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Ein Tag im Feuerwehrdienst

Wo Gleichstellung von ganz allein passiert

Ahlen

Kein Zuckerschlecken, aber spannend: Die städtische Gleichstellungsbeauftragte Elisa Spreemann unternahm einen Praxistest bei der Ahlener Feuerwehr.

wn

Die Gleichstellungsbeauftragte legt wie Wachleiter Walter Wolf und Bürgermeister Dr. Alexander Berger viel Wert darauf, dass der Dienst bei der Feuerwehr familienfreundlich ist: Michèle Altena und ihre Söhne finden das. Foto: Stadt Ahlen

Die Ahlener Gleichstellungsbeauftragte Elisa Spreemann ist eine Frau der Tat. „Einmal selber machen, ist besser als tausendmal davon gehört zu haben“, dachte sich die Beschäftigte der Stadtverwaltung, als sie jüngst morgens um 7:45 Uhr zum Dienstantritt bei der Feuerwehr auf der Matte stand.

„Dass dieser Tätigkeitsbereich kein Zuckerschlecken ist, das habe ich mir schon gedacht“, bereitete sich Spreemann auf eine alles fordernde Schicht vor. Wie genau der Arbeitsalltag bei der Feuerwehr der Stadt Ahlen aussieht, wollte sie selbst miterleben und folgte gerne der Einladung, die die Kolleginnen und Kollegen bei den „Blauröcken“ zum Praxistest aussprachen.

Gemischtes Team

Ein gemischtes Team aus Frauen und Männern begrüßte Spreemann zur 24-Stunden-Schicht. Die Frauenquote im Rettungsdienst liegt mit 45 Prozent deutlich über dem Landesschnitt. „Das steht der Ahlener Feuerwehr gut zu Gesicht“, sieht Spreemann darin nicht nur Erfolge ihrer Arbeit und der ihrer Vorgängerinnen, sondern auch eine generell offene Haltung der Feuerwehrführung für die Gleichstellung von Frauen und Männern. So sind gemischtgeschlechtliche Teams auf Rettungswagen oder Löschfahrzeug in Ahlen längst Alltag. Dass die Feuerwehr ein familienfreundlicher Betrieb sein soll, haben sich auch Wachleiter Walter Wolf und Bürgermeister Dr. Alexander Berger auf die Fahnen geschrieben, die der Gleichstellungsbeauftragten beim Praktikum über die Schulter schauten.

Nach Einkleidung und Fahrzeugcheck ging es für Elisa Spreemann im Rettungsdienst los. Nach kurzer Zeit der erste Alarm. Nur Sekunden braucht das Team, um den Rettungswagen zu besetzen. In Windeseile, mit Blaulicht und Martinshorn geht`s durch den Morgenverkehr zur Einsatzstelle. „Alles läuft zügig ab, aber immer hochkonzentriert und planmäßig“, erkennt die Praktikantin, wie bei dem eingespielten Team alle Handgriffe sitzen. Der Einsatz geht glimpflich aus. Ein älterer Mann hat einen Schwächeanfall erlitten, schnell ging es ihm besser. Übliches Tagesgeschäft für den Rettungsdienst. Die Fahrt geht zum St.-Franziskus-Hospital, wo die medizinische Behandlung des Patienten fortgesetzt wird.

Elisa Spreemann

Auf der Rückfahrt zur Rettungswache kommt Elisa Spreemann ins Gespräch mit Michèle Altena. Ihren ersten Ausbildungsabschnitt bei der Feuerwehr begann Altena als Mutter von fünf Monate alten Zwillingen. „Es ist nicht immer einfach, aber dank meiner Familie und der tollen Organisation und Unterstützung durch die Kameradinnen und Kameraden lassen sich Arbeitsalltag und Familienleben sehr gut miteinander vereinbaren.“ Zum Dienst bei der Feuerwehr gehört neben der emotionalen Stärke auch körperliche Kraft. Für Elisa Spreemann eigentlich kein Problem, ist sie doch durchtrainierte Leistungssportlerin im Badminton. „Feuerwehrdienst ist wie dauernder Wettkampf“, findet sie. Ob Rettungsdienst, technische Hilfeleistungen oder Brandbekämpfung: konstant körperliche Leistung wird jeden Tag verlangt. „Auch die nächtlichen Alarmierungen, bei denen man von Null auf Hundert in den Einsatz muss, gehen an die Substanz.“ Anforderungen, denen sich Frauen und Männer ohne Unterschied zu stellen haben. Echte Team-Arbeit eben, bei der jeder und jede gleich viel mitanpacken muss und Gleichstellung wie von selbst funktioniert.

Unterdessen biegt der Rettungswagen wieder ein auf das Gelände der Hauptfeuerwache. Nach jedem Einsatz warten die weniger spektakulären Aufgaben. Fahrzeug reinigen und desinfizieren, Medikamente und Versorgungsmaterial auffüllen, Dokumentation. „Das macht nicht nur Spaß, gehört aber nun mal dazu“, nimmt es Michèle Altena leicht. Auf ihre Tätigkeiten fühlt sie sich gut vorbereitet. „Viele Leute wissen gar nicht, was hinter der Arbeit an der Feuerwehrwache steckt.“ Um eine Ausbildung zu starten, wird bereits eine berufliche Vorausbildung, die für den Feuerwehrdienst förderlich ist, vorausgesetzt. Dazu zählen Handwerks- und Gesundheitsberufe, aber auch kaufmännische Ausbildungen.

Große Portion Begeisterung

Und ohne den bestandenen Sporttest und das Gespräch, in dem sich die Feuerwehrführung einen Eindruck vom Bewerber oder der Bewerberin macht, geht gar nichts. Man brauche halt eine große Portion Begeisterung für alles, was mit Feuerwehr zu tun hat. „Der Job ist keiner wie jeder andere“, sagt Elisa Spreemann. Nach der Dienstschicht ziehen viele hauptberufliche Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner die Uniform auch im Ehrenamt an.

Insgesamt musste Spreemann in ihrer „Schnupper-Schicht“ ein gutes Dutzend mal mit den Kollegen vom Rettungsdienst ausrücken. Schwere Unfälle oder schlimme Erkrankungen blieben ihr – „Gott sei Dank“ –, erspart. Dem kompletten Team der Feuerwache Ahlen dankt sie für einen informativen und aufregenden Praktikumstag, der nicht ausreichte, um einen Einblick in alle Bereiche zu ergattern. „Was die Frauen und Männer hier leisten, kann man gar nicht genug würdigen“, zieht die Tagespraktikantin anerkennend den Hut. Alle Bürger dürften sich sicher sein, im Notfall bestmöglich versorgt zu sein.

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