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Wandbild an der Beckumer Straße 117

Wie der Kohlenklau das Überleben sicherte

Ahlen

Ein gelungenes Projekt: Der Jetzt-Westerwälder Dr. Josef Gödde zeigt mit dem Wandbild an der Beckumer Straße 117 die Verbundenheit zu seiner Heimatstadt.

Von Ralf Steinhorst

Alle am Projekt Beteiligten: Claus Witt, Bürgermeister Dr. Alexander Berger, Dr. Josef Gödde mit Ehefrau Oda Gödde, Carsten Vienken, Friedhelm Rüller, Thomas Schwarz und Matthias Panick (v. l.). Foto: Ralf Steinhorst

Schon seit dem 3. März kann das Gemälde an der Hauswand der Beckumer Straße 117 bestaunt werden, am Dienstagnachmittag wurde es dann auch endlich eingeweiht werden. Bei einem Weinabend in München im Februar 2020 kam dem inzwischen im Westerwald lebenden Hauseigentümer Dr. Josef Gödde die Idee für dieses Kunstprojekt.

Es sollte zum einen ums Fringsen, den Kohleklau von den Kohlezügen im Jahr 1946, gehen, denn direkt neben dem Haus führten früher die Gleise der Zechenbahn vorbei. Die Brücke neben dem Haus war nämlich die einzige Stelle, wo das Fringsen möglich war, weil man dort auf die Waggons springen konnte, um die Kohle den am Gleis Wartenden zuzuwerfen. Der Begriff „Fringsen“ war vom damaligen Kölner Kardinal Josef Frings hergeleitet, der von der Kanzel großes Verständnis dafür aufbrachte, dass die Menschen in der kargen Nachkriegszeit Kohle zum puren Überleben stibitzten.

Über den Umweg von Buchhändlerin Lore Quast kam Dr. Josef Gödde zu einer Kopie des Ahlener Programms der CDU. Foto: Ralf Steinhorst

Die Verabschiedung des Ahlener Programms der CDU fand 1947 statt, fällt also in die gleiche Zeit und jährt sich im kommenden Jahr zum 75. Mal. Für Dr. Josef Gödde ein Grund, auch daran zu erinnern. Schon in der Schulzeit habe ihn das Programm fasziniert, was man von der CDU wohl nicht behaupten könne. Versuche das Programm in der Parteizentrale der Bundes-CDU zu ordern schlugen bis heute fehl. Die Buchhändlerin Lore Quast schließlich kopierte es aus einem ihrer privaten Bücher.

Dr. Gödde umriss die Entwicklung des Wandbildes prägnant mit einem Satz: „Der Gedanke ist gut, aber die Ausführung lässt warten“. Denn die Umsetzung gestaltete sich nicht nur künstlerisch, sondern auch bürokratisch als nicht unproblematisch. Künstlerisch, weil der ursprünglich vorgesehene Künstler plötzlich untertauchte, dann glücklicherweise mit den Münsteraner „Lackaffen“ Fassadengestaltern Ersatz gefunden werden konnte. Bürokratisch, weil einige Zeit nicht klar war, ob und inwiefern die Stadt Ahlen das Wandbild genehmigen musste. Musste sie dann nicht, Dr. Josef Gödde hatte dann freie Bahn.

Auf die Megathemen konzentrieren

Der mit Dr. Josef Gödde befreundete Claus Witt blickte in seinem Vortrag auf das Ahlener Programm zurück und appellierte an alle Parteien, sich im Wahlkampf auf die Megathemen unserer Zeit zu konzentrieren. Er würdigte zudem die Verbundenheit von Dr. Gödde mit seiner Heimatstadt, die mit dem Wandbild dokumentiert wird. „Das Gemälde ist schon ein prägendes Element des Stadtbildes“, freute sich Bürgermeister Dr. Alexander Berger. Und auch Altbürgermeister Herbert Faust zeigte sich beeindruckt: „Das ist schon toll, was Herr Gödde auf die Beine gestellt hat“.

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