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Pferdeherpes

Warum das Impfen sinnvoll ist

Dolberg / Heessen

Pferdeherpes – ein Reizwort. Denn das Virus breitet sich schnell aus. Impfen kann das verhindern. Viele Reiter befürworten die Impfung.

Peter Schniederjürgen

Wünschen sich die Impfung aller Pferde nicht nur in ihrer Stallanlage in Dolberg: Frank Wobker und Tanja Lohrum. Foto: Peter Schniederjürgen

Sie ist zurzeit ein großes Thema in der Reiterszene, die Impfung gegen Pferdeherpes. Denn eine gefürchtete Variante des Herpesvirus sorgt bereits seit Februar für Aufruhr unter den Pferdeliebhabern. Dementsprechend gilt es, die Ausbreitung von Pferdeherpes einzudämmen. Vergleiche mit der Corona-Pandemie kommen da in den Sinn.

„Es ist besonders ein Problem im Turnier- und Zuchtbereich“, findet Frank Wobker aus Dolberg. Er ist Inhaber der Reitanlage Geisthoff und damit einer Freizeitheimat von privaten Reitern. „In unserem Stall gibt es noch keine Impfpflicht“, ergänzt seine Lebensgefährtin Tanja Lohrum. Doch wünscht sich das Paar für die untergestellten Pferde in der Anlage die Impfung. Denn die Krankheit sei für die Vierbeiner immer noch ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

Viele Turniere sind abgesagt

„Allerdings sollten wir die Kirche im Dorf lassen, denn gerade durch die Corona-Pandemie sind die Turniere praktisch abgesagt, der Kontakt zu fremden Pferden gering und damit auch das Infektionsrisiko“, sagt der Pensionsbetreiber.

Der überregional gefragte Tierarzt und Spezialist für Pferde Dr. Henning Löbert ist gar nicht zufrieden mit der Berichterstattung über Pferdeherpes. „Hier herrscht zu viel Halbwissen“, stellt der Veterinärmediziner klar. Darum bemühe er sich um eine Versachlichung dieses Reizthemas in der Reiterszene. Natürlich sieht auch er in der Krankheit eine Gefahr. „Doch betrifft das Risiko in erster Linie Zuchtbetriebe wegen der Fehlgeburten von Stuten“, erklärt der Tierarzt. Die Masse der infizierten Tiere bekomme Husten und zeitweilig auch Fieber. Daran, so ist er sicher, stirbt man nicht.

Dr. Henning Löbert

Dennoch will er die Gefahr auch nicht unterschätzt sehen und wünscht sich schon eine Impfpflicht. Denn Impfungen hätten nur dann Sinn, wenn alle Tiere in einer Stallanlage geimpft sind. „Auch geimpfte Pferde sind nicht vor dem Virus geschützt, es wird damit nur das Ausscheiden von weiteren Erregern verhindert“, betont Dr. Henning Löbert, der dringend eine klare Aussage der Reitervereinigung dazu vermisst.

Für ihn sind deutliche Parallelen zu Corona zu sehen. Auch hier sei eine Quote von 60 bis 70 Prozent Geimpfter nötig, um Herdenimmunität zu erreichen. Ebenso gebe es einen zeitweiligen Engpass in der Versorgung mit Impfstoff. „Wir bekommen unseren Bestand nach den Bestellungen des Vorjahres zugewiesen“, sagt der Tierarzt. So habe er eine Warteliste für neue Impfwillige. Die werden nach der Reihenfolge der Bestellung abgearbeitet. „Das kann im Einzelfall einige Monate dauern, aber wir haben eben nicht mehr Impfstoff“, bedauert Löbert.

Volker Ehrenberg freut sich über die große Impfbereitschaft m Reitverein Heessen. Foto: Peter Schniederjürgen

Auch im Reitverein Heessen, in dem viele Ahlener aktiv sind, wird großer Wert auf die Impfung gelegt. „Wir haben hier absolut volle Impfbereitschaft“, freut sich Vorsitzender Volker Ehrenberg. Schließlich sind hier insgesamt 40 Pferde zusammen – 30 Privat- und zehn Schulpferde. Von den privaten Pferden nehme ein ansehnlicher Teil wenn möglich im Sommer an Turnieren teil. „Schon ein Grund, warum sie geimpft sind, denn gegen das Influenzavirus ist es ohnehin für Turnierpferde Pflicht“, führt Volker Ehrenberg aus. Er wünscht sich aber zusätzlich eine flächendeckende Impfpflicht. Auch wenn der Verein bisher von Herpes verschont geblieben sei.

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