1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Ahlen
  6. >
  7. Von Generation zu Generation

  8. >

Prof. Dr. Peter Longerich spricht in Schulen über Antisemitismus

Von Generation zu Generation

Ahlen

Antisemitismus zieht sich durch die Geschichte. Wie er sich entwickelte und wie dagegen gearbeitet werden kann, darüber sprach Prof. Dr. Peter Longerich mit Schülerinnen und Schülern dreier Oberstufen.

Von Ralf Steinhorst

Tipps für ihre Facharbeit holte sich Emma Beuse im Anschluss an den Vortrag an der Fritz-Winter-Gesamtschule. Foto: Fritz-Winter-Gesamtschule

Wie hat sich der Antisemitismus in Deutschland entwickelt und warum gibt es ihn heute noch? Dieser Frage ging der renommierte Historiker Professor Dr. Peter Longerich zusammen mit angehenden Abiturienten aus den Geschichtskursen des St.-Michael- und Städtischen Gymnasiums sowie der Fritz-Winter-Gesamtschule nach. Die Vortrags- und Gesprächsrunden fanden im Rahmen des Gedenkens an die Reichspogromnacht statt.

Dr. Peter Longerich zeigte sich nicht überrascht über den in Deutschland noch bestehenden Antisemitismus, man müsse ihn aus der Geschichte heraus betrachten: „Die Taten in der NS-Zeit hatten eine lange Vorgeschichte.“ Schon im Mittelalter waren Juden aus als einzige nicht-christliche Minderheit in Europa diskreditiert.

Fremd durch andere Religion

Im 18. Jahrhundert erhielten mit der Veränderung der gesellschaftlichen Ordnung zur Staatsbürgergesellschaft sie zwar die gleichen Rechte, trotzdem wurden sie als Fremde und Angehörige einer anderen Religion als gefährlich wahrgenommen. Für die Nationalbewegung passten sie nicht in deren Wertesystem, das die Etablierung einer deutschen Kultur mit Sprache, Literatur und Geschichte zum Ziel hatte: „Die nationale Bewusstseinsbildung lief an den Juden vorbei – weil man der Meinung war, sie gehören nicht dazu.“ Im Nationalsozialismus wurde schließlich die Gleichstellung wieder aufgehoben. Der Emanzipationsprozess von 1869/1870 war damit zurückgeführt. Schon im Kaiserreich entstand der Drang, die Gleichberechtigung rückgängig zu machen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Antisemitismus tabuisiert, aber er ist in der deutschen Geschichte verwurzelt und wird von Generation zu Generation weitergegeben: „Wie, das weiß man nicht“, so Longerich. Es gebe auch rückläufige Statistiken, trotzdem sei er vor allem in rechtsextremen Kreisen präsent. Auch sah der Historiker einen zu schwachen staatlichen Willen, Antisemitismus in die Schranken zu weisen, was er deswegen als gesellschaftliche Präventionsaufgabe vor allem im lokalen Bereich sieht.

Geschichtsunterricht im Blick

Gegen Ende seines Vortrages an der Fritz-Winter-Gesamtschule nahm Peter Longerich auch den Geschichtsunterricht in den Blick. Inwieweit, so seine Frage an die Lehrkräfte, werde die Verbindung zwischen Antisemitismus und einer Ablehnung der aktuellen Politik Israels thematisiert? Eine Frage, die auch den Umgang mit den unterschiedlichen Identitäten an einer Schule der Vielfalt in den Mittelpunkt rückte und Gesprächsbeiträge der Schülerinnen und Schüler provozierte.

Startseite