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CDU-Festakt „75 Jahre Ahlener Programm“ abgesagt

Wegbereiter der Sozialen Marktwirtschaft

Ahlen

Eigentlich wollte die Landes-CDU am kommenden Donnerstag an die Verabschiedung des „Ahlener Programms“ vor 75 Jahren erinnern. Geplant war ein Festakt im St. Michael – dem damaligen Ort der Unterzeichnung.

Von Christian Wolff

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann wollte mit Schülern diskutieren. Foto: Rolf Vennenbernd

Die grundlegende soziale und wirtschaftliche Neuordnung des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg ist untrennbar mit dem „Ahlener Programm“ verbunden, das die CDU im Jahr 1947 im damaligen Kloster und Pensionat St. Michael verabschiedete. Am 3. Februar 2022 jährt sich dieser Anlass zum 75. Mal.

Geladene Gäste sollten unter Auflagen erscheinen

Einen vergleichbar großen Festakt wie zu den Jubiläen im Jahr 1977 in der St,-Michael-Turnhalle oder 1997 in der Stadthalle – damals war jeweils Helmut Kohl als Ehrengast dabei, bei späteren Veranstaltungen Ronald Pofalla und Armin Laschet – konnte die nordrhein-westfälische CDU angesichts der Coronalage ohnehin nicht auf die Beine stellen. Stattdessen sollte kommende Woche eine eher überschaubare Feierstunde am Ort der Unterzeichnung mit geladenen Gästen und unter Auflagen stattfinden, wie Generalsekretär Josef Hovenjürgen am Donnerstag mitteilte. Doch schon einen Tag später, am Freitagmittag, kam die Absage: Wie unsere Redaktion erfuhr, hatte Bürgermeister Dr. Alexander Berger in Düsseldorf darauf gedrängt, angesichts der hohen Inzidenzen auf eine solche Veranstaltung zu verzichten.

Das „Ahlener Programm“, an dem seinerzeit auch der spätere Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer teilnahm, gilt heute als Kompromiss zwischen katholischem Sozialismus und liberaler Marktwirtschaft. Die CDU in der britischen Besatzungszone lehnte mit diesem Programm den Staatskapitalismus ab und kritisierte gleichzeitig das kapitalistische Wirtschaftssystem. Mit dem „Ahlener Programm“ und den „Düsseldorfer Leitsätzen“ aus dem Jahr 1949 wurde die Soziale Marktwirtschaft ganz maßgeblich mitentwickelt.

Ministerpräsident Hendrik Wüst war als Ehrengast vorgesehen. Foto: Christian Wolff

Von seinen Verfechtern wurde das „Ahlener Programm“ auch als „Christlicher Sozialismus“ bezeichnet, obwohl dieser Begriff darin selbst nicht auftaucht. Die westlichen Besatzungsmächte USA, Großbritannien und Frankreich standen der deutschen Industrie und den Großkonzernen wegen deren früherer Verbundenheit mit den Nationalsozialisten skeptisch bis ablehnend gegenüber. Zugleich drohten der CDU von Seiten der sich konstituierenden Sozialausschüsse heftige Flügelkämpfe. Die Erklärung beginnt mit den Worten: „Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen.“

Damals Flügelkämpfe befürchtet

Der Festakt sollte eigentlich am Donnerstag, 3. Februar, um 11.15 Uhr in der Aula des Gymnasiums St. Michael an der Warendorfer Straße stattfinden. Zuvor wollten Ministerpräsident Hendrik Wüst und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann an einer Unterrichtsstunde und Diskussion mit Schülern zum „Ahlener Programm“ teilnehmen.

Für den weiteren Verlauf war eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Bedeutung des Ahlener Programms für Gegenwart und Zukunft“ geplant, an der neben Karl-Josef Laumann auch Philipp Bembenek, politischer Sekretär bei IG Metall in Münster, sowie Markus Lingen von der Konrad-Adenauer-Stiftung unter Moderation von Maria Kessing teilnehmen sollten.

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