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Agentur für Arbeit Ahlen-Münster

Die Telefone stehen kaum still

Kreis Warendorf

Trotz der Schließung für den Publikumsverkehr ist die Agentur für Arbeit Ahlen-Münster in der Corona-Krise besonders gefordert: Viele Mitarbeiter beantworten Anfragen nun vom Homeoffice aus – per E-Mail und vor allem am Telefon.

wn

Im Einzelbüro statt in einer Bürolandschaft: Leonard Auf der Springe ist am Telefon für Arbeitsuchende da. Foto: Arbeitsagentur

Krankenhäuser, Energieversorger, Lebensmittelhandel: Sie alle zählen zu den systemrelevanten Bereichen, die für die Gesellschaft unverzichtbar sind. Auch die Arbeitsagenturen gehören in diese Gruppe. Sie tragen in der Corona-Krise dazu bei, Existenzen zu sichern und die Wirtschaft zu stützen. Seit Mitte März ist die Agentur für Arbeit Ahlen-Münster für Besucher geschlossen. Gearbeitet wird dennoch mit Hochdruck, um insbesondere Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld auszuzahlen.

Anderes Arbeitsumfeld – anderes Aufgabengebiet

Wenn Melanie Lücke in diesen Tagen am Schreibtisch sitzt, hat sie ihre Kinder um sich. Die Arbeitsvermittlerin arbeitet seit Mitte März im Homeoffice. Doch nicht nur das Arbeitsumfeld, auch das Aufgabengebiet hat sich verändert. Anstatt Arbeitsuchende oder Arbeitslose in einen neuen Job zu vermitteln, berät sie jetzt Arbeitgeber und bearbeitet Anträge von Kurzarbeit. Mit internetbasierten Kursen hat sie sich in das neue Arbeitsfeld eingearbeitet.

Melanie Lücke, Arbeitsvermittlerin

Normalerweise ist die Mutter von zwei Kindern an drei Tagen die Woche für zwanzig Stunden am Arbeitsplatz. Doch nun ist nichts mehr normal. „Inzwischen ist jeder Wochentag ein Arbeitstag“, sagt die 44-Jährige. Zu Hause zu arbeiten sei manchmal ein ziemlicher Spagat. Wie viele andere Mütter und Väter muss sie neben der Arbeit die Betreuung ihrer Kinder organisieren. „Deshalb beginne ich morgens schon um sechs oder nutze die Abendstunden, um zu arbeiten“, so Lücke.

Eine Situation wie in der Corona-Pandemie hat die erfahrene Arbeitsvermittlerin noch nicht erlebt. Unzählige Anrufe von Arbeitgebern haben sie erreicht. Sie berichten davon, dass sie ihren Betrieb vorübergehend schließen mussten, für die Produktion wichtige Lieferungen ausbleiben oder die Aufträge wegbrechen. Sie alle möchten Entlassungen vermeiden und ihre Mitarbeiter weiterbeschäftigen.

Die Corona-Pandemie hat ihren Arbeitsalltag sehr verändert. Melanie Lücke arbeitet im Homeoffice und bearbeitet Anträge auf Kurzarbeitergeld. Foto: Arbeitsagentur

Melanie Lücke ist froh, helfen zu können. „Aber manche Gespräche gehen einem schon sehr unter die Haut“, erzählt sie. „Besonders die Unternehmen, die von jetzt auf gleich zumachen mussten, haben große Sorgen.“ Um ihre Anzeigen von Kurzarbeit schnell zu bearbeiten, schaltet Melanie Lücke auch an den Wochenenden und Feiertagen den Computer ein.

Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster

Rund 156 000 solcher Anzeigen gingen bis zum 13. April in Nordrhein-Westfalens Arbeitsagenturen ein. „Auch in Münster und im Kreis Warendorf sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise bereits jetzt enorm“, berichtet Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. Die aktuelle Situation sei mit nichts vergleichbar. „Uns rufen sehr viele Arbeitgeber an, die noch nie mit Kurzarbeit zu tun hatten und auch noch nicht von konjunkturellen Einbrüchen betroffen waren.“ Darunter seien Gastronomiebetriebe, die plötzlich schließen mussten, Reisebüros oder Taxibetriebe.

Gesamte Organisation angepasst

Die Arbeitsagentur Ahlen-Münster hat schnell auf die neuen Entwicklungen reagiert. „Wir haben unsere gesamte Organisation angepasst“, sagt Fahnemann. Sein Team setze alles daran, schnelle Hilfe bereitzustellen. Das gilt nicht nur für die Beratung und Auszahlung von Kurzarbeitergeld. „Vorrang haben für uns jetzt alle Tätigkeiten, die mit der Auszahlung der finanziellen Leistungen an Betriebe und Arbeitslose zusammenhängen. Denn damit tragen wir dazu bei, Existenzen wirtschaftlich zu sichern“, betont der Agenturleiter. „Gleichzeitig vermitteln wir aber natürlich weiterhin Menschen in eine neue Beschäftigung. Das ist wichtig, weil in vielen Bereichen gerade dringend Personal gesucht wird“, so Fahnemann.

Einsam im Einzelbüro

Leonard Auf der Springe ist einer der Mitarbeiter, die nun im Einsatz sind, um Arbeitslosmeldungen telefonisch entgegenzunehmen. Auch sein Arbeitsalltag hat sich seit Mitte März komplett verändert. „Aktuell beginne ich meinen Dienst schon morgens um 6 Uhr und arbeite Anfragen ab, die Kunden per E-Mail an uns richten. Ab 8 Uhr schalte ich mich dann in die telefonische Sondertelefonnummer zu und beantworte die Anrufe von Menschen, die arbeitslos geworden sind, oder Jugendlichen, die Beratung zu Ausbildung oder Studium brauchen“, schildert der 30-Jährige. Etwas einsam sei es manchmal im Einzelbüro: „Bis Mitte März hat unser Team in einer Bürolandschaft gearbeitet, die Kunden kamen persönlich vorbei und die Gespräche fanden im direkten Austausch statt“, erzählt Auf der Springe.

Mehr als 500 Anrufe täglich

Mehr als 500 Anrufe von Arbeitnehmern oder Arbeit- und Ausbildungssuchenden gehen nun an manchen Tagen in der Arbeitsagentur Ahlen-Münster ein. Leonard Auf der Springe ist froh, den Menschen am Telefon konkret helfen zu können. „Die Anrufer sind häufig überrascht, wie unkompliziert vieles geht, und freuen sich, dass wir schnell unterstützen können“, berichtet er. Die Gespräche mit den Kunden seien oft deutlich intensiver als vor der Corona-Krise, sagt der Sachbearbeiter: „Viele berichten nicht nur von ihrer beruflichen Situation, sondern erzählen auch über ihre privaten Sorgen.“

Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster

Die vielen Anrufe zu beantworten klappt nur, weil Kolleginnen und Kollegen aus anderen Aufgabengebieten mithelfen. „Alle ziehen an einem Strang. Die Solidarität untereinander ist sehr groß“, sagt Agenturleiter Joachim Fahnemann: „Alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind mit unglaublich großem Engagement dabei und wollen einen Beitrag zur Bewältigung dieser Krise leisten und die Menschen in der Region unterstützen. Denn die brauchen uns jetzt besonders.“

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