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Rat lehnt dreispurigen Ausbau ab

Beelen will die B 64n nicht

Gegen den geplanten Ausbau der B 64, der in Teilstücken dreispurig verlaufen soll, macht die Gemeinde Beelen mobil.

wn

Die B 64 in Beelen: Dass der Verkehr eine Zumutung ist, bezweifelt keiner. Der im Bundesverkehrswegeplan festgelegte dreispurige Ausbau stößt vielen Bürgern aber sauer auf. Sie befürchten noch mehr Verkehr. Etliche Anwohner verfolgten am Donnerstagabend die Diskussion im Rat. Foto: Beate Kopmann

Mit 15 Ja-Stimmen und zehn Nein-Stimmen wurde ein entsprechender Antrag der Freien Wähler angenommen. SPD und Grüne votierten ebenfalls für den Antrag. Und sogar die Mitglieder von CDU und FDP ließen durchblicken, dass sie gegen die im Bundesverkehrswegeplan festgeschriebene B 64n (Ausbauweise im 2+1-Verfahren) sind. Eine deutlich abgespeckte Variante – etwa als zweispurige Umgehungsstraße, ähnlich wie in Sassenberg oder Everswinkel – scheint von allen Fraktionen bevorzugt zu werden.

Matthias Nüßing, Fraktionsvorsitzender der FWG, betonte jedoch: „Wir sind weder Straßenverhinderer noch Straßenblockierer. Und natürlich wollen wir eine Verbesserung der innerörtlichen Verkehrssituation.“

Verkehrsprognose lag daneben

Der dreispurige Ausbau aber sowie die geplante Dammlage von sieben Metern Höhe bringe Beelen mehr Nachteile als Vorteile – und vor allem mehr Verkehr.

Nüßing wies darauf hin, dass auch die Zahlen der Verkehrsprognosen nicht erreicht worden seien. So zählte man Mitte der 90-er-Jahre je nach Streckenabschnitt 14 000 bis 19 000 Fahrzeuge täglich und rechnete mit einer Verkehrszunahme um 20 Prozent bis zum Jahr 2010 (16 800 oder 22 800 Kfz täglich). Tatsächlich sei der Verkehr aber rückläufig. Im Jahr 2015 hatte Beelen je nach Streckenabschnitt ein Verkehrsaufkommen von 8700 beziehungsweise 9100 Fahrzeugen pro Tag.

Matthias Nüßing (FWG)

„Wir müssen jetzt die Gelegenheit nutzen, um Einfluss auf die Planungen zu nehmen, sonst ist der Zug abgefahren“, sagte Nüßing. „Wenn wir erst im Planfeststellungsverfahren gehört werden, ist an der Trasse nicht mehr zu rütteln.“

Alle Fraktionen sprachen sich dafür aus, die Planer von Straßen.NRW einzuladen – unter anderem, um von ihnen erklärt zu bekommen, warum die über Jahre prognostizierten Verkehrszahlen nicht eintraten.

„Lärmschutz müsste die Kommune selbst stemmen“

„Inzwischen haben wir auch verkehrstechnisch eine ganz andere Situation. Der Lückenschluss an der A 33 ist durch“, ergänzte Nüßing. „Demnächst braucht man über die Autobahn nur elf Kilometer mehr für die Strecke Münster-Bielefeld als über die B 64.“

Vertreter aller Fraktionen machten deutlich, dass die Beelener eine vernünftige Umgehungsstraße wollen, aber keine großräumige Ost-West-Verbindung, die von der Wirtschaft immer wieder gefordert worden war. „Dafür ist noch nicht einmal Lärmschutz vorgesehen. Das müsste die Kommune auch noch selbst stemmen“, kritisierte Nüßing.

Forderung nach Nachbesserungen

Ludger Growe (CDU) versuchte, einen gemeinsamen Beschlussvorschlag im Rat zu organisieren, denn den Christdemokraten war der FWG-Antrag zu negativ formuliert. Man sei schließlich nicht grundsätzlich gegen die Umgehungsstraße, sondern fordere nur Nachbesserungen. Für diesen Vorstoß gab es aber keine Mehrheit.

Paul Spliethoff (FDP)

So stimmten CDU und FDP am Ende gegen den Antrag, den FWG, Grüne und SPD gemeinsam auf die Reise brachten. In der Sache sind die Fraktionen dennoch eng beieinander. Paul Spliethoff (FDP) sagte, seine Fraktion könne sich die Umgehungsstraße auch „in deutlich abgespeckter Form“ vorstellen.

Ähnlich wie die CDU forderte die FDP, die Planer von Straßen.NRW nach Beelen zu holen, um von ihnen auf den aktuellen Sachstand gebracht zu werden. Das löste Kopfschütteln bei Matthias Nüßing aus. Schließlich hatten sich die beiden Parteien bislang für die B 64n stark gemacht. Der FWG-Vorsitzende stellte die Frage: „Wie kann man denn für eine Straße trommeln, wenn man die Daten noch gar nicht hat?“

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