1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Ahlen
  6. >
  7. Von Banane bis Bahnhof

  8. >

Neue Ausstellung des Kunstvereins

Von Banane bis Bahnhof

Ahlen

„Heute nichts passiert?“ Eine interessante Frage, die die neue Ausstellung des Kunstvereins da stellt. Antworten gibt‘s übrigens nicht nur indoor in der Stadtgalerie, sondern auch im Ahlener Nachtjackenviertel.

Von Dierk Hartleb

Der künstlerische Leiter Sven Henric Olde hatte Anfang des Jahres die Einladung ausgesprochen. „Nicht viel Zeit“, wie Prof. Irene Hohenbüchler (M.) von der Kunstakademie Münster feststellte. Foto: Dierk Hartleb

Der Kunstverein traut sich etwas. Mitten in der Ferienzeit eröffnet er am Freitag (15. Juli) die Ausstellung „Heute nichts passiert?“. Die rhetorische Frage beantworten 18 Studierende der Klasse für Kooperative Strategien der Kunstakademie Münster.

Dazu setzt Sven Henric Olde als künstlerischer Leiter das im vergangenen Jahr erfolgreich erprobte Format „Art Parcour“ fort und bezieht auch den Stadtraum ein. Diesmal allerdings nicht längs der Fußgängerzone mit einigen Seitenausflügen, um en passant auch auf Leerstände hinzuweisen, sondern im sogenannten Nachtjackenviertel zwischen Ost- und Hellstraße und Im Kühl.

18 Künstlerinnen und Künstler

Insgesamt 18 Künstlerinnen und Künstler der Kunstklasse sind der Einladung gefolgt, die Sven Henric Olde Anfang des Jahres ausgesprochen hatte. „Wir hatten nicht so viel Zeit“, räumt Prof. Irene Hohenbüchler bei der Preview in der Stadtgalerie ein. Das gemeinsame Thema sei aber schnell gefunden worden: Alltagsbeobachtungen.

Fast fotorealistisch mutet das Werk von Sofia Nefe an. Foto: Dierk Hartleb

Das ist die achtlos weggeworfene Banane, die Pop-Art-Ikone Andy Warhol für die Debüt-LP von „The Velvet Underground & Nico“ kreierte und mit der Bananensprayer Thomas Baumgärtel, Kunstorte auszeichnet. Jana Mengeu greift sie in einem dreiteiligen Digitalprint auf. Das kann aber auch der ICE im Leipziger Hauptbahnhof sein, den Ferdinand Zander in Öl auf Leinwand ins Bild hebt und sich dabei sowohl von der futuristischen Form des Zuges als auch von dem Stahlgerüst der Bahnhofshalle beeindrucken lässt.

Gesellschaftskritisch wird es bei Anne Gößling, die in einer ihrer dunklen Papierarbeiten den Schriftzug Polizei aufblitzen und sich dabei von einer nächtlichen Polizeikontrolle und einer unausgesprochenen Bedrohung inspirieren lässt. Es kann aber auch die Bodenplastik von Antonia Lasthaus sein, die so schwergewichtig mit Silberlack überzogen daherkommt, und dabei nur aus Pappmaché besteht. Oder das Video von Anna Lena Terway über den Stuhl der Umarmung, der seinen Besitzer in die Lage versetzt, zwei große Arme um sich zu schlingen und damit in Pandemiezeiten vermisste Nähe zu simulieren.

Eine Rüstung aus Getränkedosen-Verschlüssen ist im Schaufenster zu sehen. Foto: Dierk Hartleb

Am Dienstag war die Ausstellung, die auch die Schaufenster des früheren Schuhhauses Mönch und die der Europäischen Akademie der Juweliere und Gold- und Silberschmiede befüllt, noch „work in progress“. Die Besucherinnen und Besucher der Vernissage am Freitag um 19 Uhr werden das fertige Ergebnis zu sehen bekommen. Bis dahin wartet noch viel Arbeit auf die Ausstellenden und die Helfer vom Kunstverein.

Startseite
ANZEIGE