1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Drensteinfurt
  6. >
  7. Aktiv mit und für Menschen

  8. >

Neue Inklusionsbeauftragte der Stadt

Aktiv mit und für Menschen

Drensteinfurt

Seit dem 1. November hat die Stadt eine hauptamtliche Inklusionsbeauftragte. Mit 15 Wochenstunden will sich Silke Russow für mehr Barrierefreiheit im Stadtgebiet einsetzen.

Von Christiane Husmann

Die neue Inklusionsbeauftragte der Stadt Drensteinfurt heißt Silke Russow (2.v.r.). Carolin Zulka, Katrin Adolf und Bürgermeister Carsten Grawunder (v.l.) freuen sich über Verstärkung in der Stadtverwaltung. Foto: Christiane Husmann

„Für mich bedeutet Inklusion ein Miteinander – normal soll lediglich sein, dass es Unterschiede gibt“, macht Silke Russow ihren Standpunkt klar. Seit dem 1. November ist sie die neue Inklusionsbeauftragte der Stadt Drensteinfurt. „Sie ist ein Glücksfall“, freut sich Bürgermeister Carsten Grawunder über die neue Mitarbeiterin, die prädestiniert sei, die Stadt auf dem wichtigen Weg in Richtung „weniger Barrieren und mehr Miteinander“ konstruktiv zu begleiten.

Über ihren bisherigen beruflichen Werdegang gibt Silke Russow gerne Auskunft: „Schon zu Beginn meiner Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau habe ich gemerkt, dass ich eigentlich aktiv mit und für Menschen arbeiten möchte.“ So folgten Ehrenamtstätigkeit bei der Lebenshilfe Hamm und eine Ausbildung zur Erzieherin mit Engagement in integrativen Kindergärten. „Später dann der Einstieg beim Sozialwerk St. Georg“, nennt die 49-Jährige eine weitere Station, bei der sie unter anderem mit dem Neuaufbau einer Einrichtung für Menschen mit geistiger und psychischer Behinderung betraut gewesen sei. „Die Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen waren mir schon immer ein Dorn im Auge und begegnen mir im täglichen Leben an jeder Ecke – leider gerade in meinem eigenen Quartier“, bedauert die Drensteinfurterin, die daran etwas ändern will. „Ob aus Unwissenheit, Desinteresse oder auch Rücksichtslosigkeit werden Menschen mit Behinderung in vielen Bereichen nicht wahrgenommen oder ausgegrenzt – ich möchte aktiv etwas tun.“ Und damit hat sie bereits begonnen. Mit einem Schreiben an die Drensteinfurter Gewerbetreibenden wirbt sie für eine Idee, die baulichen Barrieren ihren einschränkenden Schrecken nehmen soll.

Bürgersteig-Service per Funkklingel

„Einige Geschäfte sind aufgrund verschiedener Barrieren für Menschen mit Behinderung nicht im vollen Umfang oder gar nicht erreichbar“, weiß Silke Russow, die eine Funkklingel präsentiert. „Eine kleine, aber effiziente Lösung, mit der ich bereits sehr gute Erfahrungen gemacht habe“, stellt sie ein Schild vor, auf dem eine Klingel montiert ist. „Bitte klingeln – wir helfen Ihnen gerne weiter“, wird darauf versprochen. „Die Funkklingel wird von uns auf Wunsch am jeweiligen Geschäft montiert – das Gegenstück innen“, erklärt Russow die unkomplizierte Handhabung, die eine Art Bürgersteig-Service ermöglichen soll. „Die Kosten für die Bereitstellung werden komplett von der Stadt übernommen“, erklärt die Inklusionsbeauftragte.

„Das Thema Inklusion muss stattfinden“, unterstreicht der Bürgermeister, der dabei auch andere Bereiche in den Blick nimmt: „Beispielsweise beim Radwegekonzept.“ Die Zahl der Spezialfahrräder für Ältere oder Menschen mit Behinderung steige und müsse mit berücksichtigt werden, so Grawunder, der sich in allen Bereichen Barrierefreiheit wünscht. „Auch hier im Rathaus.“ Natürlich wäre es für ihn selbstverständlich und nicht schlimm, jemanden unten an der Haustür zu empfangen. „Schlimm ist es aber womöglich für den Betroffenen“, der eben keine andere Wahl habe.

Silke Russow

Auch in der Berufswelt solle die Anstellung von Menschen mit Behinderung deutlich an Fahrt aufnehmen, sind sich Grawunder und Russow im Gespräch einig. „Wir müssen gucken, wer was kann, und nicht, wer was nicht kann“, propagieren sie und können gleich mehrere Beispiele benennen, die zeigten, das Inklusion in Betrieben und Behörden gut funktioniere und durchaus praktikabel sei. „Man sollte grundsätzlich auf mehr Rücksichtnahme setzten“, so Grawunder. „Es geht nicht immer nur ums Funktionieren“, möchte auch Russow für mehr Verständnis werben. Das gelte ebenso für ältere Menschen, deren Erfahrungsschatz als gewinnbringender Nutzen nicht unterschätzt werden dürfe.

Vernetzung mit Einrichtungen, Vereinen und Gewerbetreibenden

Seit Antritt ihrer Stelle, die mit 15 Stunden besetzt und vorerst für ein Jahr befristet ist, bemüht sich Silke Russow um die Vernetzung mit Einrichtungen, Vereinen und Gewerbetreibenden. „Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer etwa“, zählt Russow eins von vielen Vorhaben auf, die auf ihrer Agenda stünden. „Auf die Menschen zugehen, miteinander reden, sich vernetzen, Quartiersarbeit, handeln, nicht nur reden und planen, ein Miteinander schaffen“, benennt sie Relevanzen.

Für Ideen, Anregungen oder Fragen steht Silke Russow montags, dienstags und donnerstags von 9 bis 14 Uhr unter Tel. 0 25 08 / 9 95 14 24 zur Verfügung.

Startseite