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Sensationsfund wird im Museum Abtei Liesborn ausgestellt

Der Silberkelch vom Dachboden

Liesborn

„Lange schlummerten die Reliquien im Verborgenen“, sagt Martin Klüsener, Pfarrer St. Margareta Wadersloh“. Jetzt haben sie einen würdigen Platz gefunden. In der Dauerausstellung des Museums Abtei Liesborn. Für Bistumssprecher Martin Kaspar sind die Funde schlichtweg „eine textile Sensation“ und für Museumsleiter Sebastian Steinbach „weht große Museumsluft durch Liesborn“. Die kostbaren Reliquien aus dem 7. bis 9. und 13. bis 17. Jahrhundert ermöglichen neue Einblicke in die Abteigeschichte. Dabei wären sie fast eigentlich gar nicht (wieder-)entdeckt worden. „Kommissar Zufall“ half.

Von Peter Sauer

Kunst- und Kulturreferent Martin Kaspar, Kirchenvorstandsmitglied Eugen Teigeler, Museumsleiter PD Dr. Sebastian Steinbach, Landrat Dr. Olaf Gericke und Pfarrer Martin Klüsener freuen sich über die kostbaren Reliquienschätze. Foto: Peter Sauer

Die unscheinbaren Kartons auf dem Dachboden der Sakristei der Klosterkirche erweckten lange kein Aufsehen. Durch Zufall entdeckt wurden sie von Küsterin Schwester Ursula Becker und Kirchenvorstandsmitglied Eugen Teigeler. Der Inhalt der Kartons hatte es in sich. Nach eingehender Restaurierung wurde der Fund am Donnerstag erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt: im Museum Abtei Liesborn.

Außen Silber, innen Gold: Ziborium (Hostienkelch) von 1732

„Mit dem Hostienkelch und den Reliquienpäckchen finden nun weitere Puzzleteile ein Zuhause im Museum, die es uns begreifen lassen, was unsere Vorfahren bewegt hat“, freut sich Landrat Dr. Olaf Gericke. Für Martin Kaspar, Kunst- und Kulturreferent beim Bistum ist es schlichtweg „eine textile Sensation“.

Ziborium (Hostienkelch) von 1732, mit der Inschrift im Fuß: "Abt Gregor (Waltmann) hat dies für das Kloster Liesborn machen lassen." Foto: Peter Sauer

Nicht weniger stolz dreht Museumsleiter Sebastian Steinbach den beeindruckenden silbernen Hostienkelch (innen vergoldet) um. Eine Inschrift im Fuß zeigt: 1732 wurde er von Abt Gregor Waltmann der Liesborner Kirche gestiftet.

Die Phiole enthält Reliquienstaub und eine Cedula (Herkunfts- und Echtheitserklärung). Foto: Peter Sauer

Unscheinbar, aber von großem Interesse für die mittelalterliche Geschichte der Abtei sind die 23 kleinteiligen Textilfragmente. Zusammen mit einigen Knochenstückchen handelt es sich um die Reste von Reliquienpäckchen. Sie stammen überwiegend aus dem Schrein der Heiligen Cosmas und Damian im Hochaltar der Kirche. Eine intensive Untersuchung und Restaurierung im Kölner Institut für historische Textilien ergab, dass das byzantinische Reliquienpäckchen mit den goldenen Lilien und ein kleines Stück chinesischer Seide aus der Tang-Dynastie stammen. Sie können für das 7. bis 9. Jahrhundert datiert werden und stammen somit noch aus der Gründungsphase des Damenstifts.

Leinen und Seide mit Pailletten und Perlenstickererien: Reliquientafel mit einem Knochenfragment des Heiligen Benedikts Foto: Peter Sauer

„Wie die Eremitage in St. Petersburg haben wir jetzt auch kostbare chinesische Stoffe im Haus“, sagte Museumsleiter Sebastian Steinbach. Aber auch Stoffe des 13./14. Jahrhunderts aus Spanien und Italien befinden sich unter den Reliquienstoffen. Formschön sind der hochovale facettierte Bergkristallanhänger und die blaugründliche Glasphiole mit Reliquienstaub mit Echtheitserklärung aus dem 15. Jahrhundert.

Textile Zeitzeugen

„Die neuen alten Reliquienfunde geben Aufschluss über die weitgespannten Handelswege und die Handwerkskunst des Mittelalters“, erläutert Steinbach. Sehr detailreich ist eine aufwendig bestickte Reliquientafel aus Leinen und einem Knochenfragment des Heiligen Benedikts.

In Glasvitrinen zeigt das Museum Abtei Liesborn die alten Reliquien im neuen Glanz ab sofort in seiner Dauerausstellung.

Reliquientafel. Link zum Museum: www.museum-abtei-liesborn.de Foto: Peter Sauer
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