweiht scheint: „Es gibt nicht mehr viele Jäger in Nordgrönland“, verdeutlichte der Referent.

Von der Steinzeit ins Computerzeitalter

Frei von sozialen Problemen ist Grönland mit seinen insgesamt 60 000 Einwohnern indes nicht. „Man hat sie innerhalb einer Generation von der Steinzeit ins Computerzeitalter gebeamt“, berichtete Lanz von seinen über Jahre in zahlreichen intensiven Reisen gesammelten Erfahrungen und benannte etwa Alkoholismus und sexuellen Missbrauch als soziale Verwerfungen, die dort zu beobachten seien.

Dennoch zieht Grönland den TV-Moderator in seinen Bann. Was ihn dort am meisten fasziniert? „Dass die Menschen es über 5000 Jahre geschafft haben, einer solchen tödlichen Eiswüste eine Existenz abzutrotzen“, so Markus Lanz.

Von diesen Menschen zeigte die Multivisionsshow zahlreiche faszinierende Nahaufnahmen und enthielt sogar intime Einblicke in das Leben eine Ehepaares, das in einer kleinen Hütte am Rande der Zivilisation wohnt. Bei ihnen war Markus Lanz länger zu Gast, tauchte tief in einen für westliche Verhältnisse völlig fremden Alltag und eine andere Kultur ein.

Was diese Kultur kennzeichnet? Unter anderem „eine ganz andere Art und Weise, mit Ressourcen umzugehen“. So seien die Menschen in Ostgrönland etwa darauf getrimmt, ihre Fenster zu sichern, wenn sich ein „Piteraq“, ein katabatischer Wind, ankündigt. Dann dürfen die Fensterscheiben auf keinen Fall zu Bruch gehen, da das nächste Versorgungsschiff erst im nächsten Frühjahr kommt. Die Sinne der abgelegen lebenden Grönländer seien hierfür geschärft.

Kein Standardreiseziel für Wohlfühltouristen

Insgesamt entführte die Multivision das Publikum durch ausdrucksstarke Bilder und kurze Videoclips in eine imposante und einzigartige Welt, die zwar in Europa liegt, aber doch so fremdartig erscheint – kein Standardreiseziel für Wohlfühltouristen: „Wenn man über das Eis zieht und seine Hand vor Augen nicht mehr sieht, bekommt man Panik“, räumte Markus Lanz ein.

Überhaupt sei das Leben in dieser von Eis dominierten Welt nicht so abgesichert wie bei uns, sondern mit permanenter Gefahr verbunden. Aber: „Wenn man sich völlig darauf einlässt, erlebt man die schönsten Momente seines Lebens“, berichtete er.

Nach den fesselnden Bildern aus Grönland und tosendem Applaus hatte Markus Lanz für die Zuschauer noch eine besondere Zugabe parat: Er berichtete von seinem unter anderem gemeinsam mit dem Extremsportler Joey Kelly gegen ein anderes Team unternommenen „Wettlauf zum Südpol“. Ein sehr kräftezehrender Trip, der ihm alles abverlangte. Doch auch aufgeplatzte Lippen, improvisierte Toiletten im Freien bei minus 40 Grad, offene Stellen an den Füßen und starker Gewichtsverlust konnten das Team auf dem Weg zur Forschungsstation am Südpol nicht stoppen. Die Erfahrungen in der grönländischen Eiswüste mögen Markus Lanz dabei geholfen haben.

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