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Waffenkontrolle

Das ist wie beim TÜV

Kreis Warendorf

Auf Schützenplätzen kennt Uwe Drenske sich aus. Alle vier Jahre überprüft er die 165 Schießstätten im Kreis. „Das ist wie beim TÜV“, schmunzelt er. Auch wer sich selber eine Waffe kaufen will, kommt an ihm oft nicht vorbei.

Ulrike Brevern

25 000 Waffen sind derzeit im Kreis Warendorf registriert. Uwe Drenske überprüft,dass die Waffenbesitzer sich an alle Auflagen halten. Foto: Ulrike von Brevern

Er ist in der Direktion „Zentrale Aufgaben“ für das Waffenwesen zuständig. Obwohl der ehemalige Bundeswehrsoldat auch selber gerne schießt, hat er persönlich keine Waffe. Warum auch? Wer kein Jäger ist, habe kaum eine Möglichkeit, Waffen außerhalb eines Schießstandes legal zu verwenden, macht er deutlich. „Wir haben hier keine amerikanischen Verhältnisse.“

Von den gut 270.000 Einwohnern im Kreis besitzen 4500 legal eine Waffe. 25.000 Waffen sind derzeit im Kreis registriert. Hinzu kommen freiverkäufliche Waffen, die nicht registriert werden.

Ein Luftgewehr zum Beispiel kann jeder Erwachsene ohne Erlaubnis kaufen. Wenn er es im Garten benutzt, muss er allerdings sicherstellen, dass das Geschoss das „befriedete“, also umzäunte Gelände nicht verlassen kann, erklärt Drenske mit Betonung auf dem Wort „kann“. „Einen Garten in dieser Größe wird es hier wohl kaum geben.“

Nachfrage nach dem „Kleinen Waffenschein“ gestiegen

Wer die Erlaubnis für eine Waffe bei ihm beantragt, muss nachweisen, dass er sie braucht, fähig ist, damit umzugehen, und dass er persönlich geeignet und zuverlässig ist. Auch sicher aufbewahrt sein muss das gute Stück. Die Waffen werden in ein zentrales Register aufgenommen und können so bundesweit zurückverfolgt werden. Für die Waffe gibt es eine Besitzkarte.

Uwe Drenske

Wer seine Waffe in die Öffentlichkeit mitnehmen und damit „führen“ will, muss vorher bei Drenske einen Waffenschein beantragen – das gilt schon für die freiverkäufliche Schreckschusspistole in der Handtasche. In Folge der Kölner Silvesternacht ist auch im Kreis die Nachfrage nach dem dafür notwendigen „Kleinen Waffenschein“ sprunghaft gestiegen, berichtet Drenske. 2016 hat sich die Zahl der Anträge auf rund 800 gut verzehnfacht.

Eine Entwicklung, die der Waffenexperte mit Sorge sieht, denn Schreckschusspistolen seien alles andere als ungefährlich. Aus nächster Nähe abgefeuert richten sie ernsthaften Schaden an. Und schon das Hantieren mit den oft täuschend echt wirkenden Waffen könne bei einem Polizeieinsatz zu falschen Reaktionen führen.

Bezirksdienstbeamten sind immer hilfsbereit

Bei Menschenansammlungen sind die Waffen ohnehin untersagt. Dennoch sind 1500 kleine Waffenscheine im Kreis genehmigt. Alle drei Jahre überprüft Drenskes Dienststelle, ob die persönlichen Voraussetzungen noch erfüllt sind. Einen „Großen Waffenschein“ für Feuerwaffen besitzt dagegen niemand.

Heute habe sich die Ansicht durchgesetzt, „dass wir sicherer sind, wenn weniger Waffen im Umlauf sind“, sagt der Drenske. Das Waffengesetz wurde gerade erneut verschärft, gleichzeitig aber eine einjährige Amnestie für „illegalen Waffenbesitz“ ausgerufen. Illegal ist heute auch, was bis in die siebziger, achtziger Jahre noch frei aus dem Versandhauskatalog zu beziehen war.

Bei einer ähnlichen Aktion 2009 wurden im Kreis 500 Waffen freiwillig abgegeben. Seit Beginn der jüngsten Aktion am 6. Juli sind es bereits 40. Für denjenigen, der eine unbekannte Waffe findet, etwa auf dem Speicher oder beim Hausumbau, hat Drenske einen lebenswichtigen Tipp: „Liegenlassen und den Bezirksdienstbeamten rufen. Man weiß nie, ob die Waffe nicht geladen ist.“

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