1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Drensteinfurt
  6. >
  7. An Tradition jüdischen Lebens erinnern

  8. >

Eintägiges Kulturfestival

An Tradition jüdischen Lebens erinnern

Drensteinfurt

Historisch kostbare Gebäude und eine reichhaltige Geschichte bilden den Rahmen für das Festival „Musik & Kultur in westfälischen Landsynagogen“. Das zweite Event findet am 22. August in Drensteinfurt statt und hat Musik, Literatur, Kulinarisches und Wissenswertes zu bieten.

Von und

Eine dokumentarische Inszenierung der Ruhr-Universität Bochum, eine Führung durch die ehemalige Synagoge und ein Konzert mit der Gruppe „Syndikat Gold“ werden am 22. August geboten. Foto: Dietmar Jeschke

Historisch kostbare Gebäude und eine reichhaltige Geschichte bilden den Rahmen für das Festival „Musik & Kultur in westfälischen Landsynagogen“. In diesem Sommer soll mit einer neunteiligen Veranstaltungsreihe an die weithin unbekannte Tradition jüdischen Lebens in Westfalen erinnert werden.

Das zweite Event des Festivals, das von der Evangelischen Stadtakademie Bochum, dem Evangelischen Forum Westfalen und dem Landesverband Jüdischer Gemeinden von Westfalen-Lippe veranstaltet wird, findet am 22. August in Drensteinfurt statt. „Die ehemaligen Landsynagogen sind mehr als bloße Bauwerke“, sagt Festival-Leiter Dr. Manfred Keller. „Sie sind Hotspots jüdischer Geschichte, in denen Glaube und Kultur des Landjudentums wieder lebendig werden.“

In neun Städten

Das Festival findet von Juni bis Oktober in neun verschiedenen Städten statt, darunter Drensteinfurt. Die Veranstaltungen sind jeweils sonntags zwischen 14 und 18 Uhr terminiert. „Jeder Termin umfasst ein Konzert und eine literarische Veranstaltung, eine kleine Bewirtung aus der jüdischen Küche und einen Besuch mit Führung in der jeweiligen Landsynagoge“, erläutert Keller. Nach Möglichkeit sollen neben der jeweiligen Landsynagoge auch andere „jüdische Orte“ aufgesucht werden. „Zur Planung dieser Programmbausteine arbeiten wir eng mit den Verantwortlichen vor Ort zusammen“, betont Keller.

Die Gruppe "Syndikat Gold" spielt jüdische Lieder und Schlager aus den 1920er Jahren. Foto: Foto: Syndikat Gold

In Drensteinfurt ist das Programm auf ein jüngeres Publikum ausgelegt. Diesen Wunsch habe Heiko Schwarz geäußert, der nicht nur Vorsitzender des Synagogenvereins, sondern auch Lehrer an der Teamschule ist. „Er möchte an diesem Tag auch seine Schülerinnen und Schüler und deren Eltern erreichen“, berichtet Keller.

Deshalb habe er nicht nur ein flottes Musikprogramm organisiert, sondern im literarischen Teil ein junges Mädchen in den Fokus gerückt, das ein bewegendes Tagebuch ihrer Flucht und Vertreibung aus Bochum geschrieben habe, so Keller. „Mit einer solchen Gestalt, die alles andere als ein ‚Opfer‘ ist, können sich junge Menschen identifizieren.“

Festival-Leiter Dr. Manfred Keller

Die ehemaligen Landsynagogen waren nach ihrer teilweisen Zerstörung in der Pogromnacht 1938 weithin in Vergessenheit geraten. Mittlerweile sind sie aber von örtlichen Initiativen wieder instand gesetzt und zumeist zu Gedenkstätten umgewandelt worden.

Mit dem Kulturfestival soll auch ein Beitrag zur Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus geleistet werden. „Wo jüdische und nichtjüdische Menschen sich begegnen, wo sie ihre Traditionen und ihren ,way of life‘ kennenlernen, wachsen Verständnis und Wertschätzung“, ist Manfred Keller überzeugt.

Das Festival ist eines von insgesamt 24 Projekten, die von der LWL-Kulturstiftung im Rahmen des bundesweiten Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ unterstützt werden. „Selbstverständlich werden wir überall die Corona-Schutzverordnungen in der zum fraglichen Zeitpunkt geltenden Form beachten“, teilt Keller mit.

Der Eintritt kostet 15 Euro, ermäßigt 7,50 Euro (Schüler und Studierende mit Ausweis). Darin sind alle drei Veranstaltungsbausteine und ein Imbiss aus der jüdischen Küche enthalten. Eine Anmeldung ist nötig bei Heiko Schwarz: Tel. 01 52 / 59 17 51 15, E-Mail: hei.schwarz@gmx.net.

Das Programm im Überblick

Literatur: 14 bis 15 Uhr, Teamschule: „Das Leben der Susi Schmerler“. 15 Jahre ist die Bochumer Jüdin Susi Schmerler alt, als sie im Zuge der sogenannten „Polenaktion“ im Oktober 1938 mit ihrer Familie deportiert wird. Ein mutiges Mädchen mit Zukunftsträumen, Wünschen, Hoffnungen und Ängsten. Überliefert ist Susi Schmerlers Geschichte in Briefen und Tagebuchaufzeichnungen, die der Bochumer Historiker Hubert Schneider herausgegeben hat. Diese vielfältigen Erinnerungen werden von einer Projektgruppe der Ruhr-Universität Bochum dokumentarisch in Szene gesetzt.

Führung: 15.15 bis 16.45 Uhr, Treff an der Teamschule: „Auf jüdischen Spuren in Drensteinfurt“. Führungen in Gruppen zur alten Synagoge (Synagogengasse) und zum jüdischen Friedhof (Kleiststraße).

Konzert: 17 bis 18 Uhr, Teamschule: „In der Bar zum Krokodil…“ – jüdische Lieder und Schlager aus den 1920er Jahren mit der Gruppe „Syndikat Gold“. Das sind Gabriela Koch (Gesang, Querflöte), Konstantin Ingenpaß (Gesang), Martin Pilger (Klavier) und Kevin Hemkemeier (Kontrabass). „Syndikat Gold“ hat sich musikalisch ganz der goldenen Ära Anfang des 20. Jahrhunderts verschrieben. Mit viel Esprit und Liebe zum Detail widmen sich die vier Musiker den unvergessenen Schlagern, geben sich der Nostalgie hin und lassen die goldene Zeit noch einmal lebendig werden.

Startseite