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Sportarchiv erinnert an Bernhard Scheffer

Wie ein Ziegelstein Geschichte schreibt

Ahlen

Was den früheren CDU-Politiker und Sportfunktionär Bernhard Scheffer mit einem Ziegelstein verbindet? Die Antwort dazu gibt‘s im Ahlener Sportmuseum. Dort war jetzt auch Scheffers Enkeltochter zu Gast.

Von und

Ziegelstein gegen Fotoalbum: Ein Tauschgeschäft der besonderen Art vollzog Dieter Massin in diesen Tagen mit Antje Scheffer im Ahlener Sportarchiv. Foto: Sportarchiv

Es sind zwei historische Momente in Ahlen, die mit Bernhard Scheffer – verstorben im Jahr 1979 – unmittelbar in Verbindung zu bringen sind und die einen erfolgreichen Ausgang dokumentieren: das „Ahlener Programm“ und die Jahnwiese.

Der CDU-Politiker und Sportfunktionär Bernhard Scheffer ergriff kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Initiative und führte die Sportfreunde „Wacker“ Ahlen wieder in den Sportbetrieb zurück. „Wacker“ war während der NS-Zeit als DJK-Verein verboten. Bis zur Fusion mit dem benachbarten SSV „Westfalia“ Ahlen, aus denen 1970 der Ahlener Sportverein (ASV) entstand, leitete Bernhard Scheffer die Sportfreunde „Wacker“ Ahlen und belebte als Vorsitzender des Kreissportverbandes Beckum das regionale Sportgeschehen.

Umrandung der alten Jahnwiese

Ein Denkmal besonderer Art setzte sich Scheffer, als er die Heckenumrandung der Jahnwiese, die kurz nach dem Krieg Heimstätte für zwei Ahlener Sportvereine (Wacker und TuS Ahlen) war, durch eine Ziegelsteinmauer ersetzte; sehr zum Leidwesen der Zaungäste, die nun keinen (kosten-)freien Blick mehr bei den Heimspielen der blaugelben „Wackeraner“ hatten.

Die Beschaffung der Ziegelsteine fiel Bernhard Scheffer nicht sonderlich schwer, war er doch Prokurist der Beumer-Ziegelei an der Hammer Straße. Genau diese Ziegelsteine waren es, die Bernhard Scheffer als Politiker halfen, die Tagung der CDU der britischen Zone am 3. Februar 1947 organisatorisch über die Bühne zu bringen. Der Winter 1946/47, auch „Hungerwinter“ genannt, hätte um ein Haar das Treffen der CDU-Politiker um Konrad Adenauer im Kloster der „Schwestern unserer lieben Frau“ an der Warendorfer Straße zum Erliegen gebracht, hätte sich nicht Bernhard Scheffer das damals übliche Handelsgebaren zunutze gemacht und eine Materialbeschaffung im Tauschverfahren angewandt. Die Nonnen im St.-Michael-Gebäude an der Warendorfer Straße konnten zwar die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, aber beim Heizmaterial wie auch bei den Lebensmitteln konnten sie nicht behilflich sein. Wohl aber Bernhard Scheffer – getreu der Devise „Ziegelsteine gegen Kohle oder gegen Lebensmittel“. Dieses Tauschverfahren sicherte die Tagung der CDU-Politiker. Und das „Ahlener Programm“ machte Geschichte.

Scheffers Enkeltochter zu Gast im Sportmuseum

Genau dieses Tauschverfahren war Grundlage eines Treffens der Enkeltochter von Bernhard Scheffer, Antje Scheffer, und von Sportarchivar Dieter Massin. Ein Fotoalbum aus dem Besitz von Bernhard Scheffer mit zahlreichen Foto-Dokumenten des „Wacker“-Sportplatzes am Vorhelmer Weg gegen einen Original-Ziegelstein der Beumer-Ziegelei. „Die Tauschidee von Bernhard Scheffer lebte somit noch einmal auf“, bilanzierte Massin vor der Ehrennische im Sportmuseum an der Warendorfer Straße 91 (ehemalige Bodelschwingh­schule), wo auch Bernhard Scheffer neben weiteren Ahlener Funktionsträgern einen würdigen Platz gefunden hat.

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