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Kunstmuseum Ahlen

Von Konkret bis Fotografie

Ahlen

Noch ist ein Besuch nur online möglich. Aber das wird ja auch wieder anders. Und darum gibt das Kunstmuseum schon mal einen Einblick in die geplanten Ausstellungen.

wn

Ausstellung „Reset?! Krise oder/als Chance“: Foto: Christian Padberg

Das ganze Team des Kunstmuseums Ahlen um dessen Leiterin Dr. Martina Padberg vermisst das Publikum im Haus. Es fehlen die zahlreichen Kunstinteressierten, die schauen und schlendern, die manchmal staunen, manchmal nachfragen und manchmal auch den Kopf schütteln.

Die sollen in absehbarer Zeit aber wiederkommen dürfen und werden in den nächsten Monaten mit drei sehr unterschiedlichen Ausstellungen verwöhnt. Das Kunstmuseum gibt einen Überblick:

„Beat Zoderer. Faltungen – Verwerfungen, Hellweg konkret II“ läuft vom 20. Juni bis 12. September. Nach einer ersten Ausstellungsreihe 2014 bis 2016 steht die Konkrete Kunst erneut im Fokus einer ganzen Region: Mit Hellweg konkret II nehmen insgesamt acht Institutionen in der Hellwegregion und Arnsberg aktuelle Positionen der Konkreten Kunst in den Blick.

Faltungen – Verwerfungen

Das Kunstmuseum Ahlen präsentiert in diesem Kontext von Hellweg-Konkret II eine Werkschau des Schweizer Künstlers Beat Zoderer (geboren 1955), ein herausragender Vertreter der neo-konstruktiven Kunst, der die Ansätze der sogenannten „Konkreten“ immer wieder neu denkt. Das interessante Thema der Faltung, das bei Vertretern der Konkreten Kunst bereits in den 1970er und 1980er Jahren virulent war, begleitet sein Schaffen.

Beat Zoderer ist ein Künstler, der den Regeln der kon-struktiv-konkreten Kunst spielerisch und fantasievoll folgt, ihre strengen Prinzipien humorvoll unterläuft. Der Einsatz banalster Alltagsmaterialien, wie beispielsweise Klebeetiketten, Gummibänder, Holzreste oder Schaumstoff sowie die Potenzierung einfacher Gestaltungsabläufe, aus denen gefaltete und geknickte Bilder oder „verdrehte“ Skulpturen entstehen, führt zu einer neuen, ungewöhnlichen Dimension Konkreter Kunst.

Eröffnung ist am 19. Juni (Samstag), die Einführung hält Dr. Ruth Diehl.

Vom 3. Oktober bis zum 16. Januar 2022 lautet das Thema dann „Reset?! Krise oder/als Chance“. Beteiligte Künstlerinnen und Künstler sind voraussichtlich Anna Anders, Christoph Brech, Jutta Burkhardt, Homa Emami, Klaus Fritze, Lena von Goedeke, Lea Grebe, Ale-xandra Knie, Andreas Kopp, Miriam Jonas, Claudia Mann, Hans Op de Beeck, Bill Viola, Barbara Wrede, Thomas Wrede und Noa Yekutieli.

„Eine Krise ist im Allgemeinen ein Höhepunkt oder Wendepunkt einer gefährlichen Konfliktentwicklung in einem natürlichen oder sozialen System, dem eine massive und problematische Funktionsstörung über einen gewissen Zeitraum vo-rausging und der eher kürzer als länger andauert“, sagt Wikipedia. Die Gesellschaft, die in den zurückliegenden Jahren durch ein Maximum an Funktionalität und Effizienz charakterisiert war, lebt allerdings schon länger im Krisenmodus. Die vergangenen Monate haben dies lediglich verschärft und damit deutlicher erkennbar gemacht: Mobilität und Produktivität sind fast zum Stillstand gekommen. Globale Austauschprozesse funktionieren nicht mehr, Beschäftigungsformen erweisen sich als brüchig, Lebensformen als verletzlich.

Ausstellung Neue Wahrheit: Old ladies by Antoine Claudet, Stereodaguerreotype, London, ca. 1850 Foto: Collection H.G.

