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36-Jähriger wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Weggeworfenes Handy verhindert Ruf nach Hilfe

Ahlen / MÜnster

Weil er das Handy eines Schwerverletzten weggeworfen habe, habe der Angeklagte dessen Tod billigend in Kauf genommen, wertete die Staatsanwaltschaft Münster das Verhalten eines Ahlener vor dem Landgericht Münster.

Der Messerangriff vom 15. April 2020 im Ahlener Süden geht jetzt vor dem Landgericht in eine neue Runde. Foto: Christian Wolff

Eine blutige Gewalttat hatte den Ahlener Süden im April 2020 arg erschüttert. Ein 17-jähriger Mann wurde am Kastanienweg durch mehrere Stiche mit einem Dekodolch mit scharfer Spitze lebensgefährlich am Hals verletzt. Der zu diesem Zeitpunkt 21-jährige Täter wurde mittlerweile wegen gefährlicher Körperverletzung rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Hintergrund der Tat war eine eskalierte Fehde zwischen zwei Gruppen von Heranwachsenden (wir berichteten).

Nun hat die Tat mit einem weiteren Verfahren gegen einen 36 Jahre alten Ahlener ein weiteres Nachspiel. Dem Angeklagten, bei dem es sich um einen Bekannten des bereits verurteilten Mannes handelt, wird vorgeworfen, während der blutigen Ausein­andersetzung zwischen den beiden Männern hinzugekommen, das Handy des Geschädigten an sich genommen und in ein Gebüsch geworfen zu haben, so dass dieser keine Hilfe mehr rufen konnte. Dieses Geschehen hatte der Opferzeuge selbst während seiner Vernehmung im Ursprungsverfahren im Herbst 2020 geschildert.

Was wie ein vorwerfbares Unterlassen von Hilfeleistung wirkt, wertete die Staatsanwaltschaft Münster jedoch als versuchten Totschlag. Unabhängig von den Verletzungshandlungen seines Bekannten habe der 36-Jährige damit einen aktiven Kausalbeitrag geleistet, der dazu hätte führen können, dass der Geschädigte an seinen bisher erlittenen Verletzungen verstirbt. Dies soll der Beschuldigte auch in Kauf genommen haben.

Am zweiten Prozesstag wurden nach der Verlesung des Bundeszentralregisters des Angeklagten, das unzählige Körperverletzungsdelikte und Taten im Vollrausch enthält, die Zeugen des Geschehens hinsichtlich der Täterschaft des 36-Jährigen angehört. Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe. Am 8. September (Donnerstag) wird der Prozess fortgesetzt.

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