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Für 2020 war ein Rückgang von über 30 Prozent zu verzeichnen

Corona hat Gründerszene gebremst

Kreis Warendorf

Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Gründerszene im Kreis. Gehabt – muss man vom jetzigen Zeitpunkt sagen. Denn laut Einschätzung der kommunalen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Warendorf (gfw) sollen der konjunkturelle Aufschwung und der Arbeitsmarkt die Gründerszene positiv beeinflussen.

„Mit der Digitalisierung früh beginnen und Erfolgsgeschichten deutlich machen“, will gfw-Geschäftsführerin Petra Michalczak-Hülsmann (hier bei der Eröffnung von einem der drei Hoko.Labs des Hochschul-Kompetenz-Zentrums für Jugendliche in Telgte-Westbevern). Foto: Münster View/ gfw

Die Zahl der Gründer ist wieder gesunken. In Deutschland, im Münsterland und auch im Kreis Warendorf machten sich 2020 zwar wieder viele Menschen selbstständig, aber es waren weniger als im Jahr zuvor.

Keine schlechte Zeit

„Die Corona-Krise hat die Gründerszene ausgebremst“, zieht Petra Michalczak-Hülsmann Bilanz in einer Pressenotiz. Die Geschäftsführerin der kommunalen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Warendorf (gfw) findet die Entwicklung nicht überraschend, sagt aber auch: „Es ist keine schlechte Zeit, um etwas Neues zu wagen.“

Im Kreis hat es im vergangenen Jahr 597 Neugründungen von Unternehmen gegeben. Das waren nach Auskunft des Statistischen Landesamtes 13,5 Prozent weniger als im Vorjahr, als 690 Firmen neu angemeldet wurden. Die höchste Zahl an Neugründungen des vergangenen Jahrzehnts hat es im Kreis im Jahr 2010 mit 970 Gründen gegeben. Seitdem gab es fortlaufend eine leichte Abflachung des Verlaufs.

Der Gründungsrückgang in den münsterländischen Kreisen Borken (minus 2,4 Prozent), Coesfeld (minus 38,2 Prozent) und Steinfurt (minus 24,1 Prozent) ist 2020 teilweise stärker ausgefallen als im Kreis Warendorf.

Verschoben ist nicht aufgehoben

In ganz Deutschland haben sich 537 000 Personen im vergangenen Jahr selbstständig gemacht und damit 68 000 weniger als in den zwölf Monaten zuvor, wie die staatliche Förderbank KfW ermittelt hat. 2019 war die Zahl der Existenzgründungen bundesweit wieder gestiegen – erstmals seit fünf Jahren .

Im laufenden Jahr rechnet gfw-Geschäftsführerin Michalczak-Hülsmann mit Rückenwind: „Der konjunkturelle Aufschwung und der Arbeitsmarkt dürften positiv auf die Gründungstätigkeit wirken.“

Einige Vorhaben seien in der Pandemie verschoben worden. „Wir lassen in unseren Bemühungen nicht nach“, so Michalczak-Hülsmann und fügt hinzu: „Wir nutzen jedes Interesse, sich auf das Wagnis einer Unternehmensgründung einzulassen. Denn davon hängt ein gutes Stück Zukunft unserer Region ab.“

Zentrales gfw-Angebot im Projekt Startercenter.NRW sind individuelle Beratungen für Unternehmensgründer. Die gfw bietet Basisworkshops im Präsenz- und Onlineformat zu Businessplan, Finanzierung, Steuern, Versicherung und Altersversorgung an. Marketing, Vertrieb und Kommunikation werden auch stark nachgefragt. „Wir möchten für unternehmerisches Denken begeistern, Kompetenzen fördern und den Austausch von Ideen und Erfahrungen vorantreiben“, so Petra Michalczak-Hülsmann.

Vielfalt ist Trumpf

Das Spektrum der Gründungsideen ist breit. Es reicht von Handwerk über Online-Handel, Engineering-Dienstleistungen oder Pflege bis zu IT-Geschäftsmodellen. Wichtig sind den zukünftigen Unternehmenslenkern die Vernetzung und der Austausch mit Gründern aus der Region. gfw-Gründungsberaterin Marianne Koschany-Rohbeck informiert und berät vor dem Start und begleitet junge Unternehmen. „Wir gehen das Thema langfristig und frühzeitig an, etwa mit Workshops für Jugendliche, mit Einfällen und Risikobereitschaft unter dem Motto ‚Pfiffige Geschäftsideen‘. Wir wollen im Kreis Warendorf ja kein Wirtschaftsmuseum werden“, sagt die gfw-Geschäftsführerin.

Und nennt ein Beispiel: In den HOKO.LAB-Workshops des „Hochschul-Kompetenz-Zentrum studieren & forschen“ erwerben Jugendliche Programmierfähigkeiten, Experimentierfreude und Teamkompetenzen. „Wir möchten Jugendlichen die Chancen der digitalen Transformation zeigen, jungen Tüftlern Mut machen und Fachkräfte für die Region gewinnen.“

Finanzierungshilfen

Eine wichtige Rolle spielt das „Gründerstipendium NRW“, um innovative Geschäftsideen auf den Weg zu bringen und in die regionale Gründerszene einzusteigen. Das NRW-Wirtschaftsministerium unterstützt den Start einer Existenzgründung mit einem monatlichen Stipendium in Höhe von 1000 Euro für maximal ein Jahr.

Mit gfw-Hilfe haben es zuletzt vier neue Stipendiaten geschafft: Aleksandar Glavas (Dortmund) mit der Idee einer Fußballplattform, Stefan Kurlovich (Warendorf) mit regionalen Ernährungsprodukten, Charlotte Gebing (Warendorf) mit nachhaltiger Kleidung und Bernadette Ostkamp (Ennigerloh) mit Home Staging, einem Mix aus Immobilienmarketing und Innenarchitektur.

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