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Skepsis in der Wirtschaft

Zusätzlicher Ruhetag „nur Einschränkung“

Ahlen

Gründonnerstag werksfrei? Jürgen Henke, Unternehmer aus Ahlen und Vorsitzender des Industrie- und Wirtschaftsclubs, sieht sich in seiner Sinnfrage nicht allein.

Dierk Hartleb

In den Metallwerken Renner wird derzeit nur im Produktionsbereich gearbeitet. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung arbeiten von zuhause aus. Foto: Ulrich Gösmann

Auf Beifall können die Bundeskanzlerin und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet für ihren jüngsten Coup im Rahmen der Pandemiebekämpfung bei Industrie und Handel nicht hoffen. Entsprechend ablehnend fällt das Urteil von Jürgen Henke, Chef der Ahlener Metallwerke Renner, aus. „Wir halten hier alle Bestimmungen ein und haben früh eigene Hygienekonzepte umgesetzt“, erklärt er. Und fährt fort: „Bisher gab es bei uns keinen Corona-Fall. Diese Tatsache stärkt bei Mitarbeitern das Vertrauen in unsere Maßnahmen und verhindert Unsicherheiten oder Spannungen.“

Mit seiner Skepsis befindet sich Henke in guter Gesellschaft mit der IHK Nord Westfalen, dessen Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel die aktuellen Corona-Beschlüsse „zur Kenntnis genommen“ hat. Jaeckel bezeichnet die Beschlüsse als „heftigen Rückschlag für die bereits eta­blierten Differenzierungen in der regionalen Wirtschaft“ und zeigte sich enttäuscht von der „Fortsetzung des Dilemmas“.

Besonders hart vom Winter-Lockdown betroffene Unternehmen hätten mit intelligenten Konzepten und Vorschlägen erste Öffnungsschritte unter Einhaltung aller notwendigen Infektionsbekämpfungs- und Hygienestandards erprobt, so der Hauptgeschäftsführer weiter.

Ruhetage verstärken Kundenansturm davor

Bis die Mangelverwaltung bei den Impfstoffen beendet und eine ausreichende Immunität in der Bevölkerung durch Impfen erreicht ist, müsse man auch in den Unternehmen wo immer möglich testen, fährt Jaeckel fort. Laut Umfrage des DIHT biete bereits jedes zweite Unternehmen seinen Beschäftigten regelmäßig Corona-Tests an oder plant, dies in Kürze zu tun.

Kritisch beurteilt Jaeckel auch den zusätzlichen Ruhetag am Gründonnerstag, den die Kanzlerrunde beschlossen hat. Dazu müsse die landesrechtliche Umsetzung abgewartet werden, meint der IHK-Repräsentant. Die Erfahrungen gingen aber eher in die Richtung, dass weitere Ruhetage einen verstärkten Kundenansturm an den Tagen davor auslösten.

Frank Merschhaus

Auch im Rathaus zeigte man sich von der erweiterten Ruhe über Ostern überrascht. Stadtsprecher Frank Merschhaus: „Wir wissen noch nicht, was das für die Müllabfuhr bedeutet.“ Jürgen Henke sieht in diesem zusätzlichen arbeitsfreien Tag „nur eine Einschränkung“. Zur Begründung verweist er darauf, dass keine Kundenbesuche stattfänden, die Mitarbeiter in der Verwaltung im Homeoffice seien und in der Produktion große Abstände eingehalten würden.

Vor genau einem Jahr habe er Jens Spahn geschrieben, erinnert sich Henke. Er habe nicht das Gefühl, dass sich etwas bewegt habe.

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