Aus dem „everything goes“ wird ein „Nichts geht mehr“. Überwunden geglaubte geopolitische Grenzen werden wieder spürbar, ebenso wie Grenzen zwischen Drinnen und Draußen, zwischen Gestern und Heute. Grenzen des Wachstums bilden sich wahrnehmbar ab. Das kann Ängste aber auch Kreativschübe befördern. Die Zukunft erscheint wie ein noch nicht erforschter Kontinent – mit allen Chancen und Gefahren. Das Heute muss als Leben in einer Phase des Übergangs gestaltet werden. Wir brauchen, so scheint es, ein Reset! Künstler und Künstlerinnen sind Spezialisten für Ungewissheiten, für Experimente, für Grenzgänge. Deshalb lädt das Kunstmuseum ein, Blicke auf das Morgen zu wagen und die Krise als Chance zu verstehen, das globale Leben neu zu sortieren.

Die Eröffnung ist am 2. Oktober (Samstag), die Einführung hält Dr. Martina Padberg.

Das neue Ausstellungsjahr beginnt mit den Präsentationen „Neue Wahrheit? Kleine Wunder! Die frühen Jahre der Fotografie“ und „On Display – Die Körper der Fotografie““ vom 6. Februar bis 29. Mai 2022.

Ausgehend von einer sehr ambitionierten, bislang noch nicht gezeigten privaten Münsteraner Sammlung zur Vor- und Frühgeschichte der Fotografie entwickeln das Georg-Schäfer-Museum in Schweinfurt und das Kunstmuseum Ahlen ein gemeinsames Ausstellungsprojekt, das der Faszination des weltverändernden Mediums Fotografie nachspürt.

Sehnsucht nach neuen Bildern

Von den maßgeblichen Voraussetzungen – der Camera obscura sowie der Entdeckung der Silbersalze und ihrer Lichtempfindlichkeit – bis zu Daguerreotypien und ersten Fotografien auf Papier erzählt die Ausstellung von der großen Sehnsucht nach neuen Bildern im 18. und 19. Jahrhundert und den damit verbundenen Experimenten und Erfindungen. Herausragende Objekte machen die wesentlichen Schritte bis zur Durchsetzung und Kommerzialisierung der Fotografie erkennbar. Exkurse beschäftigen sich mit der frühen Reisefotografie, der Fotografie als Mode oder als Objekt der Karikatur sowie der Sozialfotografie. Im Kunstmuseum wird die Ausstellung in der alten Villa präsentiert.

Im Neubau wird zeitgleich in Kooperation mit Prof. Steffen Siegel und Prof. Elke Seeger die Ausstellung „On Display“ von Studierenden der Folkwang-Universität der Künste gezeigt. An der Folkwang-Universität der Künste in Essen wird die Vielfalt möglicher Erfahrungsweisen von Fotografie fortgesetzt auf die Probe gestellt. Mit aktuellen eigens für diese Ausstellung geschaffenen Werken wird versucht zu zeigen, dass sich die Arbeit am fotografischen Bild stets in beiden Dimensionen – Inhalt und Form – ereignet. Sie gehören untrennbar zusammen. Um in Erscheinung treten zu können, benötigt die Fotografie einen Körper – ein Medium.

Ausstellung On Display: Fabian Wolter, Venus im Auto, 2019 Foto: Fabian Wolter

Zu Beginn 2022 jährt sich ein besonderes Ereignis zum 15. Mal: Als Steve Jobs am 9. Januar 2007 das iPhone vorstellte, präsentierte er weit mehr als nur ein neues Telefon. Denn in einem Smartphone verschmelzen ganz unterschiedliche Funktionen zu einem einzigen Apparat. Was dies für das alltägliche Handeln bedeutet, konnte jeder seither eindrucksvoll erleben. Dazu gehört auch der Umgang mit fotografischen Bildern. In bemerkenswerter Weise hat sich seitdem der Austausch von Fotografien als eine Form der Kommunikation verflüssigt.

Hieran knüpft die Ausstellung „On Display“ an. Ausgehend von der planen Oberfläche einer Fotografie werden Formen fotografischen Zeigens gesucht, die visuell und haptisch, nicht zuletzt aber auch virtuell neue Wege gehen.

Die Eröffnung ist am 5. Februar 2022 (Samstag), die Einführung hält Dr. Martina Padberg.

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