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„Die Daktiker“: Benefizkabarett im Städtischen Gymnasium

„Yvonnes Schulmails“ ein Highlight

Ahlen

Lehrerinnen und Lehrer wissen: Was „Die Daktiker“ auf die Bühne bringen, ist gar nicht so weit weg vom manchmal skurrilen Schulalltag. Kein Grund aber, sich das Lachen zu verkneifen.

Von Martin Feldhausund

Ein kongeniales Quartett: Das „dienstälteste Lehrerkabarett Deutschlands“ begeisterte in der Aula des Städtischen Gymnasiums. Foto: Martin Feldhaus

Nur etwas für (ehemalige) Lehrer? Sicher nicht. Der Auftritt des Lehrerkabaretts „Die Daktiker“ verzückte am Dienstagabend auch die Nicht-Pädagogen im Publikum. Kein Wunder, bietet doch der ganz normale Schulwahnsinn bereits genug kabarettistisches Material. Und wenn dann noch Corona-Maßnahmen in Traditionsgymnasien wie dem Städtischen Adolphinum umgesetzt werden müssen, ist es erst recht vorbei: Mit ihrem mal komischen, mal bitterbösen aktuellen Programm „Adolphinum – fit for future“ sorgten die neue (kommissarische) Schulleiterin Hildegard Lengowski (Brigitte Lämbgen), Urgestein OStR Karl Eduard Krick (Hans Peter Königs), Ex-Schulleiter Willi R. Lass (Andreas Boxhammer) und der ewige Angestellte Volker Müller-Liebenstreit (Hermann-Josef Skutnik) für eine arge Beanspruchung der Lachmuskeln.

Anekdoten und Episoden

Den Rahmen für verschiedene Anekdoten und komische Episoden bildete ein anstehender Wettbewerb: Die zur Schulleiterin aufgestiegene Lengowski, die jedes Mal nahe einem Nervenzusammenbruch ist, wenn sie das Wort „Dokumentationspflicht“ nur hört, möchte ihr Adolphinum am Landeswettbewerb „kids fit for future“ teilnehmen lassen. Eine gute Idee? Natürlich nicht. Ein Promovideo, das das omnipräsente Überwachungsgerät „Perplexa“ aufzeichnet, erweist sich schnell als echtes Desaster – sehr zur Erheiterung des Publikums. Wie kann man auch auf die Idee kommen, gerade das Schulurgestein OStR Krick, der eigentlich doch nur noch auf seine pensionssteigernde Höhergruppierung von A14 auf A15 wartet, als Aushängeschild des Städtischen Adolphinums vorzuschicken? Etwas erfolgreicher ist da schon Volker Müller-Liebenstreit, der seine Schüler zwar nicht in die sprachlichen Raffinessen von Shakespeares „Romeo und Julia“ einweihen kann, aber dafür steht am Ende ein knalliger Rap zum Inhalt des Klassikers.

Auch musikalisch habe „Die Daktiker“ was drauf. Foto: Martin Feldhaus

Insgesamt ein kabarettistischer Hochgenuss, mit dem das kongeniale Quartett nicht nur die zahlreichen aktuellen und früheren Lehrer im Publikum verzückte: Ein Sketch löste den anderen ab, so dass man aus dem Lachen nicht mehr herauskam. Hybridunterricht? Für den autoritär bis tyrannischen Altphilologen Krick („Für mich kommt Qualität von quälen“) ein absolutes Fremdwort: „Ich fahre noch Diesel“, gibt die Lehrkraft vom ganz alten Schlage zu verstehen, die zwischendurch zielsicher Alliterationen enttarnt oder lateinische Verben en passant konjugiert. Urkomisch auch die zwischendurch immer wieder vorgelesenen E-Mails aus dem Schulministerium mit Anweisungen zur Umsetzung von Corona-Maßnahmen („Yvonnes Schulmails“).

Einen Höhepunkt markierten die zahlreichen musikalischen Einlagen: So ging das Quartett etwa mit einer Abwandlung von Udo Jürgens „Griechischer Wein“ auf die Suche nach Quereinsteigern in den Lehrerberuf.

„Auf der einen Seite helfen und auf der anderen Seite Spaß und Freude ins Leben lassen“, dieser Ankündigung von Daniel Albat (Lions Club Ahlen-Münsterland) wurde die Veranstaltung in jeder Hinsicht gerecht. „Die Daktiker“ verzichteten zugunsten geflüchteter Menschen aus der Ukraine und sozialer Projekte vor Ort auf ein Honorar. Daniel Albat und Dr. Anne Giebel, stellvertretende Schulleiterin des Städtischen Gymnasiums, bedankten sich mit Präsenten – die Zuschauer prämierten den Auftritt mit langem, tosendem Applaus.

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