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Schur am alten Schafstall

Weg mit dem dicken Wintermantel

Ahlen / Einen

Wenn Senol Cakir und sein Team anreisen, geht es den Schafen an die Wolle. Die Ahlener Schafscherer waren nun in Einen im Einsatz.

Von Emil Schoppmann

Die Schäfer Herbert Holz und Olaf Blömker mit dem ersten Prototypen der Raupen-Falle, die wesentlich aus Schurwolle besteht.Schafscherer Senol Cakir befreit mit Hilfe von Ferhat Sama eines der Schafe vom dicken Winterpelz.Im Gegensatz zu ihrer gerade frisch geschorenen Mutter blieben die Lämmer noch von der Schafschur verschont. Foto: Emil Schoppmann

Ein Mal im Jahr geht es den Schafen am alten Schafstall in Einen an die Wolle. Mit Beginn des Sommers ist es für sie eine Erleichterung, von ihrem dicken Wollmantel befreit zu werden.

Die Schafschur selbst, die nicht nur der Wollgewinnung, sondern auch dem Wohlbefinden der Tiere dient, haben der Ahlener Schafscherer Senol Cakir und sein Team ausgeführt. Sie helfen fast täglich einer anderen Schafherde aus ihrem Wollkleid und verstehen ihr Handwerk. Mit elektrischen Hand-Schermaschinen rücken sie dem Winterpelz zu Leibe. Zwischen drei und vier Kilo Wolle sind es, die jedes erwachsene Tier auf die Waage bringt.

Einsatz als Landschaftspfleger

Ein Leitbock, fünf Muttertiere und fünf Lämmer leben zurzeit auf der neben dem Naturerlebnispfad an der Ems gelegenen Weide. Genauer gesagt handelt es sich um weiße hornlose Heidschnucken, die aus dem Diepholzer Moor stammen und daher auch Moorschnucken genannt werden. Die alte Landschafrasse hat sich besonders den Verhältnissen in der feuchten Moor- und Heidelandschaft angepasst. Waren sie einst ein Lieferant für Wolle und Fleisch, werden die Tiere heute bevorzugt als „Landschaftspfleger“ in Naturschutzgebieten eingesetzt.

„Auch bei Regen und im Winter lassen wir die robusten Schafe nach draußen“, erklärt Hobbyschäfer Olaf Blömker. Vor drei Jahren hat er einen Lehrgang im Haus Düsse absolviert und dort das nötige Fachwissen für die artgerechte Haltung erworben. Tatkräftig unterstützt wird er von Herbert Holz, der sich bereits seit knapp 20 Jahren ebenfalls ehrenamtlich um die kleine Schafherde kümmert.

Tiere bleiben gelassen

Für die Schur wurden die wartenden Schafe jeweils einzeln aus dem Stall herausgeholt. In einer speziellen Sitzposition – auf dem Rücken liegend – ließen die meisten Tiere die Prozedur gelassen über sich ergehen. „Gerade die älteren Schafe wissen, was auf sie zukommt, sobald die Maschine das Fell berührt“, erklärt Senol Cakir. Neben dem Scheren gab es zeitgleich ein komplettes Rundumpaket, bei dem auch die Klauen beschnitten und eine Wurmkur verimpft wurden. Nur eine gute Dreiviertelstunde später liefen die sechs geschorenen Schafe ein wenig verdutzt blickend wieder gemeinsam auf der Weide. Aus den flauschigen Wollknäuel sind ranke und schlanke Tiere geworden.

Am Ende erbrachte die Schafschur vier mit Wolle gefüllte Säcke. Da sich ein Verkauf finanziell jedoch nicht lohnt, wurde die Wolle in den vergangenen Jahren einfach entsorgt. In diesem Jahr folgen Holz und Blömker der Idee des Telgter Schäfers Andreas Hill, der die fettreiche Wolle erstmals gegen den Eichenprozessionsspinner eingesetzt hat. An einer langen Schnur aufgefädelt, wird sie dabei ringförmig um den Baum gebunden und bildet für die Raupen ein unüberwindbares Hindernis. Wenn die Raupen den Stamm herunterlaufen, um den Baum zu wechseln, treffen sie auf das Wollband und fallen über einen kleinen Holzsteg in einen Beutel, in dem sie verhungern.

Wolle gegen Eichenprozessionsspinner

Einen ersten Prototypen dieser Brücke, der sofort an einem Baum getestet wurde, hatte Olaf Blömker mitgebracht. Die beiden Einener Schäfer hoffen, damit eine sinnvolle Nutzung für ihre Wolle gefunden zu haben.

Auch der Heimatvereinsvorsitzende Hubert Kleinschnitker zeigte sich von diesem Engagement begeistert. Für ihn ist der alte Schafstall, der 1990 von der Familie Schulze Osthoff gestiftet und durch den Heimatverein in der Emsaue wieder aufgebaut worden ist, eine Bereicherung für das ganze Dorf.

Nicht nur bei Schulkindern, sondern auch bei vielen Wanderern ist er ein beliebtes Ausflugsziel. „Gerade in der aktuellen Coronazeit waren viele Menschen auf dem Wanderweg unterwegs und haben die neuen Lämmer besucht“, freut sich Kleinschnitker über die Moorschnucken.

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